# taz.de -- Erneute Schüsse in Kreuzberg: Schießerei in der Graefestraße – die taz war dabei
       
       > In die jüngsten beiden Vorfälle soll der Remmo-Clan verwickelt gewesen
       > sein. Als nun erneut Schüsse fallen, ist eine taz-Reporterin zufällig vor
       > Ort.
       
 (IMG) Bild: Die Ecke Graefestraße/Urbanstraße war jetzt Schauplatz einer Schießerei
       
       Als die ersten Schüsse fielen, lief ich gerade den letzten Teil der
       Graefestraße Richtung Hasenheide hinunter. Es war Montagabend, vielleicht
       halb zehn. Beim ersten Knall wunderte ich mich nicht besonders. Aber als es
       noch ein zweites, ein drittes, ein viertes Mal schnell nacheinander laut
       knallte, drehte ich mich um. Vor dem Bock Atelier – an der Ecke zur
       Urbanstraße – stand eine Person, schwarz gekleidet, mit einem schwarzen
       Stoff um den Kopf gewickelt, sodass ihr Gesicht verdeckt war und feuerte.
       Die Person sah aus wie ein Mann.
       
       Kleine orangefarbene Lichter kamen mit jedem Schuss aus dem Lauf seiner
       Pistole, die er [1][Richtung Hasenheide gerichtet] hielt. An der Ecke
       gegenüber – vor dem Bierhaus und dem Pizzaladen – schrien die Gäste und
       warfen sich zu Boden. Auch auf dem Bolzplatz schrien sie und gingen in
       Deckung, ich versteckte mich in einem Hauseingang.
       
       Nach einer kurzen Pause feuerte der Mann noch zwei oder drei Schüsse ab,
       dann lief er zur Beifahrertür eines grauen Jeeps, der in der Graefestraße
       vor dem Pizzaladen gewartet hatte und stieg ein. Der Wagen fuhr direkt
       Richtung Kanal die Straße hoch. Ein Mann erzählte mir, er habe ihn danach
       in hohem Tempo die Fichtestraße entlangfahren sehen. Es sei ein Mercedes
       gewesen.
       
       Nachdem der Jeep weg war, liefen Männer auf die Straße, gestikulierten,
       riefen sich Dinge zu. Es schien, als sei niemand verletzt worden. Auch
       immer mehr Frauen und Jugendliche kamen aus der Deckung. Wenig später war
       die Polizei mit einem Großeinsatz da und sperrte die Kreuzung ab. Auch die
       Feuerwehr rückte an. Passanten blieben stehen und schauten zu.
       
       ## Polizei: Zeugen berichten von noch mehr Schüssen
       
       Laut den derzeitigen Erkenntnissen der Polizei verhielt sich die Situation
       etwas anders: Demnach war die Schießerei noch umfangreicher. [2][In einer
       gemeinsamen Meldung der Polizei und der Staatsanwaltschaft] berichten
       Zeugen, dass gegen 21.25 Uhr Schüsse in Richtung des Bolzplatzes abgegeben
       wurden, wo sich zu dem Zeitpunkt ein Mann aufhielt, der jedoch unverletzt
       blieb.
       
       Der Täter sei allerdings nicht in den Jeep gestiegen, sondern zu Fuß
       Richtung Hermannplatz geflüchtet. Ein weiterer Unbekannter sei ebenfalls
       geflüchtet, auf einem E-Scooter von der Urbanstraße über die Graefestraße.
       Dort sollen mehrere Personen, die aus einem Mercedes gestiegen waren,
       Schüsse auf ihn abgegeben haben.
       
       Sowohl der Mann auf dem Scooter als auch die vier Männer aus dem Mercedes
       flüchteten. Verletzte habe es keine gegeben. Medienberichten zufolge sei
       jedoch die Heckscheibe eines Volvos durch die Schüsse zerstört worden. Es
       werden weitere Zeugen gesucht.
       
       In den vergangenen Wochen und Monaten gab es auffällig viele Schießereien
       dort, wo sich Graefestraße und Urbanstraße kreuzen. Am vergangenen
       Donnerstag fuhren nur wenige Meter entfernt zwei Männer auf einem
       Motorroller die Urbanstraße entlang, einer stieg ab und schoss vom
       Mittelstreifen aus auf ein fahrendes Auto, das in der anderen Richtung
       unterwegs war und floh. In dem Auto befanden sich vier Männer, die laut
       Medienberichten [3][dem Remmo-Clan angehören]. Keiner von ihnen wurde
       verletzt.
       
       ## Ermittlungen der Mordkommission
       
       Ende März gaben zwei Unbekannte mehrere Schüsse auf einen 23-Jährigen ab,
       der sich auf dem Gehweg der Graefestraße befand, ebenfalls im letzten Teil
       Richtung Hasenheide. Er wurde an Oberkörper, Arm und Bein verletzt, befand
       sich aber nicht in Lebensgefahr. Auch er soll laut Medienberichten Mitglied
       eines Clans sein. In beiden Fällen ermitteln Mordkommissionen der Polizei.
       So nun auch im Fall von Montag.
       
       Die Morgenpost berichtet, dass ein Zusammenhang zu der Tat am vergangenen
       Donnerstag vermutet wird. Gegenüber der taz will die Polizei allerdings
       keine Auskunft darüber geben, ob auch dieses Mal Clanmitglieder involviert
       waren. Die Ermittlungen dauerten noch an.
       
       26 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Sommerserie-Wie-riecht-Berlin-6/!5948712
 (DIR) [2] https://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/2026/pressemitteilung.1674077.php
 (DIR) [3] /Aus-dem-Gewoelbe-in-den-Knast/!5931996&s=Remmo/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alice von Lenthe
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kreuzberg
 (DIR) Clans
 (DIR) Schießerei
 (DIR) Organisierte Kriminalität
 (DIR) Anschlag
 (DIR) Tatort
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Schießereien in Berlin: Zuwachs in der Unterwelt
       
       Was steckt hinter den vielen Schießereien der letzten Monate? Die Polizei
       spricht von Schutzgelderpressung, aber Fachleute vermuten etwas anderes.
       
 (DIR) Mann vor Tempodrom erschossen: Täter auf der Flucht
       
       Während im Tempodrom eine Comedyshow läuft, fallen vor der Halle Schüsse.
       Ein Mann stirbt, vier weitere werden verletzt.
       
 (DIR) „Tatort“ aus Berlin: Mehr als ein Klischee tut weh
       
       Durchfeierte Nächte, Drogen im Backofen und libanesische Clans: Willkommen
       beim „Tatort“ in Berlin. Soll das selbstironisch sein?