# taz.de -- Arte-Doku über Staatsgründer Tito: Autokratischer Dandy
> Eine dreiteilige Doku beleuchtet auf Arte die hellen und die dunklen
> Seiten des jugoslawischen Staatsgründers Tito. Über die Wertungen lässt
> sich streiten.
(IMG) Bild: Tito – ein Dandy in seinen späteren Jahren
Der jugoslawische Partisanenführer Josip Broz, genannt Tito starb 1981.
Zehn Jahre später zerfiel die von ihm gegründete sozialistische Föderation
der Republiken Jugoslawiens in blutigen Kriegen. Doch es dauerte nicht
lange, bis im ehemaligen Jugoslawien [1][eine Tito-Nostalgie] eintrat.
Bereits 1994 schickte der serbische Filmemacher Želimir Žilnik einen als
Tito verkleideten Schauspieler ins Zentrum der serbischen Hauptstadt
Belgrad und dokumentierte die Reaktionen in dem Film „[2][Tito zum zweiten
Mal unter den Serben]“. In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo eröffnete das
Caffe Tito, Zigarettendöschen mit dem berühmten Konterfei des Marschalls
waren überall ein beliebtes Souvenir. Vinko Brešans Spielfilm
„[3][Marschall Titos Geist]“ von 1999 verhandelte die Tito-Nostalgie auf
schwarz komödiantische Weise.
Tito gehörte zu den schillerndsten europäischen Politikern des 20.
Jahrhunderts, über den in den letzten Jahren auch [4][seriösere Biografien]
erschienen, die sowohl seinen Heiligenschein als auch seine Verteufelung
relativieren.
Die Dokureihe „Tito – Der Mann, der Jugoslawien war“, schließt an die
ambivalente Betrachtung des Erfinders der Blockfreien Staaten an.
Sehenswert ist sie vor allem wegen des üppigen historischen Bildmaterials.
## Raunender Unterton
So gibt es eine kurze Videoaufnahme von Tito und seinem engsten Kreis vor
seinem Hauptquartier in einer Berghöhle von Drvar und von den
SS-Fallschirmjägern, die darüber abspringen, um Tito festzunehmen.
Interessant sind auch die interviewten Zeitzeugen, darunter der Sohn des
gefürchteten Geheimdienstchefs Aleksandar Ranković und die Künstlerin
Marina Abramović. Leider aber gönnt sich die Doku einen Unterton, der
raunend nahelegen möchte, dass Tito weniger fürs allgemeine Wohl als für
sein eigenes gesorgt hat. Sicher war Tito ein autokratischer Dandy, aber
ihn darauf zu reduzieren, ist zu einfach.
26 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Doris Akrap
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