# taz.de -- Der Nahe Osten im Jahr 2050: Zwischen Dürre, Hitze und Hoffnung
> Das Klima im Nahen Osten und Nordafrika wird immer heißer. Vier
> Journalistinnen aus der Region erzählen von bedrohten Ökosystemen – und
> der Suche nach Lösungen.
Schon heute sind der Nahe Osten und Nordafrika zwei der heißesten und
trockensten Regionen der Welt. In manchen Städten übersteigen die
Temperaturen bereits heute teils 50 Grad Celsius. Immer öfter gibt es
außerdem anhaltende Dürreperioden. Und sauberes Trinkwasser ist schon heute
in vielen Ländern der Region Mangelware. Und die Region wird immer wärmer:
Die durchschnittlichen Temperaturen sollen dort fast doppelt so schnell
steigen wie im globalen Durchschnitt.
Wie könnte die Zukunft im Jahr 2050 im Nahen Osten und in Nordafrika
aussehen? Wird die Region unbewohnbar, verdorrt, völlig überhitzt? Wie
werden die Menschen dort leben? Werden sie dort noch leben können?
Diese Fragen stellen sich im Rahmen des Projekts [1][MENA Green Panter der
taz panterstiftung] Journalistinnen aus den Ländern der Region – von
Marokko bis Irak.
## „Die Biene spielt eine große Rolle“
Eine von ihnen ist Asma Al-Sheikh aus Ägypten. Sie hat sich gefragt, wie
die Zukunft ihres Heimatlandes aussehen wird. Und dafür auf Fiktion
zurückgegriffen.
Im Jahr 2014 erschien in Ägypten der Roman „Istiham Al-Haya“ des
Schriftstellers Ahmed Naji. Darin beschreibt er ein Kairo, das von einem
Wüsten-Tsunami unter Sand begraben wird. Das historische Kairo
verschwindet, ein neues Kairo wird als Ort der Rettung erbaut. Ein Ägypten
also, in dem der Klimawandel das Leben der Menschen unwiederbringlich
verändert.
Asma Al-Sheikh erzählt: „Im Roman ist der Klimawandel der Motor der
Geschichte. Jede wirtschaftliche Epoche oder jeder wirtschaftliche
Aufschwung geht zeitgleich mit einer klimatischen Veränderung einher“. Eine
Lösung für die Region ist also Anpassung, sagt Al-Sheikh.
Einen ganz anderen Ansatz wählt die libanesische Journalistin Rouba Abo
Ammo. Sie blickt auf die schwindende Bienenpopulation in ihrem Heimatland.
Und fragt sich: Welche Veränderungen wird das auslösen?
Sie erzählt im Podcast „Freie Rede“: „Bienen sind für die Bestäubung einer
Vielzahl von Nutzpflanzen verantwortlich, etwa Äpfel, Kirschen und
Zucchini. Viele Landwirte, die Gemüse anbauen, züchten im Libanon deswegen
auch Bienen. Sie wollen so ihren Ertrag steigern, die Qualität ihrer
Lebensmittel verbessern. Die Biene ist ein kleines Lebewesen, das aber für
die Ernährungssicherheit eine große Rolle spielt.“
Sie sieht die Politik in der Pflicht: „Der Libanon ist ohnehin mit großen
Herausforderungen konfrontiert: einem Krieg, einer Wirtschaftskrise. Damit
das Land auch noch dem Klimawandel begegnen kann, braucht es mehr
Initiative“.
## Gerade Frauen sind besonders betroffen
In Marokko trägt staatliche Politik sogar zum Klimawandel bei, erklärt die
marokkanische Journalistin Imane Bellamine: Die Dürre in Marokko war nicht
nur auf den Klimawandel zurückzuführen. „Es war auch die marokkanische
Agrarpolitik, die diese Wasserkrise verschärft hat. Denn im Rahmen dieser
Politik werden die Böden ausgebeutet und Wasserressourcen erschöpft.
Außerdem werden Pflanzen angebaut, die überhaupt nicht zu Marokkos
Landschaft und Klima passen“.
Allerdings, erzählt sie, bemüht sich der Staat um eine Gegenmaßnahme: Das
Impfen von Wolken, um so Regen zu erzeugen. In der Bevölkerung wird das
kontrovers diskutiert – spielen doch die Natur und der Regen eine große
kulturelle Rolle.
Auch im Marschgebiet im Süden des Irak bestimmt die Natur das Leben der
Menschen. Die Journalistin Asma Shaalan hat das Gebiet besucht: „In den
Marschgebieten leben die Menschen in kleinen, einfachen Häusern aus Schilf
und Papyrus“, erzählt sie. „Die Bewohner der Sümpfe leben symbiotisch mit
diesen Landschaften, mit den Gewässern. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie
mit der Zucht von Wasserbüffeln und dem Fischfang“.
