# taz.de -- Präsidentschaftswahlen in Peru: Knappes Rennen um die Spitze
       
       > Die Auszählung der Präsidentschaftswahlen hält ganz Peru seit drei Tagen
       > in Atem. Das Zünglein an der Waage sind die Peruaner im Ausland.
       
 (IMG) Bild: Unterstützer des linken Kandidaten Roberto Sánchez
       
       Am Sonntag hatten die Peruanerinnen die Wahl zwischen der Diktatorentochter
       Keiko Fujimori und dem linken Abgeordneten Roberto Sánchez. Für die
       [1][Peruanerinnen war die Wahl] eine Neuauflage der Wahlen von 2021. Damals
       stand [2][Keiko Fujimori] dem linken Dorfschullehrer Pedro Castillo
       gegenüber. Letzterer gewann damals äußerst knapp mit 44.000 Stimmen
       Vorsprung und [3][regierte Peru eineinhalb Jahre.] 2022 versuchte er den
       Kongress aufzulösen und Peru per Dekret und mit einer Notstandsregierung zu
       führen, woraufhin er abgesetzt und verurteilt wurde.
       
       Das Ergebnis der diesjährigen Wahlen dürfte noch knapper ausfallen. Am
       Dienstagmittag, zwei Tage nach der Wahl, steht das Ergebnis weiterhin aus.
       [4][Um 14 Uhr MEZ, sind rund 97 Prozent der Stimmen ausgezählt.] Bisher
       führt Sánchez mit 0,15 Prozentpunkten vor Fujimori. Da vor allem die
       Stimmen der Peruaner im Ausland noch nicht ausgezählt sind, könnte sich
       dieses Verhältnis zu Gunsten Fujimoris, die bereits zum vierten Mal
       antritt, wenden. Auslandsperuaner gelten mehrheitlich als Fujimori-Wähler.
       Dazu kommen über 1.500 angefochtene Wahlzettel, die nun von
       Spezialgerichten überprüft werden müssen. Wenn es sein muss, auch in
       zweiter Instanz.
       
       Wer immer auch die Wahl hauchdünn für sich entscheiden wird, wird ein Land
       regieren müssen, das seit Jahrzehnten tief gespalten ist zwischen der
       pulsierenden Hauptstadt Lima und den Städten an der Pazifikküste einerseits
       und den indigen und ländlich geprägten Anden andererseits. Keiko Fujimoris
       Vater Alberto verpasste Peru vor 35 Jahren den Neoliberalismus als
       Staatsreligion, machte die Straßenverkäufer glauben, sie seien aufstrebende
       Unternehmer und ihres Glückes Schmied.
       
       Die Menschen auf dem Land, die auf über 3.000 Meter unter beschwerlichen
       Bedingungen Landwirtschaft betreiben, bekamen Almosen und ab und zu eine
       Straße und galten als Fortschrittsverhinderer oder sogar Terroristen, wenn
       sie sich weigerten, ihr Land für eine industrielle Mine herzugeben.
       
       ## Ein anderes Peru
       
       Dazu kommt ein jahrhundertealter Rassismus und Klassismus zwischen
       Hauptstadt und Anden, ein Erbe der spanischen Kolonialherren. Er ist in den
       Köpfen der Menschen bis heute fest verankert und prägt den Alltag und den
       Stil der peruanischen Politik.
       
       Roberto Sánchez, ganz im Gefolge des inhaftierten Castillo, steht für das
       andine Peru und für mehr staatliche Eingriffe in die Wirtschaft. Fujimori
       steht für den Kapitalismus der Küstenstädte. Beide werden in Parlament und
       Senat die zwei größten Fraktionen anführen, sind für Mehrheiten aber auf
       Verbündete angewiesen. Beide Kandidaten hatten in der ersten Wahlrunde
       gemeinsam nicht mal 30 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigt.
       
       Im Vorfeld der Wahlen schmiedete vor allem Sánchez Bündnisse mit anderen
       linken Parteien, die nicht in die Stichwahl gekommen sind und gemäßigter
       links sind als seine eigene Partei Juntos por el Perú. Damit wollte er
       diejenigen Wähler gewinnen, die zwar Keiko Fujimori ablehnen, nicht aber
       ein liberales Wirtschaftsmodell. Keiko Fujimori hingegen hat sich als die
       Frau für Law and Order gegen die grassierende Kriminalität dargestellt und
       ansonsten die bekannten Rezepte ihres Vaters Alberto Fujimori verkündet.
       
       Peru hatte in den vergangenen 10 Jahren acht Präsidenten. Die Fraktionen im
       Parlament, an erster Stelle die Partei, die Keiko Fujimori anführt,
       agierten in eigenem und kurzfristigem Interesse und setzten Präsidenten
       nach Belieben ein und ab. Für Politik und Behörden bedeutete dies vor allem
       Stillstand, während die Korruption, die Kriminalität und illegale Ökonomien
       weiter um sich griffen. Falls Sánchez gewinnen sollte, wird er
       wahrscheinlich genauso ausgebremst von Parlament und Senat wie seine
       Vorgänger. Aber auch eine Präsidentin Keiko Fujimori könnte nicht einfach
       durchregieren.
       
       ## Auszählung könnte sich verzögern
       
       Doch noch starrt ganz Peru gebannt auf [5][die Auszählungsplattform der
       Wahlbehörde], in der jede ausgezählte Stimme eingespeist wird und man im
       Minutentakt sieht, zu wessen Gunsten sich der Zeiger neigt.
       
       Im schlimmsten Fall werden die Peruanerinnen erst Anfang Juli erfahren, wer
       ab 28. Juli ihr Land regieren wird. Dann wird die oberste Wahlbehörde alle
       angefochtenen Wahlzettel beschieden haben und das offizielle Ergebnis
       bekannt geben.
       
       Bisher wollen sowohl Fujimori wie auch Sánchez das Ergebnis anerkennen.
       
       10 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Hildegard Willer
       
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