# taz.de -- Nach der Stichwahl in Peru: Unterlegener Kandidat ruft zu Protesten auf
> Über zwei Wochen nach der Stichwahl erklärt Perus oberste Wahlbehörde,
> der knappe Sieg sei der Rechtskandidatin Keiko Fujimori nicht mehr zu
> nehmen.
(IMG) Bild: Mitglieder einer speziellen Wahlkommission prüfen Stimmzettel bei der Nationalen Wahlbehörde (JNE) in Lima, Peru, am 23. Juni 2026
Nach [1][Wochen der Unsicherheit] hat Perus Nationale Wahlbehörde am
Dienstag erklärt, bei der Auszählung der Stimmen der Stichwahl um die
Präsidentschaft liege die Rechtskandidatin Keiko Fujimori nunmehr knapp,
aber uneinholbar vorne. Ihr linksliberaler Konkurrent [2][Roberto Sánchez]
erklärte, er erkenne Fujimoris Sieg nicht an, und sprach von
Unregelmäßigkeiten insbesondere bei der Stimmabgabe im Ausland.
Wie die Wahlbehörde am späten Dienstagabend (Ortszeit) mitteilte, kommt die
Tochter des früheren Präsidenten Alberto Fujimori bei der [3][Stichwahl vom
7. Juni] auf 50,11 Prozent der Stimmen. Ihr Vorsprung gegenüber dem
linksgerichteten Rivalen Roberto Sanchez beträgt demnach 43.386 Stimmen.
Da nur noch 40.213 Stimmen ausgezählt werden müssen, ist der
Präsidentschaftskandidatin Fujimori der Sieg rechnerisch nicht mehr zu
nehmen. Die Wahlbehörde will den offiziellen Sieger jedoch erst Mitte Juli
verkünden.
Roberto Sánchez ruft nunmehr seine Anhänger*innen zu einer
Protestdemonstration am kommenden Samstag in Lima auf. Er argumentiert, die
Wahlbehörde habe zwischen dem ersten und dem zweiten Wahlgang die Regeln
geändert und damit die ordnungsgemäße Überführung der an den peruanischen
Konsulaten im Ausland abgegebenen Stimmzettel nicht mehr gewährleistet. Er
forderte, die Auslandsstimmen für null und nichtig zu erklären.
## Fujimori bei Auslandsperuaner*innen klar vorne
Tatsächlich [4][zeigen Daten der Wahlbehörde] offenbar einen kleinen
Vorsprung von 50,1 gegen 49,9 Prozent der Stimmen für Sánchez bei den in
Peru selbst abgegebenen Stimmen – wohingegen Fujimori sich bei den
Auslandsperuaner*innen mit 63,1 Prozent der Stimmen durchgesetzt
haben soll. Abgeordnete von Sánchez’ Koalition argumentieren bereits, es
sei an der Zeit, das Wahlrecht von im Ausland lebenden Peruaner*innen
niedriger zu bewerten. Diese hätten schließlich keine Ahnung von der
Realität im Land.
Sowohl überaus knappe Wahlausgänge als auch deren präventive Anfechtung
noch vor Bekanntgabe des Endergebnisses haben Tradition in Peru. Bei den
Wahlen vor fünf Jahren hatte die auch damals angetretene Keiko Fujimori
ganz ähnlich argumentiert wie Sánchez heute. Bevor damals der Linke Pedro
Castillo – dessen politisches Erbe Sánchez vertritt – zum Wahlsieger
erklärt wurde, erklärte auch Fujimori, sie erkenne das Ergebnis nicht an,
und sprach von Unregelmäßigkeiten. Castillo wurde später wegen eines
versuchten Staatsstreiches abgesetzt und verhaftet und verbüßt heute eine
Gefängnisstrafe.
## Dritte radikal rechte Regierung in Lateinamerika droht
Im Falle eines Wahlsieges von Keiko Fujimori würde nach Chile und Kolumbien
ein weiteres lateinamerikanisches Land eine radikal rechte Regierung
bekommen. Keiko Fujimori ist die Tochter des inzwischen [5][verstorbenen
ehemaligen Präsidenten Alberto Fujimori]. Der hatte in seiner Amtszeit von
1990 bis 2000 schwerste Menschenrechtsverletzungen zu verantworten, für die
er – zusammen mit Korruptionsvorwürfen – im Jahr 2009 zu einer 25-jährigen
Freiheitsstrafe verurteilt wurde.
Keiko Fujimoris erste Versuche, für die Präsidentschaft zu kandidieren,
waren denn auch von der Motivation geprägt, im Falle eines Wahlsieges ihren
Vater aus dem Gefängnis entlassen zu können. Aber erst in diesem vierten
Anlauf scheint ihr nunmehr ein denkbar knapper Wahlsieg gelingen zu können.
Wie José Antonio Kast in Chile und Abelardo de la Espriella in Kolumbien
hatte auch Fujimori im Wahlkampf mit dem [6][Thema Sicherheit] gepunktet
und eine harte Hand gegen die Kriminalität versprochen.
Gut angesehen sind Politiker*innen in Peru nicht: In den vergangenen
zehn Jahren gab es acht Präsidenten; keiner von ihnen beendete eine volle
Amtszeit. Drei wurden des Amtes enthoben, einer trat nach nur sechs Tagen
zurück und vier sitzen derzeit im Gefängnis. (mit rtr)
24 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Bernd Pickert
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