# taz.de -- Abkommen zwischen den USA und Iran: Die Weltwirtschaft hofft
> Das vorläufige Abkommen zwischen US-Präsident Trump und dem iranischen
> Mullahregime dürfte der Weltwirtschaft Wachstum bringen. Doch bis dahin
> ist noch viel Geduld nötig.
(IMG) Bild: 462 Schiffe liegen weiterhin an beiden Seiten der Straße von Hormus fest – Öltanker, LNG-Carrier, Containerschiffe und Frachter
Gleich nach Verkündung des [1][vorläufigen Abkommens zur Beendigung des
Krieges zwischen den USA und Iran] stießen die „Diona“ und die „Hero 2“ von
der iranischen Küste in See. In den Bäuchen der zwei iranischen Supertanker
der Klasse VLCC: 3,8 Millionen Barrel persisches Rohöl. Kurz darauf
passierte ein drittes Schiff der National Iranian Tanker Company die bis
dahin von der US-Marine verhängte Zone der Seeblockade gegen Iran, wie der
[2][Schiffsdatenbank Tanker Trackers] zu entnehmen ist.
Noch bevor die Tinte unter dem bilateralen Abkommen trocken war, liefen
also am Mittwochmorgen die ersten Ölexporte aus dem Persischen Golf an.
Denn in dem Abkommen ist auch vereinbart, dass die [3][iranische Blockade
der Straße von Hormus] aufgehoben wird, die an normalen Tagen
durchschnittlich 94 Frachtschiffe passieren. Allerdings fordern
Großreedereien wie Maersk, CMA CGM, die Hamburger Hapag-Lloyd und andere
noch konkrete Sicherheitsgarantien wie Minenräumung, militärisch begleitete
Konvois und Versicherungsschutz.
462 Schiffe liegen weiterhin an beiden Seiten der Straße von Hormus fest –
Öltanker, LNG-Carrier, Containerschiffe und Frachter. Darunter sind nach
Angaben des Verbands Deutscher Reeder auch 46 Schiffe deutscher Reedereien
mit rund 1.000 Seeleuten. Hapag-Lloyd sagte der Agentur Reuters: „Wir
hoffen, dass Schiffe die Straße von Hormus noch in dieser Woche passieren
können.“
Experten des Energiedatendienstleisters Kpler erwarten indes, dass es
Wochen bis Monate dauern wird, bis der Ölfluss wieder normal läuft.
Schließlich können nicht alle feststeckenden Schiffe gleichzeitig die Enge
passieren, auch [4][die Minenräumung] sowie anschließende Sicherheitschecks
sollen bis zu sechs Monate dauern. Ohne Minenräumung bleiben
Schiffsversicherer zurückhaltend: Die Versicherungssummen liegen mit etwa
2,5 Millionen US-Dollar für einen VLCC Tanker 700 Prozent über
Vorkriegsniveau.
Durch die Straße von Hormus wurden vor dem Krieg 20 Prozent des globalen
Ölhandels und 25 Prozent der Exporte von verflüssigtem Erdgas (LNG)
verschifft. Der verstopfte Transportweg hat die Ölförderung am Golf nach
Berechnungen der internationalen Energieagentur um 10,5 Millionen Barrel
pro Tag und damit um rund ein Drittel der täglichen Gesamtförderung der
Golfstaaten fallen lassen.
## Beschädigte Anlagen
Hinzu kommt, dass mehr als 40 Öl- und Gasanlagen in den Golfstaaten durch
Raketen- und Drohnenangriffe beschädigt wurden. Dies erfordert Reparaturen,
für die die Kosten auf bis zu 58 Milliarden US-Dollar geschätzt werden.
Allein in Katars LNG-Kapitale Ras Laffan, in der 17 Prozent der
Verflüssigungsanlagen zerstört wurden, soll es 20 Milliarden US-Dollar
kosten und bis 2030 dauern, bis alle Schäden behoben sind und wieder voll
produziert werden kann.
Bis das Erdöl vom Golf wieder voll fließen kann, wird je nach Zustand der
heruntergefahrenen Ölquellen von wenigen Wochen bis zu einem halben Jahr
dauern. Fachleute rechnen deshalb damit, dass der Ölpreis nicht zügig auf
das Vorkriegsniveau von knapp 72 US-Dollar pro Barrel (je 159 Liter) sinkt.
Denn allein die [5][strategischen Ölreserven] der USA waren zum
Stabilisieren der Preise auf das niedrigste Niveau seit 1983 geleert worden
und müssen nun preistreibend an den Märkten zum Wiederauffüllen angekauft
werden.
Vom stark gestiegenen und nach Verkünden des Abkommens zuletzt gefallenen
Ölpreis hängen in weiten Teilen der Welt [6][Inflation und
Wirtschaftswachstum] ab. Laut dem unabhängigen ökonomischen
Beratungsunternehmen Oxford Economics verringert das Abkommen die Gefahr
einer Rezession. Das globale Wachstum dürfte mit 2,4 Prozent aber weiterhin
unter den Werten der vergangenen Jahre bleiben: „Das Abkommen beseitigt ein
Abwärtsrisiko, erzeugt aber keinen neuen Wachstumsmotor.“
## Wirtschaftsweise mahnt zur Skepsis
„Dieses Abkommen ist dafür ganz sicher kein Anlass“, sagte die deutsche
[7][Wirtschaftsweise Monika Schnitzer] auf die Frage, ob Trumps bisheriger
Irandeal ein Hochsetzen der zuvor auf 0,5 Prozent halbierten deutschen
Wachstumsprognose rechtfertige. Es habe nur „das Schlimmste verhindert“,
dass der Ölpreis lange über 100 US-Dollar pro Fass bleibe. „Der Schaden ist
schon angerichtet“, sagte sie im Deutschlandfunk. Die Unternehmen würden
ihre durch die monatelang hohen Energiepreise gestiegenen Produktionskosten
an die Endverbrauchenden weitergegeben.
Bemerkenswert ist, dass die polnische Regierung – im Gegensatz zur
Bundesregierung – nun eine einmalige Sondersteuer für Ölkonzerne
beschlossen hat, die während des Krieges zwischen den USA, Iran und Israel
von den stark gestiegenen Energiepreisen profitiert haben. Damit sollen
umgerechnet fast eine Milliarde Euro eingenommen und so ein Teil der
Milliardenbeträge zurückgewonnen werden, die für den [8][Schutz der
Verbraucher vor höheren Kraftstoffkosten] aufgewendet wurden.
18 Jun 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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