# taz.de -- Schießereien in Berlin: Senat will schärferes Waffengesetz
> Berlin will sich im Bundesrat dafür einsetzen, illegalen Waffenbesitz
> härter zu bestrafen. Ermittler sollen zudem Telefone abhören dürfen.
(IMG) Bild: Bei Kontrollen und Durchsuchungen beschlagnahmt die Polizei immer mehr illegale Waffen
Schüsse auch [1][am helllichten Tag], nicht nur einmal, sondern immer
wieder: Ein Mittel dagegen soll nach dem Willen des schwarz-roten Senats
ein schärferes Waffengesetz sein. Der illegale Besitz von Pistolen oder
Gewehren soll nicht länger nur als Vergehen, sondern künftig als Verbrechen
eingeordnet und so härter bestraft werden können. Dazu hat die
Landesregierung am Dienstag eine Initiative beschlossen, die sie Anfang
Juli in den Bundesrat einbringen will.
„Denn es ist letztlich nur eine Frage der Zeit, bis auch unbeteiligte
Dritte Opfer solcher Taten werden“, sagte Justizsenatorin Felor Badenberg
(CDU) in der Pressekonferenz nach der Senatssitzung. Nach ihren Angaben
stieg die Zahl jener [2][Straftaten, bei denen eine Schusswaffe verwendet
wurde], 2025 gegenüber dem Vorjahr um 68 Prozent, also um mehr als zwei
Drittel.
Es gebe zudem einen „sprunghaften Anstieg“ sichergestellter
halbautomatischer Waffen – Waffen, die selbst nachladen und sofort wieder
feuerbereit sind. „Das Strafmaß wird der Gefährlichkeit solcher Waffen
nicht mehr gerecht“, sagte die Justizsenatorin.
Die Hochstufung des illegalen Waffenbesitzes vom Vergehen zum Verbrechen
würde zudem nicht nur für eine höhere Mindeststrafe sorgen, nämlich ein
Jahr statt sechs Monate. Laut Badenberg hätte die Polizei dadurch außerdem
weiterreichende Möglichkeiten, Hintermänner des Waffenhandels zu verfolgen.
Denn beim Verdacht auf ein Verbrechen wäre es auch möglich, Telefonate
abzuhören.
## Vorabsprachen mit den anderen Bundesländern
Der Senat geht davon aus, mit seiner Initiative im Bundesrat offene Türen
einzurennen. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) verwies darauf, dass man
das Thema schon im Dezember in der Innenministerkonferenz (IMK) besprochen
habe, die von Mittwoch bis Freitag wieder tagt. Auch in der Bundesregierung
sei der Vorstoß „nicht unbekannt“, sagte Spranger und erwähnte ein Gespräch
mit der Bundesjustizministerin, ihrer Parteifreundin Stefanie Hubig.
Zu den [3][zunehmenden Schießereien] sagte Spranger: „Kriminelle tragen
ihre Konflikte zunehmend mit Schusswaffen mitten in der Öffentlichkeit
aus.“ Das akzeptiere sie nicht, „denn damit ist eine klare rote Linie
überschritten“. Die klare Position des Senats sei: „Null Toleranz gegenüber
illegalem Waffenbesitz und der illegalen Verwendung von Schusswaffen.“
Bei der IMK will die Innensenatorin auch einen Antrag einbringen, den Kauf
von Schreckschuss-, Gas- und Signalpistolen einzuschränken. Diese wie echte
Waffen aussehenden Pistolen dürfen Erwachsene weitgehend ohne
Einschränkungen kaufen und besitzen. Für Spranger geht aber auch von ihnen
Gefahr aus. Sie will deshalb die Vorschriften ändern und eine
Erlaubnispflicht fordern.
Dafür hatte sie sich als damalige Vorsitzende der Innenministerkonferenz
schon Anfang 2023 nach den Vorfällen der vorangegangenen Silvesternacht
ausgesprochen. „Das Problem ist, dass jeder 18-Jährige ohne irgendeine
weitergehende Prüfung, ohne einen weiteren Nachweis eine Schreckschusswaffe
und die dazugehörige Munition erwerben kann“, sagte Spranger [4][damals dem
Tagesspiegel].
## Gewerkschaft unterstützt Bundesratsinitiative
Die Polizeigewerkschaft GdP stellte sich hinter die Bundesratsinitiative
des Senats, illegalen Waffenbesitz als Verbrechen einzustufen. „Momentan
mag es wie ein reines Hauptstadtproblem aussehen, aber Berlin ist wie ein
Brennglas für unser ganzes Land, das nach und nach mit Schusswaffen
zugeschwemmt wird“, sagte der Sprecher des GdP-Landesverbands, Benjamin
Jendro. „Das große Problem in unserem Land sind nicht die legalen
Waffenbesitzer, sondern die gigantische Verfügbarkeit illegaler
Schusswaffen.“ Herkunftsorte der Waffen sollen unter anderem die Türkei und
Tschechien sein.
16 Jun 2026
## LINKS
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(DIR) [4] https://www.tagesspiegel.de/berlin/nach-angriffen-in-der-berliner-silvesternacht-innensenatorin-spranger-fordert-strengere-regeln-fur-kauf-von-schreckschusswaffen-9122662.html
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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