# taz.de -- Israel und die EU: Israel bricht Kontakt zu EU-Außenbeauftragter ab
       
       > Kaja Kallas soll Israels Vorgehen im Westjordanland mit dem
       > südafrikanischen Apartheidregime verglichen haben. Das hat Konsequenzen –
       > direkt vor dem EU-Gipfel.
       
 (IMG) Bild: Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat Israel scharf kritisiert
       
       Diplomatischer Eklat kurz vor dem EU-Gipfel in Brüssel: Israels
       Außenminister Gideon Saar hat angekündigt, den Kontakt mit der
       EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas abzubrechen – bis sie angebliche
       Apartheid-Vergleiche zum Vorgehen Israels in Gaza und in der Westbank
       zurücknehme. Saar beschuldigte Kallas, „zwanghaft und mit offensichtlicher
       Unfairness“ gegenüber Israel zu handeln.
       
       Die Nahostpolitik steht auf der Tagesordnung des zweitägigen
       Gipfeltreffens, das am Donnerstag in Belgiens Hauptstadt begann. Es war
       zunächst unklar, ob sich die EU hinter Kallas stellen würde. Die
       Israel-Politik spaltet die Europäer seit Jahren. [1][Spanien und Irland
       fordern eine härtere Haltung wegen der israelischen Kriegsverbrechen in
       Gaza] und der [2][illegalen Besatzung des Westjordanlands], Deutschland und
       Italien halten dagegen.
       
       Kallas vertrat bisher eine mittlere, defensive Linie. Die estnische
       Politikerin interessiert sich vor allem für die Ukraine und Russland,
       weniger für den Nahen Osten. Bei einem Besuch in Mexiko soll Kallas die
       israelische Politik nun aber mit der Rassentrennung unter dem
       südafrikanischen Apartheidregime verglichen haben. Dies berichtete das auf
       EU-Themen spezialisierte Portal „Euractiv“.
       
       Bislang habe Kallas die ihr unterstellte Aussage weder bestritten,
       klargestellt noch darauf reagiert, kritisiert Saar. Doch nach dem Eklat sah
       sich die Außenvertreterin gezwungen, Saar zu antworten. „Lieber Gideon, du
       weißt, dass uns sehr viel verbindet“, schrieb sie im Onlinedienst X. Sie
       schätze den Dialog mit Israel und sei bereit, ihn auf „respektvolle und
       konstruktive“ Weise fortzusetzen.
       
       Zugleich bekräftigte Kallas ihre Haltung zu Israel, Palästina und der
       angestrebten Zweistaaten-Lösung. Die [3][„illegalen israelischen
       Siedlungen“ im Westjordanland] machten es immer schwerer, diese Lösung zu
       erreichen. „Das ist die EU-Position“, schrieb sie. Zuletzt hatten mehrere
       EU-Staaten gefordert, den Druck auf Israel zu erhöhen, da eine
       Zweistaaten-Lösung sonst unmöglich werde.
       
       ## Kallas scheint zunehmend isoliert
       
       Dies scheiterte jedoch unter anderem an Deutschland, das traditionell zu
       Israel steht. Bundeskanzler Friedrich Merz und [4][Außenminister Johann
       Wadephul] lehnen Sanktionen gegen Israel regelmäßig ab. Die Bundesregierung
       pflegt persönliche Kontakte zu Außenminister Saar und anderen
       Regierungsvertretern in Israel, ohne dabei besondere Rücksicht auf Kallas
       oder andere EU-Vertreter zu nehmen.
       
       Kallas wiederum wird in Brüssel zunehmend als isoliert beschrieben. Zuletzt
       war sie von Ratspräsident António Costa übergangen worden. Costa sucht
       einen Draht nach Moskau, um mit Präsident Wladimir Putin über eine mögliche
       Friedenslösung für die Ukraine zu reden. Kallas, die in der Russlandpolitik
       als Hardlinerin gilt, lehnt diplomatische Kontakte ab – diese seien eine
       „Falle“.
       
       [5][Auch im Irankrieg], den Israel gemeinsam mit den USA geführt hat,
       spielte Kallas keine Rolle – dabei hatte die EU einst das Atomabkommen mit
       Iran ausgehandelt. Zuletzt machten in Brüssel Berichte die Runde, dass der
       Europäische Auswärtige Dienst neu geordnet werden könnte. Er wird von
       Kallas geleitet. Damit könnte sie endgültig die Kontrolle über die
       europäische Diplomatie verlieren.
       
       18 Jun 2026
       
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