# taz.de -- US-Senatskandidat Graham Platner: Demokratische Hoffnung mit groben Macken
       
       > Im US-Bundesstaat Maine hat Graham Platner die Senatsvorwahl der
       > Demokraten gewonnen. Sein Erfolg wird von Sexting-Skandalen und
       > Nazi-Tattoos getrübt.
       
 (IMG) Bild: Graham Platner goes to Washington: Hier mit seiner Frau Amy am 9. Juni in Blue Hill, Maine
       
       Der ehemalige US-Soldat und Austernfischer Graham Platner konnte sich in
       dieser Woche die Nominierung seiner Partei für die Senatswahl im
       Bundesstaat Maine sichern. Platner gilt als nächster linksliberaler
       Hoffnungsträger der Demokraten. Doch Negativschlagzeilen haben dessen Image
       in den vergangenen Wochen und Monaten stark zugesetzt.
       
       Innerhalb der Partei gibt es Stimmen, die in Platner keinen
       Hoffnungsträger, sondern eher ein politisches Risiko sehen. Er stellt sich
       in seiner Kampagne klar gegen das politische Establishment in Washington
       und will sich für [1][die amerikanische Arbeiterklasse] einsetzen.
       Politisch steht Platner [2][Bernie Sanders], [3][Alexandria Ocasio-Cortez]
       und [4][Zohran Mamdani] nahe. Mit seinem populistischen Wahlprogramm konnte
       er nun zumindest schon die demokratischen Wähler in Maine überzeugen.
       
       Er setzt sich für eine allgemeine Gesundheitsversorgung, höhere Steuern für
       Vermögende und einen höheren bundesweiten Mindestlohn ein. Bei
       Wahlkampfveranstaltungen wütet er gegen Milliardäre und Großkonzerne. „Kein
       Maßstab für harte Arbeit rechtfertigt die Existenz von Milliardären,
       während Menschen im Osten von Maine drei Jobs ausüben müssen, nur um Essen
       auf den Tisch zu bringen“, sagte er vor kurzem bei einer Kundgebung in
       Portland.
       
       Doch das Bild des hart arbeitenden Ex-Soldaten hat in den vergangenen
       Monaten einen Kratzer abbekommen. Laut Medienberichten soll Platner sexuell
       eindeutige Textnachrichten an mehrere Frauen geschrieben haben, obwohl er
       verheiratet war. Auch schilderten mehrere Ex-Freundinnen in der New York
       Times ihre Beziehungen mit Platner. Er soll impulsiv und untreu gewesen
       sein.
       
       ## Tattoo mit Nazisymbolik
       
       Außerdem geriet er aufgrund eines Tattoos mit Nazisymbolik in die Kritik.
       Platner gab an, er habe es sich ohne Kenntnis seiner Bedeutung stechen
       lassen und später überdecken lassen. Zudem tauchten alte Reddit-Beiträge
       auf, in denen er homophobe Beleidigungen verwendete und sexuelle Übergriffe
       beim Militär herunterspielte.
       
       Platner reagierte auf die Negativschlagzeilen mit einer Mischung aus Reue
       und Trotz. Er spricht von einer schwierigen Zeit nach seinem Militärdienst,
       einer unbehandelten posttraumatischen Belastungsstörung und
       Alkoholmissbrauch.
       
       „Wenn Sie – so wie ich – daran glauben, dass wir unsere Politik und unser
       Land verändern können, dann müssen Sie auch daran glauben, dass Menschen
       sich ändern können. Ich glaube daran, weil ich es selbst erlebt habe“,
       sagte Platner nach seinem Wahlsieg am Dienstag.
       
       Am Ende gewann Platner seine Vorwahl mit fast zwei Dritteln der Stimmen.
       Sein Erfolg ist nicht nur auf seine politische Plattform zurückzuführen,
       auch die Realitäten in Maine spielen eine Rolle. Mit 1,4 Millionen
       Einwohnern ist der Staat im äußersten Nordosten der USA einer der
       kleinsten. Das Auftreten eines Kandidaten sowie der persönliche Austausch
       mit Wählern zählt noch immer viel. [5][Genau hier konnte Platner punkten.]
       
       ## Republikanerin Collins als Gegnerin
       
       Ob Platner auch bei Nicht-Demokraten in Maine so gut ankommen wird, ist
       fraglich. Doch für die demokratischen Chancen, die Kontrolle im US-Senat
       zurückzugewinnen ist ein Sieg in Maine fast schon Pflicht.
       
       Gegenspielerin ist die Republikanerin Susan Collins, die seit mittlerweile
       fast 30 Jahren Maine in Washington vertritt. Collins vertritt damit als
       Republikanerin einen Bundesstaat, der seit 1988 nicht mehr für einen
       republikanischen Präsidentschaftskandidaten gestimmt hat. Allein dies
       zeigt, dass es nicht leicht werden wird, Collins zu schlagen. Sie ist
       äußerst beliebt und im Gegensatz zu vielen anderen in ihrer Partei ist sie
       bereit mit Demokraten zusammenzuarbeiten und auch gegen die Agenda von
       Präsident Donald Trump zu stimmen.
       
       Obwohl nicht jeder innerhalb der Partei Platner für den besten Kandidaten
       hält – vor allem aufgrund der Skandale – müssen die meisten eingestehen,
       dass die Status-Quo-Kandidaten in Maine bisher an Collins gescheitert
       waren. Und dank Präsident Trump sind Skandale in der US-Politik kein
       Ausschlusskriterium mehr.
       
       11 Jun 2026
       
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