# taz.de -- Aus dem Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Unterwegs mit meinem Fifa-Falken
> Gianni Infantino muss oft seinen Privatjet nehmen. Aber er achtet darauf,
> dass es nicht zu viel wird. Die Erde ist ihm so wichtig wie der Fußball.
(IMG) Bild: Rechtzeitig in Kansas City eingetroffen: Infantino winkt auch seinen Anhängern in dieser Stadt zu
17. Juni 2026
Ich habe schon auch Spaß an meinem Fifa-Falken. So hat unser fantastischer
Partner Qatar Airways meinen Flieger, den sie mir für das Turnier zur
Verfügung gestellt haben, inoffiziell getauft. Donald schien mir fast ein
wenig neidisch zu sein, dabei hat er von den Katarern [1][gleich einen
Jumbojet geschenkt bekommen.] Vielleicht liegt es auch nur am Namen. Er
steht ja auf Falken. Einen Jumbojet habe ich [2][aus Klimaschutzgründen]
abgelehnt.
In diesen Tagen muss ich immer wieder an einen meiner allerbesten Freunde
denken. Franz, Gott hab ihn selig, hat häufig vom Sommermärchen 2006 in
Deutschland, aber mehr noch von seinen Flügen mit dem Hubschrauber von
Stadion zu Stadion geschwärmt. Die tolle Landschaft und so. Dazu fehlt mir
leider die Muße bei der größten WM. Mein Fifa-Falke bringt es auf 1.000
Kilometer pro Stunde und fliegt meist weit über den Wolken.
Bestandteil unserer Klimastrategie ist es, dass ich bei der WM maximal zwei
Flüge pro Tag mache. Jeder muss sich heute einschränken. Der Fifa-Präsident
muss mit gutem Beispiel vorangehen. Gestern bin ich sogar nur einmal
geflogen, zu dem Spiel von Messi gegen dieses andere großartige Team. Vom
Flughafen zum Stadion waren es noch einmal 50 Kilometer, aber ich habe es
abgelehnt, den Hubschrauber zu nehmen. Jeder Einzelne in der Fifa muss zum
Umweltaktivisten werden. Die Erde ist das Wichtigste, was wir haben. Weil
sie so rund ist wie der Fußball, haben wir das in der Fifa wahrscheinlich
am schnellsten begriffen.
## Anti-Flug-WM in Katar
Aber es ist nicht alles so einfach, wie es aussieht. Manchmal rollt der
Ball anders, als man will. Mir ist das früher oft passiert, weshalb ich
heute Fifa-Präsident und nicht Messi bin. Als wir die Anti-Flug-WM in Katar
veranstaltet haben, wurde nur über Menschenrechte gesprochen. Wenn jetzt
dieses Mal keine Fans aus dem Senegal, der République du Sénégal, der
Elfenbeinküste, Ivory Coast und aus der République de Côte d’Ivoire zur WM
fliegen, spricht leider niemand über die eingesparten Treibhausgase,
sondern es wird wieder nur über Menschenrechte gesprochen. Wir leben in
einer schwierigen Welt.
Und man muss trotz alledem anerkennen, Donald hat einen großen Beitrag dazu
geleistet, dass diese WM viel klimaneutraler wird als gedacht. Auch unser
somalischer Freund und [3][Schiedsrichter Omar Artan] trägt dazu bei.
Deshalb muss er nicht traurig sein, dass es mit seiner Premiere nicht
geklappt hat. Wir haben unsere eigenen Zielmarken unterboten. Eine
fantastische Nachricht. Das soll uns erst einmal einer nachmachen, eine WM
in drei so großen Ländern zu veranstalten und dabei so klimaneutral zu
sein.
Mein Fifa-Falke kann die Bilanz gar nicht mehr trüben. Qatar Airways will
ja, dass ich am Freitag wieder beim Katarspiel dabei bin. Die Zeit vergeht
wirklich wie im Flug.
17 Jun 2026
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