# taz.de -- Brände in Süditalien: Das ist nicht Mohn, das ist Feuer
       
       > In Südeuropa ist man an Waldbrände gewöhnt, aber dass sie schon Anfang
       > Juni beginnen, ist neu. Es ist eine Zeitreise in eine nicht so ferne,
       > auch deutsche Zukunft.
       
 (IMG) Bild: Süditalien ist besonders betroffen: Ein Waldbrand wütet in der Region Trapani auf Sizilien, am 14.6.2026
       
       Mein Freund schickt mir ein Foto: Der überwältigende Nachthimmel [1][im
       italienischen Apulien], übersät mit Sternen. Darunter eine der typischen
       Trockenmauern und Grasland mit tiefroten Flecken, vielleicht Mohnblumen.
       Wie wunderschön, schreibe ich. Er ist in unserem Ferienhaus, ich bin in
       Deutschland. Er antwortet: Das Feld brennt. Ich schaue noch mal. Die
       tiefroten Flecken, die ich auf dem schummrigen Foto für Mohn hielt, sind
       Glutnester. Es brennt in unserer Straße. Es ist erst Anfang Juni.
       
       Natürlich sind wir diese Katastrophen im [2][Klimawandelhotspot Mittelmeer]
       gewöhnt. Vor zwei Jahren ist genau an derselben Stelle ein Kilometer
       trockenes Grasland abgebrannt. Auch jahrhundertealte Olivenbäume
       verschwanden in den Flammen, nur ihre Stümpfe blieben übrig. Wir hofften,
       dass ein paar Bäume überleben. Nun, erfahre ich, hat sich das neue Feuer
       viele von ihnen geholt.
       
       Einmal waren Freundinnen aus Deutschland zu Besuch, als auf einem nicht
       weit entfernten Bauernhof der Heuvorrat in Flammen stand. Sie starrten
       stundenlang gebannt auf das Inferno. Wir warfen nur prüfende Blicke. Feuer
       ist Sommeralltag. Und doch steckt eine Eskalation in dieser Alltäglichkeit.
       Nie, sagen lokale Freunde, war es so schlimm wie dieses Jahr.
       
       ## Die Feuerwehr kam nicht, zu viele Feuer anderswo
       
       Eine Woche vor dem Handyfoto, auch ich bin vor Ort, sehen wir bei der
       Gartenarbeit eine Rauchsäule auf dem Nachbargrundstück. Es ist Mai. Wir
       machen nichts, es ist zu früh für Feuer. Wohl nur Grünschnitt, hier
       ziemlich normal. Irgendwann geht mein Freund gucken: Der Nachbar ist nicht
       da – und sein Landstück brennt. Das Feuer droht auf die Bäume
       überzugreifen. Andere Nachbar:innen stehen da und gaffen. Mein Freund
       holt unseren Feuerlöscher, ein Autofahrer drischt mit einem Ast auf die
       Glut. Sie kriegen den Brand gelöscht.
       
       Derselbe Abend: Freund:innen erzählen immer noch unter Schock von einem
       Großbrand in ihrer Straße. Die Feuerwehr kam nicht, zu viele Feuer
       anderswo. Drei Stunden hielten dort Nachbar:innen den Brand mit feuchten
       Säcken in Schach, immer in Angst, er könne auf die naheliegende Tankstelle
       übergreifen. Dann erst rückte die Feuerwehr an.
       
       Wie werden die Dinge hier im August aussehen? Ich weiß es nicht. Ich weiß
       nur: Wir machen uns mittlerweile Gedanken, ob wir das Haus im Sommer
       unbewacht lassen können. Und ich weiß, dass wir den Feuerlöscher besser
       schnell nachkaufen. Wenn staatliche Strukturen wegbrechen, kann und muss
       man in der Nachbarschaft einiges gemeinsam schaffen.
       
       Reisen bildet, so heißt es gern. Manchmal [3][aber funktioniert es eher wie
       eine Zeitreise]. Eine Zeitreise in eine nicht so ferne, auch deutsche
       Zukunft.
       
       21 Jun 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alina Schwermer
       
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