# taz.de -- Eskalation im Irankrieg: Testfall Trump
       
       > Nach direkten Raketenangriffen auf Israel stellt der Iran diese zunächst
       > wieder ein. Ob das so bleibt, hängt nun von US-Präsident Donald Trump ab.
       
 (IMG) Bild: Einschlag im Morgengrauen: Israelische Sicherheitskräfte untersuchen Teile einer abgefangenen iranischen Rakete im Norden Israels
       
       Der Krieg zwischen Israel und Iran ist in die nächste Runde gegangen. Und
       die ist vor allem eines: ein Test für US-Präsident Donald Trump, ob er dem
       israelischen Premier Benjamin Netanjahu Einhalt gebieten kann und will.
       Zumindest auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social hatte Trump dann
       in den frühen Morgenstunden in den USA reagiert. „Israel und Iran müssen
       sofort aufhören zu ‚schießen‘“, schrieb er dort. Irans Revolutionsgarde
       erklärte am Montagnachmittag ihre militärischen Aktionen gegen Israel dann
       tatsächlich für beendet – ob nun als Reaktion auf Trump ist unklar. Man
       hoffe, das zionistische System haben seine Lektion gelernt, hieß es in
       einer Verlautbarung der Iraner.
       
       Bis zu diesem Zeitpunkt war schon viel Porzellan zerschlagen worden. Es
       begann, als Israel am Sonntag erstmals wieder die libanesische Hauptstadt
       Beirut angegriffen hatte, trotz einer Abmachung mit Trump, davon
       abzulassen. Trump erklärte daraufhin, er sei nicht glücklich damit, dass
       Israel Ziele in Beirut angegriffen habe. Er forderte gleichwohl Iran auf,
       an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
       
       Doch die Iraner hatten andere Pläne. Sie machten daraufhin mit ihrer
       Drohung wahr, bei weiteren israelischen Attacken auf Beirut direkt in den
       Krieg einzugreifen, und [1][feuerten von Iran aus eine Reihe von
       ballistischen Raketen auf Israel]: Nach iranischen Angaben handelte es sich
       um militärische Ziele, nach israelischen Aussagen wurden alle Raketen
       abgefangen.
       
       Daraufhin antwortete Israel mit Luftangriffen auf eine petrochemische
       Anlage in Iran – erneut, obwohl Trump Netanjahu aufgefordert hatte, sich
       zurückzuhalten. Darauf folgten eine weitere Serie iranischer Raketen auf
       Israel und ein israelischer Angriff auf Teheran und andere Orte in Iran.
       Laut israelischen Angaben seien strategische Verteidigungssysteme in Iran
       angegriffen worden. Innerhalb weniger Stunden war der Krieg im Libanon, in
       Israel und in Iran wieder eskaliert.
       
       ## Eine neue Gleichung in diesem Krieg
       
       Irans militärisches Vorgehen gegen Israel hat eine neue Qualität. Iran hat
       Israel angegriffen infolge einer israelischen Attacke auf ein anderes Land
       in der Region: Libanon. Normalerweise war es anderes herum: Die
       libanesische Hisbollah hatte Israel angegriffen, nachdem Iran von Israel
       attackiert und der iranische Staatsführer Ajatollah Ali Chamenei getötet
       wurde. Jetzt hatte der israelische Angriff auf Beirut eine iranische
       Antwort ausgelöst. Iran hat eine neue Gleichung in diesen Krieg eingeführt:
       Wenn Israel Beirut angreift, greifen wir Israel an.
       
       Was bezwecken die Iraner damit? Sie unterstreichen zum einen etwas, das sie
       nun seit Wochen immer wieder betonen: Die iranische und libanesische Front
       lassen sich nicht trennen. Nur wenn im Libanon der Krieg beendet wird,
       werden auch in Iran die Waffen schweigen. Ohne ein Ende des Krieges im
       Libanon werden die Iraner kein Abkommen mit Donald Trump unterzeichnen, so
       geht die Argumentation der Mullahs.
       
