# taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Da hilft nur beten
> Diese Woche geht es in der Hauptstadt zum Musikhören ausschließlich in
> Kirchen. Doch das meistens mit ungewohntem Programm.
(IMG) Bild: Bitte kräftig pusten: Kai Fagaschinski und Michael Thieke alias The International Nothing
Der Kollege [1][Robert Mießner hat in dieser Zeitung schon auf das
30-jährige Jubiläum der „Singuhr Hörgalerie“] von Carsten Seiffarth und
Markus Steffens hingewiesen, doch daran zu erinnern kann ja nicht schaden.
Seit vergangener Woche läuft aus diesem Anlass in der Parochialkirche die
Klanginstallation „Ton-Kuppel“ von Bernhard Leitner.
Räume mit beziehungsweise aus Klang zu gestalten, ist ein Thema, für das
Leitner immer neue Ansätze gefunden hat. Seine Ton-Kuppel arbeitet mit
kräftigen Posaunentönen, die er durch das Kirchenschiff unter anderem
himmelwärts schickt.
Direkt daran angrenzend bietet der japanische Klangkunstpionier Akio Suzuki
mit „oto-date berlin 2026“ eine Art Soundwalk im öffentlichen Raum an, zu
dem eine bereitliegende Karte zum Einstecken den Weg weist. Beide
Installationen kann man noch bis zum 7. Juni erkunden (Parochialkirche,
täglich bis 7. 6., 14–20 Uhr, Eintritt frei).
Am Freitag geht es gleich in die nächste Kirche, genauer die Kapelle
Friedhof Sophien II. In der Reihe „Cemetery Chapel Concerts“ spielt dort
das „Echtzeitmusik“-Klarinettenduo The International Nothing. Michael
Thieke und Kai Fagaschinski verstehen es an ihren Instrumenten, so diskret
heiße Luft zu erzeugen, dass man meinen könnte, dass sie fast nichts tun.
Das machen sie aber anregend konzentriert und mit strengem Witz, man könnte
ihnen stundenlang dabei zuhören.
In diesem Fall geht das nicht, denn sie teilen sich den Abend mit dem Duo
Velvele. Merve Salgar an der Tanbur und Anıl Eraslan am Cello spielen ihre
Saiteninstrumente hingegen auf sowohl traditionelle als auch erweiterte
Weise (Kapelle Friedhof Sophien II, 5. 6., 19.30 Uhr, Spenden erbeten).
Am Sonntag könnte man sich dann überlegen, zum Gottesdienst in die
St.-Hedwigs-Kathedrale zu gehen. Immerhin steht da die „Missa Sancti
Nicolai“ von Joseph Haydn auf dem Programm. Die „Nicolaimesse“ für Soli,
Chor und Orchester wird aufgeführt vom RIAS Kammerchor, dem Chor der
St.-Hedwigs-Kathedrale und Mitgliedern des Konzerthausorchesters Berlin
unter der Leitung von Justin Doyle, dem Chefdirigenten des RIAS
Kammerchors.
Entstanden ist das Werk von 1772 vermutlich zu Ehren von Fürst Nikolaus
Esterházy, an dessen Hof Haydn angestellt war. Festlich genug ist die
Musik, mit 25 Minuten eher knapp gehalten, allemal. Und geschrieben ist sie
halt für liturgische Zwecke. Allerdings dürfte man sie in dem Rahmen selten
auf diesem Niveau dargeboten bekommen (St.-Hedwigs-Kathedrale, 7. 6., 10
Uhr, Eintritt frei).
4 Jun 2026
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(DIR) Tim Caspar Boehme
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