Doch der Klimawandel ist auch dort deutlich spürbar. Betroffen seien gerade
Frauen, erzählt Asma Shaalan. „Um Trinkwasser für ihre Familien zu holen,
müssen sie teils kilometerweit laufen. Sie tragen es auf dem Kopf – dadurch
steigt etwa das Risiko, dass sie – wenn sie schwanger sind – eine
Fehlgeburt erleiden“.
Trotz allem haben die Journalistinnen Hoffnung. Imane Bellamine sagt:
„Vielleicht ist die Zukunft gar nicht so düster. Es ist unsere Aufgabe, mit
unserer Berichterstattung dazu beizutragen. Und so Gott will, wird uns das
gelingen.“
Dieser Podcast entstand im Rahmen des hybriden Projekts MENA Green Panter
der taz panterstiftung, das 25 Frauen aus 16 arabischsprachigen Ländern
zwei Jahre lang (2024-2026) zusammengebracht hat. Die Texte der zwei
Beilagen, die im Rahmen des Projekts entstanden sind, können Sie [2][hier]
lesen. Ein taz panter talk während der Präsenzwoche in Berlin fand am 17.
Juni in der taz Kantine und als [3][Live-Stream] statt.
Dieser Podcast wurde auch auf Arabisch aufgenommen und [4][beim
Kooperationspartner Radio ARTA veröffentlicht].
13 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Klimakrise-auf-Arabisch/!t5943998
(DIR) [2] /Klimakrise-auf-Arabisch/!t5943998
(DIR) [3] https://www.youtube.com/live/T3LvbMR6UAE
(DIR) [4] https://www.facebook.com/reel/2472509516549349/?mibextid=wwXIfr&share_url=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fshare%2Fv%2F1DPriYazhp%2F%3Fmibextid%3DwwXIfr&rdid=dZBBHBzwE5oFuXr5
## AUTOREN
(DIR) Lisa Schneider
## TAGS
(DIR) Klimakrise auf Arabisch
(DIR) Podcast „Freie Rede“
(DIR) Klimakrise auf Arabisch
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Ägypten
(DIR) Irak
(DIR) Marokko
(DIR) Libanon
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Fußball-WM
(DIR) Hitze
(DIR) Klimakrise auf Arabisch
(DIR) Klimakrise auf Arabisch
(DIR) Klimakrise auf Arabisch
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Hitze in Nordafrika: Ausschreitungen und Massenproteste
Bei bis zu 50 Grad fallen in Nordafrika immer wieder Strom und Wasser aus.
In Libyen und Tunesien fordern Menschen den Rücktritt der tatenlosen
Regierungen.
(DIR) Vorläufige Klimabilanz der WM: Zu heiß? Dann trinkt doch!
Trotz sengender Hitze von über 40 Grad und kollabierenden Fans plant die
Fifa die nächste WM 2030, als gäbe es keine Klimakrise.
(DIR) Erste Hitzewelle des Sommers: Es wird heiß
In den kommenden Tagen wird mit bis zu 38 Grad gerechnet. Cottbus schmeißt
die Nebelmaschine an. Eine Expertin plädiert für Siesta. ADFC rät: langsam
Radeln.
(DIR) Sonderbeilage zu MENA Green Panter: Wie die arabische Welt der Zukunft begegnet
Im Jahr 2050 droht der Region der Klimakollaps. 25 Journalistinnen aus 16
arabischsprachigen Ländern haben erfrischende Antworten. Gibt es nur noch
Hitze? Oder auch Hoffnung?
(DIR) Der bekannteste Umweltaktivist Iraks: Wird in Irak das Wasser so wertvoll wie heute das Öl?
Umweltexperte Jassim al-Asadi beschäftigt sich mit Sümpfen im Südirak. Er
weiß, was nötig ist, um sie zu retten: kluge Bewässerung und starke Frauen.
(DIR) Der Kampf um den heiligen Fluss: Was bleibt von der Taufe, wenn das Wasser verschwindet?
Im Süden Iraks droht der heilige Fluss der Mandäer auszutrocknen. Wie die
Erben von Johannes dem Täufer gegen das Verschwinden des Wassers ankämpfen.
(DIR) +++ Nachrichten im Nahost-Krieg +++: Israel greift Vororte Beiruts an
Nach neuen Drohnenangriffen bombardiert Israel mutmaßliche
Hisbollah-Einrichtungen in der libanesischen Hauptstadt. Ringen um
USA-Iran-Deal geht weiter.