# taz.de -- Blockaden vor AfD-Parteitag: Keine Steilvorlage den Faschisten!
> Protest gegen die AfD ist nötig. Doch Blockaden liefern der Partei
> womöglich genau die Bilder, die sie für ihre Opfererzählung braucht.
(IMG) Bild: Gute Idee oder nicht? Blockade in Gießen gegen die Gründungsversammlung der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“
Die angekündigten Blockaden des [1][AfD]-Parteitags am Wochenende in Erfurt
werden der radikal rechten Partei nicht schaden, sondern nützen. Denn sie
ermöglichen ihr, sich ausnahmsweise mit einer gewissen Plausibilität als
Opfer darzustellen. Solange die AfD nicht verboten ist, darf sie Parteitage
abhalten. Deshalb ist die Polizei verpflichtet, gegen rechtswidrige
Blockaden vorzugehen. Dabei könnte es zu gewaltsamen Zusammenstößen kommen.
Die AfD hat schon angekündigt, dass sie Ausschreitungen ihrer Gegner nutzen
wird. Ausgerechnet sie will sich dann als [2][Kämpferin gegen politische
Gewalt] und Extremismus gerieren. Für viele Linke klingt das angesichts der
Rhetorik und des Personals der AfD wie Hohn. Aber ein erheblicher Teil der
Gesellschaft scheint sich da nicht so sicher zu sein, wie Umfragewerte und
teils Wahlergebnisse zeigen. Diese Menschen werden es für intolerant und
undemokratisch halten, politisch Andersdenkende durch körperlichen Zwang zu
hindern, ihr Versammlungsrecht wahrzunehmen.
Aus diesen Gründen könnte die erwartbare Opfererzählung der AfD in diesem
Fall besonders gut verfangen. Noch größer wäre die Gefahr, wenn ein
Funktionär der Partei bei den Auseinandersetzungen verletzt wird. Das ist
ein nicht völlig unrealistisches Szenario.
Das Bündnis „widersetzen“ begründet die Blockaden damit, die AfD sei eine
„[3][faschistische Partei], die Massendeportationen und andere Verbrechen
plant“. Deswegen kritisiert es den Parteitag als „illegitime Versammlung“.
Dass die AfD die liberale Demokratie angreift, liegt auf der Hand. Aber
bisher ist sie eben nicht verboten. Das darf laut Grundgesetz nur das
Bundesverfassungsgericht. Falls „widersetzen“ das Versammlungsrecht der AfD
eigenmächtig außer Kraft setzen wollte, wäre das eine Form von
Selbstjustiz.
## Legal bleiben
Selbstjustiz trägt aber dazu bei, den Rechtsstaat zu erodieren. Wenn heute
Linke Grundrechte von Gegnern nicht mehr respektieren, dann könnten sich
morgen darauf auch Menschen berufen, die nichts Gutes im Sinn haben. Ein
starker Rechtsstaat ist aber gerade jetzt dringend nötig. Das zeigt sich
zum Beispiel in den USA, wo der Autoritarismus von Präsident Donald Trump
einzig durch Gerichte eingehegt wird.
„Widersetzen“ will nach eigenen Angaben zeigen, dass es eine solidarische
Mehrheit gegen Rechtsextremismus gibt. Das ist nicht nur legitim, sondern
notwendig. Wer die AfD jedoch dauerhaft schwächen will, sollte ihr keine
Bilder liefern, mit denen sie sich erfolgreich als Opfer inszenieren kann.
Deshalb sollte gelten: Demonstrieren: ja. Blockieren: nein.
2 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Schwerpunkt-AfD/!t5495296
(DIR) [2] https://www.n-tv.de/politik/Was-ist-vom-AfD-Parteitag-in-Erfurt-zu-erwarten-id31034500.html
(DIR) [3] https://widersetzen.com/about/#aktionskonsens
## AUTOREN
(DIR) Jost Maurin
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