# taz.de -- Rechtsaußenpartei in Italien gegründet: Eine Chance für links
       
       > Der Ex-General Vannacci setzt Melonis Regierungskoalition mit seiner
       > neuen Rechtsaußenpartei unter Druck. Im besten Fall sprengt er das rechte
       > Lager.
       
 (IMG) Bild: Der Ex-EU-Abgeordnete Roberto Vannacci beim Gründungskongress seiner neuen rechtsextremen Partei Futuro Nazionale in Rom
       
       Giorgia Meloni hat ein Problem. Gewiss, Italiens radikal rechte
       Ministerpräsidentin [1][sitzt fest im Sattel]. So fest, dass sie beste
       Chancen hat, im September zur Chefin der am längsten amtierenden Regierung
       des Landes seit 1860 zu werden. Gewiss, der Konsens zur Rechten hielt
       bisher, weil das Mitte-links-Lager es nicht vermochte, im Land echten Druck
       gegen die Regierung Meloni aufzubauen.
       
       Jener Druck aber kommt jetzt von ganz anderer Seite: von rechtsaußen. Dort
       ist die [2][neue Partei Futuro Nazionale des Ex-Generals Roberto Vannacci]
       am Start, die am Wochenende ihren Gründungskongress abhielt – und die in
       den Meinungsumfragen schon bei 5 Prozent liegt.
       
       Eigentlich tut der General nichts anderes, als den Aufstieg der Lega unter
       Matteo Salvini und dann der Fratelli d'Italia (FdI) unter Giorgia Meloni zu
       kopieren. In ihren besten Zeiten, bei den Europawahlen 2019, konnte die
       Lega 34 Prozent erzielen – mit rüder Hetze gegen Migrant*innen, als der
       damalige Innenminister Salvini unter den Mottos „Geschlossene Häfen“ und
       „Italien den Italienern!“ für sich trommelte. Und Giorgia Meloni gewann die
       Wahlen von 2022 nicht zuletzt mit dem Slogan „Seeblockaden!“; ihre FdI
       schoss von 4 Prozent auf 26 Prozent hoch.
       
       Jetzt ist der dritte radikal rechte Aufsteiger in den Startlöchern.
       Vannacci fordert unumwunden „Remigration!“ – und bereitet der regierenden
       Rechtskoalition ein großes Dilemma. Nur wenn sie ihn ins Boot der
       Rechtskoalition holt, hat sie realistische Chancen, auch die nächsten
       Parlamentswahlen von 2027 zu gewinnen.
       
       Vannacci wäre bereit. Weniger bereit ist allerdings die Lega. Sie verliert
       jetzt schon Positionen an die neue Konkurrenz, die reihenweise
       Lega-Politiker*innen abwirbt. Gleichzeitig steht ihr eine
       existenzgefährdende innere Zerreißprobe ins Haus: zwischen denen, die
       weiter stramm rechtsnationalistisch bleiben wollen, und denen, die die Lega
       wieder als Interessenvertretung des reichen italienischen Nordens
       aufstellen wollen, als die sie einst gegründet wurde.
       
       Sollte die neue Rechtsaußenpartei das rechte Lager spalten, könnte sie am
       Ende also sogar zum Wegbereiter eines Wahlsiegs der Linken werden.
       
       14 Jun 2026
       
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