       ## Iran testet Trump
       
       Doch mit dem neuen Waffengang verfolgen die Iraner noch ein weiteres Ziel.
       Und da geht es nicht darum, die mit ihr verbündete Hisbollah im Libanon in
       Schutz zu nehmen. Sie sehen das Ganze als einen Test für Trump. Wenn der es
       nicht schafft, Netanjahu im Libanon zu stoppen, dann ist für sie auch ein
       Abkommen mit den USA nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben ist.
       
       Denn aus ihrer Sicht ist es Israel, das immer wieder einen Ausgleich
       zwischen den USA und Iran sabotieren wird. Sie wollen Beweise, ob Trump es
       schafft, Netanjahu wirklich zu kontrollieren. Und dabei geht es nicht nur
       um ein paar angeblich wütende Telefonate, die Trump mit Netanjahu geführt
       haben will. Oder um Zeitungsinterviews, wie jenes, [2][das Trump der
       Financial Times gegeben hat] und in dem er fordert, der israelische Premier
       müsse ein künftiges Abkommen der USA mit Iran akzeptieren: „Ich habe das
       Sagen. Ich habe absolut das Sagen. Er hat nicht das Sagen.“
       
       Die Iraner wollen aber, dass jetzt vonseiten Trumps echte Taten folgen und
       er die libanesische Front tatsächlich zum Schweigen bringt. Nur dann,
       signalisieren die Iraner, werden sie ernsthaft ein Abkommen verhandeln, von
       dem Trump nun immer wieder verkündet hat, dass es kurz vor der Vollendung
       steht.
       
       Trump steht zudem zu Hause unter Druck, einen Ausweg aus diesem Krieg zu
       finden, der in den USA unpopulär ist und der seiner republikanischen Partei
       bei den Midterm-Wahlen im Herbst Stimmen kosten wird.
       
       ## Trump könnte Netanjahu zum Einlenken zwingen
       
       Trump steht also vor der Wahl. Er kann beweisen, dass er genügend
       politisches Kapital investieren kann, um Netanjahu im Libanon zu stoppen.
       Die Instrumente dazu hätte er. Er könnte zum Beispiel damit drohen, einen
       Teil der militärischen und geheimdienstlichen Zusammenarbeit mit Israel
       einzuschränken. Es ist durchaus möglich, dass das Netanjahu sehr schnell zu
       einem Einlenken bewegen könnte.
       
       Selbst wenn Trump es geschafft haben sollte, dem jüngsten Waffengang
       zwischen Israel und Iran vorerst wieder einen Deckel aufgesetzt zu haben:
       Die Ruhe dürfte ohne ein Ende des Krieges im Libanon nicht von Dauer sein.
       Stoppt Trump den Krieg im Libanon nicht, dann läuft er Gefahr, dass das
       US-Militär erneute in einen Krieg gegen Iran hineingezwungen wird, ohne
       eine Strategie zu haben, wie es weitergeht.
       
       In diesem Fall hätten die Iraner mehrere Möglichkeiten, die Lage zu
       eskalieren. Sie könnten dafür sorgen, dass auch der Zugang zum Roten Meer,
       bei der Meerenge Bab al-Mandab, für die internationale Schifffahrt zum
       Hochrisikogebiet wird. Die jemenitischen Huthi-Rebellen haben bereits
       angekündigt, dort wieder gegen den Schiffsverkehr in Richtung Israel
       vorgehen zu wollen. Oder die Iraner selbst könnten am Golf jene Ölanlagen
       und Pipelines unter Feuer nehmen, mit der derzeit die Sperrung der Straße
       von Hormus noch umgangen wird.
       
       Die Strategie der Iraner, Libanon und Iran miteinander zu verbinden, birgt
       allerdings auch für sie ein Risiko. Wenn Trump Israel nicht Einhalt
       gebietet, dann ist Netanjahus Rechnung aufgegangen, einen Deal mit Iran
       über den Umweg Libanon zu sabotieren.
       
       Für Trump bewahrheitet sich dieser Tage eine simple Weisheit. Es war
       einfach, in diesen Krieg gegen Iran einzusteigen. Auszusteigen – und das
       gegen Netanjahu – ist ungleich schwerer.
       
       8 Jun 2026
       
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