# taz.de -- EU-Beitrittsverhandlungen mit Ukraine: Abhängigkeit auf beiden Seiten
> Die Europäische Union nimmt an diesem Montag Beitrittsverhandlungen mit
> der Ukraine auf. Ein gewagter, aber notwendiger Schritt in Kriegszeiten.
(IMG) Bild: Jetzt mit Turbo? EU startet Beitrittsgespräche mit Ukraine
Deutlich mehr als vier Jahre dauert die russische Vollinvasion in der
Ukraine nun schon an. Und ein Waffenstillstand oder ein wie auch immer
geartetes Ende des Krieges ist nicht in Sicht. Auch wenn das
Möglichkeitsfenster für Verhandlungen selten größer war als jetzt. Und nun
soll ein Land im Krieg in die EU aufgenommen werden? Es ist ein gewagter
Prozess, den die 27 Mitgliedsländer am Montag gestartet haben. Der Ausgang
ist ungewiss, und ein Beitritt wird vermutlich Jahre dauern.
Dennoch: In der aktuellen Lage ist es, trotz Krieg, die richtige
Entscheidung. Es geht um die perspektivische Öffnung für den
EU-Binnenmarkt, um Arbeitskräfte und nicht zuletzt darum, die Haltung, „die
Ukraine verteidigt auch Europas Werte“, glaubhaft zu stärken. Es liegt im
Interesse der Europäischen Union, dass eines der größten Nachbarländer
politisch, wirtschaftlich und verteidigungsstrategisch stabil ist.
[1][Insbesondere die baltischen Länder] haben sich für die Eröffnung der
Verhandlungen starkgemacht. Wohl wissend, dass der Beitrittsprozess
einschneidende Reformen beinhaltet.
Es ist auch ein Zeichen an die Menschen in der Ukraine, durchzuhalten. In
Zeiten, in denen die russischen Streitkräfte nahezu täglich Wohngebäude und
historische Stätten in Schutt und Asche bomben, [2][immer wieder die
Zivilbevölkerung attackieren]. So sind die Erwartungen an den ukrainischen
Präsidenten Selenskyj, sein Regierungskabinett und das Parlament hoch, für
Rechtsstaatlichkeit zu sorgen, scharf gegen Korruption vorzugehen, eine
freie Justiz zu etablieren, Presse- und Meinungsfreiheit zu garantieren.
Das Wagnis für die EU bleibt. Die Blockade [3][der ungarischen Regierung
unter Orbán] ist zwar beendet, aber hält das europäische Bündnis? Der
EU-Beitritt der Ukraine ist kein Selbstläufer und darf es auch nicht sein.
Aber im Zusammenspiel mit Sanktionspaketen oder einem gemeinsamen Vorgehen
gegen die Schattenflotte sind die Beitrittsverhandlungen ein weiterer
Baustein im diplomatischen Werkzeugkasten gegen den russischen Aggressor.
15 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tanja Tricarico
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