# taz.de -- Kunst und Technologie: Warum Pat Metheny KI in der Musik eher positiv sieht
> Bleibt für Musik mit einem künstlerischen Anliegen nur noch die
> Besenkammer? Durchhörbarkeit war schon in den 80ern ein Thema, nicht erst
> heute mit KI.
(IMG) Bild: Findet die Verwendung von AI in Musik positiv: Pat Metheny bei einem Konzert in Fort Lauderdale im März 2026
Zwei Wortmeldungen zum Thema KI-Musik aus der Jazzwelt: Die Pianistin
Johanna Summer sorgte sich im Spiegel über die Überlebensfähigkeit ihrer
Musik in Zeiten von „AI Slop“: „Ich muss mich behaupten in diesem Markt,
ich muss präsent sein, ich muss gefunden werden. Und das mit einer Musik,
die nicht massentauglich ist und die nur eine spitze Zielgruppe anspricht.
(…) Für das, was ich mache, gibt es keine Playlisten, und das ist sehr
schade.“
Ihre Existenzangst ist verständlich, wenn täglich 100.000 neue Titel in die
Streamingservices hochgeladen werden und das ohnehin nur minikleine
Stückchen vom Kuchen mehr und mehr atomisiert wird.
Doch Jazzkünstler hatten auch in den goldenen Jahren des Tonträgers nie
viel Geld mit dem Verkauf von physischen Produkten verdient. Und im Radio
wurden sie auch nicht vor 22 Uhr gespielt, wenn überhaupt.
Überhaupt Radio: Die von Johanna Summer beklagte Entwicklung begann schon
viel früher – in der BRD etwa war ein Meilenstein der Beginn der
Privatradios in den 1980er Jahren. Deren Etablierung führte blitzschnell
dazu, dass auch die öffentlich-rechtlichen Sender ihr Programm umstellten.
Durchhörbarkeit wurde als neues Ziel ausgegeben, ambitionierte
Musiksendungen wurden flugs vom Sender genommen. So meinte man,
Marktanteile zurückgewinnen zu können.
## Maßgeschneiderte Durchhörbarkeit
Die maßgeschneiderte Durchhörbarkeit der Playlisten ist quasi die logische
Fortsetzung davon, und wenn die erdrückende Mehrheit der
Musikhörer*innen nun mal grobe Klötze sind, die in Ibizas Chillout-
und Wohlfühlpowermucke ihre künstlerische Erfüllung finden, bleibt für
Musik mit einem künstlerischen Anliegen nur noch die Besenkammer. Oder?
Der 71-jährige Gitarrist und 20-fache „Grammy“-Gewinner Pat Metheny sorgt
sich weniger um AI-Musik: „Für den Die-Miete-bezahlen-Teil der Musik ist
das natürlich eine Bedrohung“, sagte er dem Prog-Magazin. „Die Leute, die
Muzak produzieren – man, die sind am Ende! Aber ich wurde Musiker, um Musik
besser zu verstehen, und es gibt keine Abkürzung zum besseren Verständnis
von Harmonien, Kontrapunkt und Improvisation.“
Und so ist seine grundsätzliche Einstellung gegenüber der Verwendung von AI
in Musik positiv: „Ich bin neugierig und aufgeregt. Ich sehe AI als Teil
dieser wunderbaren Ansammlung von Werkzeugen, die wir Musiker im 21.
Jahrhundert zur Verfügung haben.“
## Vorsichtigen Optimismus wagen
Die noch völlig unerforschten Möglichkeiten, die AI womöglich zur
Verwirklichung kühner künstlerischer Anliegen bereithält, sind ein Grund
einen (vorsichtigen) Optimismus zu wagen. Vielleicht ergibt sich aber sogar
eine Chance der endgültigen Trennung zwischen Musik, die aus einem
künstlerischen Anliegen heraus produziert wird und der
Die-Miete-bezahlen-Musik.
Wenn sich nämlich die Streamingdienste und ihre Kund*innen mit aller
Energie darauf stürzen, weil das künstlerische Segment zu schwierig, teuer
und nervig ist, dann können sich ambitionierte Künstler*innen endlich
auf eigene Formate und Vertriebswege konzentrieren, in denen sie wiederum
nicht von Marketingmenschen oder einem Publikum behindert und beschädigt
werden, das immer nur die gleiche Art von Hits hören will.
Überlassen wir den KI-Produzent*innen und den KI-Hörer*innen-Bots ruhig die
Welt der Streamingservices, da ist eh nichts mehr zu retten.
Aber es spricht deswegen [1][nichts dagegen, ihre Werkzeuge zu nutzen]. Und
womöglich etwas anders, als es ihre Entwickler*innen im Sinne hatten,
um die musikalische Auseinandersetzung mit der Welt und den Dingen
voranzutreiben.
29 Jun 2026
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(DIR) Detlef Diederichsen
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