# taz.de -- USA-Iran-Abkommen: 60 Tage für einen Deal
       
       > Die USA und Iran haben sich auf eine Absichtserklärung mit 14 Punkten
       > geeinigt. Details sollen Mitte August stehen. Israel gibt keine
       > Zustimmung.
       
 (IMG) Bild: Der iranische Präsident Massud Peseschkian bei der Unterzeichnung des Abkommens in Teheran, 18. Juni 2026
       
       1. Was steht in der Absichtserklärung? 
       
       Am Donnerstag hat der iranische Präsident Massud Peseschkian auf X das von
       US-Präsident Donald Trump und ihm selbst unterzeichnete Memorandum of
       Understanding geteilt. Es umfasst 14 Punkte, darunter: ein Ende der
       Kampfhandlungen an allen Fronten, also auch im Libanon. Ein Ende der
       Blockade seitens des US-Militärs an der Straße von Hormus. Im Gegenzug soll
       Iran „Arrangements“ treffen, um die „sichere Passage“ kommerzieller Schiffe
       zu ermöglichen. Dafür sollen 60 Tage lang keine Gebühren erhoben werden.
       Iran soll [1][300 Milliarden US-Dollar für den Wiederaufbau] und seine
       ökonomische Entwicklung zur Verfügung gestellt bekommen, außerdem sofort
       mit Unterzeichnung Ausnahmegenehmigungen für den Verkauf von Öl. Der Abbau
       von Sanktionen soll baldmöglichst verhandelt werden, zudem eingefrorene
       Gelder Irans freigegeben werden. Iran bekennt sich dazu, keine Atombombe
       herzustellen, Details zu dem im Land verbliebenen angereicherten Uran
       sollen noch verhandelt werden.
       
       Die Absichtserklärung bildet die Basis für einen finalen Deal, der
       innerhalb der kommenden 60 Tage ausgehandelt werden soll. Mit Genehmigung
       beider Seiten kann dieser Zeitraum aber verlängert werden.
       
       2. Wie wird das Abkommen in den USA aufgenommen? 
       
       Das vorläufige Abkommen zwischen den USA und Iran trifft in weiten Teilen
       der USA auf Widerstand und Ablehnung. Sogar Republikaner stellen offen die
       Frage, was US-Präsident Donald Trump und seine Regierung mit dem Krieg
       gegen Iran erreicht haben. Mit den Militärschlägen der vergangenen Monate
       haben die US-Streitkräfte die iranische Infrastruktur und
       Verteidigungsanlagen stark beschädigt, doch das Mullahregime besteht unter
       anderer Führung weiter.
       
       Der republikanische Senator Bill Cassidy brachte es auf den Punkt, als er
       erklärte, dass dieses Abkommen der „größte außenpolitische Fehler in
       Jahrzehnten“ sei. Vor allem die Tatsache, dass sich die USA dazu bereit
       erklärt haben, die Sanktionen gegen iranische Ölexporte aufzuheben, wird
       äußerst kritisch gesehen.
       
       3. Was bedeutet das Abkommen für Trump? 
       
       Trump ist und bleibt Trump. Für die Anhänger der MAGA-Bewegung kann Trump
       fast nichts falsch machen. Und sollte die Kritik am Abkommen doch größer
       ausfallen als erwartet, dann hat er mit Vizepräsident J. D. Vance bereits
       einen Sündenbock gefunden. „Wenn alles klappt, schreibe ich mir den Erfolg
       zu. Wenn es nicht klappt, schiebe ich die Schuld auf J. D.“, scherzte Trump
       am Mittwoch. Die Beziehung der beiden ist trotz Vances öffentlicher
       Unterstützung für den Präsidenten angespannt. Immerhin war der
       Vizepräsident am Anfang gegen den Krieg.
       
       Innenpolitisch ist das Abkommen zunächst ein Erfolg für Trump, denn mit
       sinkenden Benzin- und Energiepreisen steigt die Zufriedenheit in der
       US-Bevölkerung.
       
       4. Im [2][Libanon gehen die Kämpfe weiter.] Was bedeutet das für das
       Abkommen? 
       
       Die Front im Libanon gefährdet den Iran-USA-Deal. So sehen es Iran und die
       USA. Gleich im ersten Absatz der Vereinbarung erklären beide Seiten „die
       sofortige und endgültige Beendigung der Militäroperationen an allen
       Fronten, einschließlich im Libanon“ und verpflichten sich, „die
       territoriale Integrität und Souveränität des Libanon zu gewährleisten“. Das
       hieße: Iran müsste die Unterstützung der Hisbollah einstellen; Israel den
       Einmarsch im Südlibanon beenden und die Truppen abziehen.
       
       Doch israelische Angriffe im Südlibanon haben seit Inkrafttreten fünf
       Menschen getötet. Die Hisbollah hat Angriffe auf Nordisrael eingestellt,
       kämpft aber weiter gegen israelische Soldaten, die ihren Einmarsch im
       Südlibanon fortsetzen. Hisbollah-Raketen und ein Drohnenangriff töteten
       fünf israelische Soldaten.
       
       Iran droht, das Abkommen zu brechen, sollten israelische Angriffe im
       Libanon weitergehen. Trump sieht daher den Deal gefährdet und ist wütend
       auf Benjamin Netanjahu. Trump kam sogar auf die verrückte Idee, Syriens
       Übergangsregierung in den Krieg hineinzuziehen und sie aufzufordern, gegen
       die Hisbollah zu kämpfen. Damit wäre Israel aus der Sache raus.
       
       Israels ultrarechte Regierung möchte ihre Besatzung im Südlibanon nicht
       beenden. Libanons Regierung pocht auf ein eigenes Abkommen mit [3][Israel]
       – um Unabhängigkeit von Iran zu demonstrieren. [4][Vermittler beider Länder
       verhandeln parallel in Washington]. Doch bisherige, gemeinsam vereinbarte
       Waffenruhen haben nicht gehalten.
       
       18 Jun 2026
       
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