# taz.de -- Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Er ist ein großer Freund der Fotografie
       
       > Gianni Infantino kann sich erst im September wieder um das Ende des
       > Konflikts zwischen Israel und Palästina kümmern. Derweil muss er fleißig
       > winken.
       
 (IMG) Bild: Winke, winke! Gianni Infantino freut sich, dass er auf der Tribüne des Stadions von Kansas erkannt wird
       
       Ich bin ein großer Freund der Fotografie. Ich schaue mit gerne Bilder an,
       auf denen ich zu sehen bin. Am Mittwoch in Houston, als die wunderbare
       Demokratische Republik Kongo gegen das ebenso wunderbare Portugal gespielt
       hat, war ich ein oft gewähltes Motiv auf der Präsidententribüne.
       
       Das lokale Organisationskomitee hatte mir einen echten Cowboyhut geschenkt,
       den ich auf der Tribüne aufgesetzt habe. Nicht nur ich war der Meinung,
       dass mir diese für Texas so typische Kopfbedeckung außerordentlich gut
       gestanden hat. Unzählige Fotos wurden von mir gemacht. Am morgen danach
       spüre ich ein leichtes Ziehen in meinem Bizeps. Sollte ich etwa einen
       Muskelkater vom vielen Winken bekommen haben? Gut möglich.
       
       Dies sind Dinge, die ich gerne für den Fußball in Kauf nehme. Am Ende
       sollen sich alle über das Foto freuen. Und weil ich mich auch freuen will,
       mache ich, wo immer ich bin, Selfies von mir, die mich in Situationen
       zeigen, in denen ich gerade besonders wichtig für den Fußball bin.
       
       Das Selfie, das ich auf der Bühne gemacht habe, als ich meinem Freund
       Donald [1][den Fifa-Friedenspreis] verliehen habe, gefällt mir besonders
       gut. Ich habe es mir ausgedruckt und gerahmt und stelle es immer auf den
       Nachttisch, sobald ich eines der zahlreichen Hotelzimmer betrete, in die
       mich dieses wunderbare Weltturnier in diesen Tagen führt.
       
       ## Die Kunst, Frieden zu schaffen
       
       Ich weiß, dass nicht überall auf der Welt so positiv über die hohe Kunst
       der Fotografie gedacht wird. Als ich vor ein paar Wochen beim Fifa-Kongress
       in Vancouver die Vertreter der Fußballverbände von Israel und Palästina zu
       einem gemeinsamen Foto auf die Bühne gebeten habe, wollten die beiden nicht
       so recht mitziehen. Aber so ist das eben mit der Kunst. Die Geschmäcker
       gehen bisweilen einfach auseinander.
       
       Dabei wollte ich mit dem gemeinsamen Foto doch nur den Gaza-Konflikt
       beenden. Irgendjemand muss sich schließlich um den Frieden in dieser Region
       kümmern. Das muss ich nun wohl auf den September verschieben. Da findet zum
       ersten Mal [2][das große Fußball-Festival der Fifa für U15-Mannschaften]
       statt. Buben aus allen 211 Mitgliedsverbänden der Fifa dürfen daran
       teilnehmen. Die Kinder aus Israel und Palästina werden sich schon nicht
       wehren, wenn ich sie dort gegeneinander antreten lasse. Sie sollen ja nur
       spielen.
       
       Der Fußball wird zu diesem Anlass zeigen, [3][wozu er in der Lage ist]. Es
       wird auf jeden Fall ein Festival des Friedens. Denn auch aus Russland soll
       ein Jugendteam anreisen. Sie werden unbewaffnet und in Frieden kommen. Mein
       Freund Wladimir, der mir schon lange keinen Orden mehr verliehen hat, wie
       mir gerade einfällt, wird das sicher gerne bestätigen.
       
       Auf die Fotos von diesem Turnier freue ich mich schon jetzt. Dafür nehme
       ich auch wieder einen kleinen Muskelkater in Kauf. Und für die Kinder setze
       ich mir gerne auch einen lustigen Hut auf.
       
       18 Jun 2026
       
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