# taz.de -- Der Kampf um den heiligen Fluss: Was bleibt von der Taufe, wenn das Wasser verschwindet?
> Im Süden Iraks droht der heilige Fluss der Mandäer auszutrocknen. Wie die
> Erben von Johannes dem Täufer gegen das Verschwinden des Wassers
> ankämpfen.
(IMG) Bild: Tanz der Mandäer: Für die Glaubensgemeinschaft in Irak ist Wasser das größte Heiligtum
Am Ufer des Flusses Schatt al-Arab in der südirakischen Stadt Basra steht
der Priester Mazen al-Naif. Seine weiße Baumwollkleidung symbolisiert die
Reinheit der Seele von Sünden. In seiner Hand die „Markana“, ein langer
Stab aus Olivenholz. Die Taufe der Gläubigen, ebenfalls allesamt in weiße
Baumwolle gekleidet, beginnt.
Mazen al-Naif ist der religiöse Führer der Mandäer in Basra, einer
Glaubensgemeinschaft, die vor über 2000 Jahren entstanden ist. Sie beten
auf Aramäisch, der Sprache von Jesus, ihr Messias aber ist Johannes der
Täufer. Mandäer, so will es ihr Glaube, sollen am Ufer von Flüssen leben,
das wichtigste Ritual der weltweit rund 60.000 Gläubigen ist die Taufe.
Wasser ist für sie die Essenz der Schöpfung, der Geist des Universums und
der einzige Vermittler zwischen Mensch und Schöpfer. Nur fließendes
lebendiges Wasser, so glauben die Mandäer, kann die Seele und den Körper
reinigen.
Das Problem der Mandäer im Süden Iraks: Das Wasser verschwindet, ihr
heiliger Fluss trocknet aus oder wird geflutet von schmutzigem Abwasser und
Müll. Um ihren Glauben überhaupt noch angemessen praktizieren zu können,
haben sie ein künstliches Becken errichtet. Eine Notlösung, mehr nicht. Der
Priester Mazen al-Naif beschreibt das Becken als „heiligen Ort zweiter
Klasse“ und prophezeit, dass seine Gemeinde sich schon bald in den
Nachbarländern auf die Suche nach Wasser machen wird. „Oder wir bohren
Brunnen.“ So oder so wird ihr lebendiges Wasser zunehmend rar.
Der Priester sitzt am Rand seines künstlichen Beckens, die Gläubigen in
ihren weißen Gewändern sind getauft, doch das Gefühl völliger Reinheit, das
ihm der alte Fluss einst vermittelte, schwebt wie die Erinnerung an ein
Gebet über dem Schatt al-Arab.
Nagham Makki Ashour Alajer, Journalistin aus Basra (Irak)
15 Jun 2026
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