# taz.de -- New Yorker Bürgermeister: Liefert Mamdani?
       
       > Seit 1. Januar regiert der linke Zohran Mamdani als Bürgermeister in New
       > York. Seine ehrgeizigen Ziele hat er nicht aus den Augen verloren. Eine
       > 100-Tage-Bilanz.
       
 (IMG) Bild: Gibt sich gerne als Arbeiter: der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamadi
       
       Die Stadt New York hat mehr als 300.000 Angestellte, doch in den ersten 100
       Tagen seiner Amtszeit schien es manchmal so, als würde Bürgermeister Zohran
       Mamdani alles alleine machen. Als New York von zwei massiven Winterstürmen
       heimgesucht wurde, schaufelte er auf der Straße eingeschneite Autos frei.
       Als danach die Straßen voller Schlaglöcher waren, sah man ihn mit einem
       Presslufthammer. Und dann betonierte er auch noch höchstpersönlich eine
       Unebenheit an der Auffahrt zur Williamsburg Bridge glatt, über den sich
       seit Monaten die Fahrradfahrer beschwerten.
       
       So hat Mamdani [1][seit seinem Amtsantritt am 1. Januar] zumindest eines
       geschafft: Mehr als 70 Prozent der New Yorker Bürger sehen ihn als hart
       arbeitend an. Seine Zustimmungsrate ist mit 48 Prozent gut, aber nicht
       überragend. Sein Vorgänger Eric Adams, der am Ende seiner Amtszeit bei den
       New Yorkern durchgefallen war, lag nach 100 Tagen noch bei 60 Prozent.
       
       Nun sind 100 Tage in keinster Weise ein sinnvolles Maß, um über eine
       Regierung zu urteilen. Aber sie reichen aus, um zu sehen, ob sie auf Kurs
       ist, ihre Versprechen einzulösen. Und [2][Zohran Mamdanis Versprechen sind
       enorm].
       
       ## New York bezahlbar machen
       
       Als erster sozialistischer Bürgermeister will er New York wieder bezahlbar
       machen. Dabei weiß er genau, wie ehrgeizig das in einer Stadt ist, in der
       die durchschnittliche Monatsmiete bei 4.000 Dollar liegt, während sich das
       durchschnittliche Haushaltseinkommen auf 81.000 Dollar pro Jahr beläuft.
       
       Daran gemessen, waren die ersten drei Monate Mamdanis in der City Hall eher
       profan. Beim Management der Schneestürme und der extremen Kältewelle musste
       er beweisen, dass er die verschiedenen Abteilungen der Stadtverwaltungen
       koordinieren kann. Das hat er gut gemeistert. Doch seine großen Pläne
       scheiterten zunächst an der Macht des Faktischen. Gleich im Januar musste
       er feststellen, dass sein Vorgänger ihm ein heilloses Finanzchaos
       hinterlassen hatte. Zunächst wurde das Haushaltsloch auf 12 Milliarden
       Dollar geschätzt, dann auf knapp 6 Milliarden korrigiert.
       
       Das macht es natürlich für Zohran Mamdani weit schwieriger, ehrgeizige
       Pläne wie kostenlosen Nahverkehr durchzusetzen. Was sich dann auch
       unmittelbar in einem hässlichen öffentlichen Streit zwischen dem
       Bürgermeister und dem New York City Council, dem Rat der Stadt, über den
       Haushalt niedergeschlagen hat.
       
       Council-Sprecherin Julie Menin, Tochter eines Immobilienmilliardärs, wirft
       Mamdani vor, nichts von Finanzen zu verstehen. Sie will den Haushalt allein
       durch Kürzungen ausgleichen, was Mamdanis Agenda direkt entgegenstünde.
       Mamdani hingegen beharrt darauf, die Steuern für Reiche und für Unternehmen
       anzuheben, und beschuldigt Menin, strukturelle Probleme zu ignorieren.
       
       Die Steuererhöhungen müsste Zohran Mamdani allerdings ohnehin von der
       Gouverneurin genehmigt bekommen. Die hat ihm immerhin [3][mehr als 8
       Milliarden Dollar für Kindergärten bewilligt]. Doch die stärkere
       Besteuerung der Reichen und der Wirtschaft verweigert sie bislang
       hartnäckig.
       
       ## Charme, Energie und Sozialwohnungen
       
       Bleibt Mamdanis große Vision eines faireren, gerechteren New York also von
       Anfang an im Klein-Klein des politischen Tagesgeschäfts stecken? Für eine
       Antwort darauf ist es noch zu früh, aber es sieht ganz so aus, als stehe er
       zu seiner Agenda. Sein Charme und seine Energie werden ihm sicherlich dabei
       helfen. Immerhin hat er Donald Trump dazu gebracht, mit Bundesmitteln in
       New York 12.000 Sozialwohnungen zu bauen.
       
       Sollte man einen Ausblick wagen, könnte man sagen: Mamdani ist dafür
       gerüstet, das zähe Geschäft des Regierens zu meistern. Und er wird dabei
       seine progressiven Ziele nicht aus den Augen verlieren. Dass New York in
       vier Jahren eine vollkommen andere Stadt sein wird, ist dabei sicher nicht
       zu erwarten. Aber die Hoffnung, dass sie ein Stück besser und menschlicher
       wird, bleibt.
       
       10 Apr 2026
       
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