# taz.de -- Queere Sichtbarkeit im Pride Month: Jeder CSD ist auch eine Demonstration
> In Deutschland gibt es immer mehr Christopher Street Days. Das ist
> bemerkenswert. Denn niemand organisiert einen CSD, weil es besonders
> bequem wäre.
(IMG) Bild: 2026: 1.000 Menschen waren beim CSD in Eberswalde, begleitet von einem Polizeiaufgebot gegen 50 Neonazis
Juni ist Pride Month – und Jahr für Jahr wird dieser Monat gefährlicher.
Denn während in immer mehr Städten Regenbogenfahnen gehisst werden, müssen
Christopher Street Days gleichzeitig immer häufiger unter Polizeischutz
stattfinden. Rechtsextreme mobilisieren gegen [1][CSD]s, bedrohen
Teilnehmende, organisieren Gegendemonstrationen und greifen Veranstaltungen
an. Fast jeder zweite CSD in Deutschland war 2025 von Angriffen, Störungen
oder Einschüchterungsversuchen betroffen. Besonders stark traf es
[2][Ostdeutschland].
Man könnte auf diese Entwicklungen blicken und verzweifeln. Man könnte die
Bilder sehen von Neonazis, die gegen queere Menschen marschieren, und zu
dem Schluss kommen, dass die Lage immer schlechter wird. Doch es gibt da
noch eine andere Zahl:
Jahr für Jahr steigt die Zahl der Christopher Street Days – vor allem im
Osten des Landes. I[3][n Brandenburg finden in diesem Jahr 22 CSDs statt],
so viele wie noch nie! Auch in Thüringen werden zahlreiche CSDs organisiert
und das nicht nur in den größeren Städten, sondern auch in kleineren Orten.
Überall entstehen neue Veranstaltungen. Überall entscheiden sich Menschen
dafür, sichtbar zu sein.
Das ist bemerkenswert. Denn niemand organisiert einen CSD, weil es
besonders bequem wäre. Menschen organisieren CSDs, weil sie wissen, dass
diese Sichtbarkeit wichtiger denn je ist.
Vielleicht vergisst die hetero Dominanzgesellschaft manchmal, was der
Ursprung dieser Bewegung eigentlich war. Der CSD entstand aus Widerstand.
Queere Menschen wehrten sich gegen Polizeigewalt, Diskriminierung und ein
System, das sie unsichtbar machen wollte. In gewisser Weise kehren die CSDs
gerade umso mehr zu ihren Wurzeln zurück.
Ich wünsche mir eine Welt, in der queere Menschen einfach feiern können,
und zwar ohne Drohungen und Angst. Aber solange eine solche Welt nicht
existiert, bleibt jeder CSD auch eine Demonstration. Widerstand sieht nicht
immer spektakulär aus. Manchmal bedeutet es einfach, trotzdem zu kommen.
Trotz der Drohungen, des Hasses und der Menschen, die wollen, dass man
verschwindet.
Vielleicht liegt genau darin die Hoffnung dieses Pride Month: dass sich
immer mehr Menschen entscheiden, der Gefahr nicht nachzugeben. Aus Prinzip
Hoffnung zu haben bedeutet manchmal, sich zu weigern, den öffentlichen Raum
denjenigen zu überlassen, die andere einschüchtern wollen, und stattdessen
die Städte und Ortschaften dieses Landes in Regenbogenfarben einzuhüllen.
Und vielleicht ist genau das die älteste Tradition des CSD: sichtbar zu
bleiben.
14 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Christopher-Street-Day/!t5034790
(DIR) [2] /Eine-Familie-zwei-Maennerbilder/!6174851
(DIR) [3] http://queeres-brandenburg.info/index.php/communityabfrage/77-selbsthilfe-und-initiativen/479-csd-brandenburg
## AUTOREN
(DIR) Daniela Sepehri
## TAGS
(DIR) Kolumne Prinzip Hoffnung
(DIR) Schwerpunkt LGBTQIA
(DIR) Gender
(DIR) Christopher Street Day
(DIR) GNS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Christopher Street Day
(DIR) Schwerpunkt Iran
(DIR) Digitale Gewalt
(DIR) Männerbild
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) CSD in Sachsen-Anhalt: Wo Queers ständig im Feuer stehen
In der Kleinstadt Sangerhausen fand zum ersten Mal ein CSD statt. 200
Menschen feierten ein Fest der Liebe – auch wenn der Hass im Ort präsent
war.
(DIR) Digitale Repression: „Willkommen zurück, Iran!“
Die längste Internetabschaltung in der Weltgeschichte scheint vorbei. Doch
das Regime in Teheran kontrolliert weiterhin die digitalen Zugänge.
(DIR) Männer am Vatertag: Manchmal reicht es, die kleinen Siege zu feiern
Die Bilder vom 14. Mai machen Hoffnung: Verstehen Männer langsam, dass sie
bei sexualisierter Gewalt nicht mehr ruhig bleiben können?
(DIR) Kundgebung zum Vatertag: „Ohne das Patriarchat geht es uns allen besser“
Auf der Demonstration des Bündnisses „Männer gegen Gewalt“ in Berlin geht
es um geschlechtsspezifische Gewalt. Und um die Verantwortung von Männern.