# taz.de -- Hohe Benzinpreise: Biokraftstoffe auf der Speisekarte
       
       > Durch die hohen Spritpreise steigt die Nachfrage nach Agrotreibstoffen.
       > Das droht die Lebensmittelkrise zu verschärfen, warnt der
       > Klimaschutzverband Transport & Environment.
       
 (IMG) Bild: Paraffinischer Diesel oder HVO ist eine Alternative und seit Ende Mai 2024 zum Verkauf freigegeben
       
       Die aktuelle Ölkrise, angefacht durch den Krieg in der Golfregion, schiebt
       die Nachfrage nach Biokraftstoffen im Verkehr an. Dadurch drohen
       Lebensmittel weltweit noch schneller teurer zu werden, warnt der
       Klimaschutzverband Transport & Environment (T&E) [1][in einer neuen
       Studie].
       
       „Biokraftstoffe sind eine absolute Sackgasse“, sagt Sebastian Bock,
       Geschäftsführer von T&E Deutschland. „Statt Autos zu füttern, muss die
       Bundesregierung alles dafür tun, damit Menschen schneller elektrisch
       fahren.“
       
       Bei Biokraftstoffen wird allgemein zwischen verschiedenen Ausgangsstoffen
       unterschieden. Biokraftstoffe der sogenannten ersten Generation werden aus
       Nahrungs- und Futterpflanzen wie Mais, Getreide, Raps, Palm- oder Sojaöl
       hergestellt. Umweltschützer:innen und Agrarexpert:innen
       [2][kritisieren das seit Langem], weil mitunter wertvolle Nahrungsmittel
       unmittelbar für die Kraftstoffproduktion geopfert werden.
       
       Kraftstoffe der zweiten Generation basieren auf Nebenprodukten, Abfällen
       oder Reststoffen – zum Beispiel auf benutztem Frittieröl. Oder aus
       Nebenprodukten der Zuckerherstellung, die zu Ethanol verarbeitet werden,
       das dann etwa herkömmlichem Benzin beigemischt und als E10 verkauft wird.
       EU-Staaten importieren große Teile der Kraftstoffe, die laut Hersteller aus
       Abfall- und Reststoffen bestehen. Es sei dann allerdings schwierig
       sicherzustellen, dass es sich tatsächlich um Abfälle handelt, sagt Daniela
       Thrän. Die Forscherin hat an der Universität Leipzig die Professur für
       Bioenergiesysteme inne.
       
       ## Internationaler Trend zu mehr Biokraftstoffen
       
       Die Autoren der T&E-Studie beziehen sich allerdings zunächst auf Staaten im
       internationalen Ausland, die ihre Ziele für die Beimischung von biogenen
       Kraftstoffen zuletzt explizit angehoben haben. Nachdem die Regierungen der
       USA und Israels Krieg gegen das iranische Regime lostraten und
       Öllieferungen durch die Straße von Hormus am Persischen Golf ausblieben,
       schoss der Ölpreis in die Höhe. In der Folge wurde Benzin und Diesel
       weltweit teurer – und zahlreiche Länder, etwa die USA, Indien, Brasilien,
       Indonesien und Thailand beschlossen daraufhin, mehr biogene Kraftstoffe im
       Verkehrssektor einzusetzen.
       
       Brasilien und Indonesien etwa streben an, ein Fünftel der im weltweiten
       Straßenverkehr eingesetzten Kraftstoffe mit Biokraftstoffen zu decken. Das
       jedoch ist laut T&E kaum möglich, ohne dass dafür zusätzliche Anbauflächen
       geschaffen werden, die mit dem Anbau von Nahrungsmitteln konkurrieren.
       Abfall- und Reststoffe könnten dem zusätzlichen Kraftstoffbedarf nicht
       beikommen. „Kraftstoffe aus Reststoffen werden begrenzt bleiben“, sagt auch
       Wissenschaftlerin Thrän.
       
       Hinzu kommt, dass der [3][Krieg zwischen Iran, Israel und den USA] auch das
       globale Düngemittelangebot verknappt hat. T&E zufolge werden schon jetzt 5
       Prozent der weltweiten Düngemittel für die Produktion biogener Kraftstoffe
       verbraucht. Je mehr Kraftstoffe es werden sollen, desto weniger Dünger
       bleibt für den Nahrungs- und Futtermittelanbau und desto teurer drohen
       Nahrungsmittel zu werden – so die Argumentation der Studienautoren.
       
       In Deutschland und der EU ist der Anteil von Biokraftstoffen am
       Kraftstoffmix gesetzlich gedeckelt, erklärt Thrän. Für Kraftstoffe der
       ersten Generation sei zeitweise ein sogenanntes phasing out, also die
       schrittweise Abschaffung, geplant.
       
       ## E-Autos sind bessere Alternative
       
       Vor Kurzem hat der Bundestag jedoch beschlossen, die [4][erlaubten Quoten
       auch für Sprit aus Nahrungs- und Futtermitteln wieder anzuheben] – obwohl
       selbst die vorherigen Quoten bisher nicht mal ausgereizt wurden. Die
       aktuelle globale Tendenz, wieder mehr Lebensmittel im Tank zu verbrennen,
       sei besonders im Angesicht der Lebensmittelkrise besorgniserregend, sagt
       Caroline Tiefenbach, Referentin Klimaschutz im Verkehr bei der Deutschen
       Umwelthilfe.
       
       Überall dort im Verkehr, wo man direkt elektrifizieren, also Verbrenner
       durch E-Autos ersetzen kann, sei das die bessere Alternative, fügt Thrän
       hinzu.
       
       4 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.transportenvironment.org/articles/seeds-of-crisis
 (DIR) [2] /Forderung-von-Bundesagrarminister-Rainer/!6176083
 (DIR) [3] /Schwerpunkt-Iran-Krieg/!t5613610
 (DIR) [4] https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw17-de-treibhausgasminderungsquote-1166788
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nanja Boenisch
       
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