# taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Grenzgängerei zwischen Schlaf und Klang
> Ein Weekender ersetzt – vorläufig – das XJAZZ!-Festival, und bei
> Biegungen im Ausland spielt man mit archivierten Klängen.
(IMG) Bild: An Max Turner kann man im Berliner Popbetrieb der Nuller Jahre kaum vorbei. Jetzt präsentiert er sein Solodebüt
Im März wurde das für musikalisches Grenzgängertum geschätzte
XJAZZ!-Festival abgesagt, weil die Kulturverwaltung zugesicherte
Fördergelder nicht freigegeben hatte – was nicht zuletzt für hitzige
Diskussionen über bürokratische Hürden sorgte. Nun soll es im Herbst
stattfinden; zum ursprünglichen Termin findet ein Weekender statt, der sich
zum Mini-Festival ausgewachsen hat.
Am Freitag gibt es etwa eine Tribute-Show der Afrobeat Academy für den
unlängst verstorbenen Ebo Taylor. Die späte internationale Karriere des
Ghanaers war dank einer Kooperation mit der Berliner Combo überhaupt ins
Rollen gekommen. Am Sonntagmittag lockt neben Yoga ein Lovedancin’-Takeover
der DJs Tereza und Tom Kutsche, zusammen mit der BBC-Radiolegende Gilles
Peterson. (28.–31. 5., diverse Orte, Infos gibt es [1][hier]).
An Max Turner kann man im Berliner Popbetrieb der späten 1990er und nuller
Jahre kaum vorbei. Unter anderem arbeitete er mit Chilly Gonzales und war
Mitbegründer der Handpuppen-Hiphop-Combo Puppetmastaz. Dann trieb sich
Turner in der Welt herum, studierte etwa in Indien karnatischen Gesang. Was
davon, grundiert von folkigen Laptop-Minimalismus, wohl auf seinem
Solodebüt „Seeds Of The Unknown“ durchscheint? (30. 5., 20 Uhr, Salon
Wellenmaschine, Tickets gibt es [2][hier]).
Oft ist derzeit von sozialer Isolation die Rede. Doch Alleinsein ist nicht
gleich Einsamkeit, Rückzug kann befreiend sein. So schaut man bei der
multidisziplinären Reihe [3][„Being Alone – Artistic Perspectives from
Central and East Asia and Beyond“] durchaus ambivalent auf die Gemengelage.
Zum Abschluss will der japanische Gitarrist Seiichi Yamamoto das Publikum
mit seiner „Sleeping Show“ tatsächlich „ambienten Schlaf als kollektive
Einsamkeit“ erleben lassen. Mit dem Dösen im öffentlichen Raum hat man ja
in Asien ja sowieso deutlich mehr Erfahrung. (31. 5., 20 Uhr, HAU 2,
Tickets [4][hier]).
Der Hype um Zimmerpflanzen hat seit den Pandemiejahren neue Höhen erreicht.
Doch wie sieht unsere Interaktion mit grünen Freunden tatsächlich aus –
abgesehen davon, dass sie bei unzureichender Pflege die Blätter hängen
lassen? Die Klangkünstlerin Cassis B Staudt verwandelt ihre bioelektrischen
Impulse in Klang und geht mit der Fotokünstlerin Hadmut Bittiger der Frage
nach, was sie für ihre Besitzer:innen bedeuten – und was das mit
Migration und Erinnerung zu tun hat (30.+ 31. 5., Ausstellung 12–18 Uhr,
Performances 13.30 + 15.30 Uhr, Kulturstall auf dem Gutshof Britz).
Ebenfalls Erinnerungsspeicher sind die Tonbänder und prähistorischen
Bandmaschinen, mit denen Augustė Vickunaitė kurzweilige Kollagen aus Field
Recordings und anderen Aufnahmen schafft. Außerdem bei diesem
„Biegungen“-Abend zu Gast: die Londonerin Lara Jones und ihr ganz eigene
Art von Clubmusik. Und auch das spanische Duo ZA! schöpft klanglich aus
einem eklektischen Fundus ([5][5. 6., 20.30 Uhr, Ausland]).
29 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.xjazz.net/p/WEEKENDER-timetable-with-full-lineup-3JwWDpuPueNY1KDMNUN0iQ
(DIR) [2] https://rausgegangen.de/events/max-turner-seeds-of-the-unknown-releaseshow-0/
(DIR) [3] https://www.hebbel-am-ufer.de/programm/festivals-projekte/being-alone
(DIR) [4] https://hebbel-am-ufer-tickets.reservix.de/p/reservix/event/2555704
(DIR) [5] https://ausland.berlin/de/event/auguste-vickunaite-lara-jones-za
## AUTOREN
(DIR) Stephanie Grimm
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