# taz.de -- Besetztes Westjordanland: Israels Finanzminister Smotrich kippt das Hebron-Abkommen
> Drei Jahrzehnte lang galt der Status quo in der geteilten Stadt im
> Westjordanland. Palästinenserpräsident Abbas ruft die internationale
> Gemeinschaft an.
(IMG) Bild: Ein israelischer Soldat in Hebron, 13. Juni 2026
dpa/taz | Der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hat
eine drei Jahrzehnte alte Vereinbarung mit der Palästinensischen
Autonomiebehörde aufgekündigt. „Ich habe das Hebron-Abkommen aufgehoben“,
schrieb Smotrich in einem Post auf der Plattform X.
Dies bedeute, dass zahlreiche Befugnisse, [1][die in der geteilten Stadt
Hebron im Westjordanland] und an den dortigen heiligen Stätten – darunter
auch die Patriarchengräber – nicht länger bei der palästinensischen
Stadtverwaltung von Hebron lägen, „sondern wieder vollständig in die
Verantwortung des Staates Israel zurückkehren“, schrieb Smotrich. Dies sei
eine „historische Korrektur“. Man setze die „Revolution“ zur Legalisierung
der [2][israelischen Siedlungen und der „Vertiefung der israelischen
Souveränität“] im Westjordanland fort.
Im Arabischen wird die Stadt Al-Khalil genannt. Der palästinensische
Präsident Mahmud Abbas warnte nach Angaben der Nachrichtenagentur Wafa vor
„schwerwiegenden Folgen“ der Entscheidung. Er rief die internationale
Gemeinschaft dazu auf, unverzüglich einzugreifen und die israelischen
Behörden dazu zu bewegen, die „äußerst gefährliche“ Entscheidung rückgängig
zu machen. Der Schritt untergrabe die Bemühungen um eine friedliche
Beilegung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern im Rahmen
einer Zweistaatenlösung.
Auch die israelische Organisation Peace Now kritisierte die Entscheidung
als „gefährlichen und verantwortungslosen Schritt eines gescheiterten
Politikers“. Im regionalen Krieg sei die Regierung „an allen Fronten
gescheitert“ und nun versuche „der Brandstifter Smotrich, [3][das besetzte
Westjordanland in Flammen zu setzen“.]
## Abkommen regelte Teilung der Stadt
Das Hebron-Abkommen war 1997 unter der Vorgänger-Regierung von Benjamin
Netanjahu vereinbart worden, der damals ebenfalls Ministerpräsident war. Es
sah unter anderem die Teilung der Stadt vor. Danach kontrollierte Israel
weiterhin ein Fünftel der Stadt, um mehrere hundert zumeist radikale
jüdische Siedler zu schützen. Insgesamt leben in der Stadt nach Schätzungen
rund 200.000 Palästinenser.
[4][Die Patriarchengräber in Hebron] sollen sich der Überlieferung nach an
jener Stelle befinden, wo Abraham, Sara, Isaak, Rebekka, Jakob und Lea
begraben worden sind. Der Ort ist Juden, Christen und Muslimen heilig. Die
religiöse Stätte ist geteilt in eine Synagoge und eine Moschee. Die
Synagoge untersteht israelischer Verwaltung.
## Befugnisse gehen an israelische Behörden
Das israelische Nachrichtenportal ynet schrieb, fast drei Jahrzehnte lang
hätten bestimmte Planungs- und Baumaßnahmen im jüdischen Teil Hebrons sowie
an den nahegelegenen heiligen Stätten der Zustimmung der Stadtverwaltung
von Hebron oder einer besonderen politischen Genehmigung bedurft. Smotrichs
neue Entscheidung übertrage diese Befugnisse auf israelische
Planungsbehörden.
Nach Angaben von Regierungsvertretern bedeutet der Schritt außerdem, dass
die Stadtverwaltung von Hebron bestimmte kommunale Dienstleistungen für das
jüdische Viertel nicht länger erbringen werde, darunter die Müllabfuhr oder
die Erteilung von Baugenehmigungen. Stattdessen sollen dort künftig
israelische Behörden und das Militär die volle Verantwortung übernehmen.
[5][Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland
und Ost-Jerusalem erobert]. Dort leben heute inmitten von drei Millionen
Palästinensern rund 700.000 israelische Siedler. Die Palästinenser
beanspruchen die Gebiete für einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als
Hauptstadt.
16 Jun 2026
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