# taz.de -- Michel Friedman und die Festspiele: Die schlechteste Inszenierung von Bayreuth
       
       > Erst wurde er ausgeladen, jetzt darf Michel Friedman bei den Bayreuther
       > Festspielen doch eine Rede halten. Professionell ist das alles nicht.
       
 (IMG) Bild: Sicherheitsbedenken? Hat da niemand: Prominenz begrüßt sich bei den Bayreuther Wagner-Festspielen 2025
       
       Nimm etwas ins Programm, das nach 150 Jahren dringend notwendig ist – viel
       zu spät, aber jetzt, zum Jubiläum, umso wichtiger. Biete einem die
       Hauptrolle an, der der Beste dafür ist, denn du hast eine Scharte
       auszuwetzen. Blase, unter fadenscheinigen Gründen, genau diese
       Veranstaltung ab, reagiere dann auf Proteste, und lad den Redner wieder
       ein.
       
       Das ist, in aller Kürze, was in die lange Geschichte der Bayreuther
       [1][Wagner-Festspiele] als schlechteste aller bisherigen Inszenierungen
       eingehen wird. Und was zur Folge haben müsste, diesem Ort der
       Wagner-Huldigung und allen, die dort verantwortlich sind, eine
       Nachdenkpause zu verordnen.
       
       [2][Michel Friedman, der jüdische Publizist,] sollte zur Eröffnung der
       Wagner-Festspiele im Jahr ihres 150. Bestehens zum Antisemitismus im Denken
       und Wirken Richard Wagners sprechen, es sollte ein Gedenkkonzert für
       jüdische Musikerinnen und Musiker geben, die in der Nazizeit ausgegrenzt,
       verfolgt, ermordet wurden. Der Erlös sollte israelischen Musikerinnen und
       Musikern in Form von Stipendien zugutekommen.
       
       Die Rede Friedmans und das Konzert wurden wegen nebulöser
       „Sicherheitsbedenken“ kurzfristig abgesagt und erst nach Protesten und
       Friedmans Empörung, [3][öffentlich gemacht in der Süddeutschen Zeitung],
       wieder ins Programm genommen.
       
       Macht den Laden für mindestens ein Jahr dicht! Investiert die Millionen,
       mit denen der Kulturstaatsminister und der Freistaat Bayern die Festspiele
       subventionieren, in Projekte und Schulungen zu Themenfeldern wie
       Antisemitismusbekämpfung, Demokratieförderung, Zivilcourage, Grundgesetz.
       Katharina Wagner, die Urenkelin des Komponisten und Festivalchefin, hat
       sich zwar entschuldigt, sollte aber teilnehmen. Es scheint Nachholbedarf zu
       geben.
       
       Katharina Wagner hat gerade noch die Kurve gekriegt, denn diese
       Veranstaltung zur Eröffnung der diesjährigen Festspiele ist ein starkes
       Zeichen, zumal sie die Aufführung von Wagners Oper „Rienzi“ am Abend des
       Eröffnungstags prospektiv kontert; Hitlers Lieblingsoper, wie man weiß.
       
       Friedmans Vortrag und das Konzert abzusagen, wäre auch ein starkes Zeichen
       – des Versagens, des Duckmäusertums. Und eine Peinlichkeit, weil es zum
       Auftakt nur Hitlers Lieblingsoper gegeben hätte – mit aller Prominenz, die
       dort üblicherweise aufläuft. Sicherheitsbedenken? Hat da niemand.
       
       Wie gut, wie souverän, dass Michel Friedman Wagners Entschuldigung und ihre
       Nun-doch-Einladung angenommen hat. Es muss jemand zum Antisemitismus in
       Wagners Bayreuth reden, zum kuscheligen Verhältnis von Wagners Nachfahren
       zu Hitler. Und dazu, wie sie halfen, den Antisemitismus einsickern zu
       lassen, und welche Rolle das heute noch spielt. Jemandem wie Friedman nicht
       zuzuhören, eine Veranstaltung wie diese nicht zu verteidigen – das wäre ein
       großer Fehler gewesen, weit über die Wagner-Festspiele hinaus.
       
       19 Jun 2026
       
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