# taz.de -- Eskalation im Irankrieg: Iran und Israel beschießen sich wieder
> Nach einem Angriff des israelischen Militärs im Libanon folgen mehrere
> Luftschläge. Der „Deal“ von US-Präsident Donald Trump scheint in weiter
> Ferne.
(IMG) Bild: Rauch steigt im April nach einem israelischen Luftangriff in Dahiyeh, einem südlichen Vorort von Beirut, auf; 07.06.2026
Um kurz vor sechs Uhr am Montagmorgen heulen die Sirenen in Tel Aviv.
Raketenalarm in Zentral- und Südisrael sowie dem südlichen Westjordanland.
Kurz darauf die Entwarnung: Eine von der iranisch unterstützten Huthi-Miliz
im Jemen auf Israel abgefeuerte Rakete wurde nach israelischen
Medienberichten abgefangen. Verletzt wurde niemand. Auch um Jerusalem
tönten wenig später die Sirenen, mehrere aus Iran abgefeuerte Raketen
wurden ebenfalls abgefangen. Am späten Sonntagabend hatte Iran bereits
mehrere ballistische Raketen auf Nordisrael abgefeuert, der erste solche
Angriff seit zwei Monaten.
Die Vorgeschichte dieser Eskalation: Am Sonntagnachmittag hatte das
israelische Militär in Dahiyeh angegriffen, also in den südlichen Vororten
der libanesischen Hauptstadt Beirut. Laut der libanesischen
Nachrichtenagentur National News Agency wurden dabei zwei Menschen getötet,
mehrere verletzt. Laut dem israelischen Medium Haaretz galt der Angriff
Wohnungen und Kommandozentralen der Hisbollah.
Der letzte Angriff Israels in Dahiyeh ereignete sich Ende Mai. Auf Bitten
der USA, die derzeit mit Iran um eine Verlängerung der [1][Waffenruhe] und
ein Ende des Konflikts verhandeln, hatte Israel seitdem von Angriffen dort
abgesehen – auch wenn der Beschuss Israels im Südlibanon unvermindert
anhielt. Auch die Angriffe der Hisbollah in Nordisrael gingen weiter.
Nach dem jüngsten Angriff in Dahiyeh hatte Teheran Vergeltungsschläge
angekündigt, Israel gewarnt, „den Himmel zu beobachten“ für eine
„entscheidende, schmerzhafte Antwort“. In der Nacht auf Montag war es dann
so weit. Doch nach dieser ersten Welle von Raketen gen Israel erklärte
US-Präsident Donald Trump, er wolle Premierminister Benjamin Netanjahu
anweisen, nicht zurückzuschlagen. Das könne nämlich die anhaltenden
[2][Verhandlungen mit Iran] gefährden, deren Abschluss „sehr nahe“ sei.
„Jeder von ihnen hatte seinen Spaß. Israel hatte seinen Angriff und Iran
hatte seinen Angriff. Wir brauchen keinen weiteren“, so der US-Präsident
laut Medienberichten.
## Trump warnt Israel
Wo genau der „Spaß“ lag, weiß nur Trump selbst. In Iran wurden Explosionen
in Teheran, Isfahan und Tabriz gemeldet. Getroffen wurden wohl
Raketenabschussstellen sowie eine petrochemische Fabrik. In Saudi-Arabien
ertönte ebenfalls der Raketenalarm – kurz darauf Entwarnung, genauere
Informationen gibt es bislang nicht.
Welche Folgen wird diese Runde der Eskalation für die Verhandlungen haben?
Auf Telegram witzelt ein Nutzer: Israel habe den Iron Dome, Iran den Donald
Dome. Die iranische Führung scheint sich bewusst zu sein, dass sich Druck
seitens der USA derzeit kaum gegen sie selbst richtet – abseits der
anhaltenden und teilweise funktionierenden Blockade von mit Iran
verbundenen Schiffen in der Straße von Hormus.
Stattdessen richtete sich die jüngste Warnung des US-Präsidenten an Israel.
Das hat einen gewissen Symbolcharakter. Aber: Laut dem saudi-arabischen
Medium Al-Hadath hatte Israel wohl Washington bezüglich seiner
Angriffspläne in Südbeirut informiert. Und: Normalerweise hält sich
Netanjahu an die Weisungen aus Washington.
Der US-Präsident will, so die Meinung vieler Analysten, verzweifelt einen
Deal. Einen Grund dafür zeigt die jüngste Eskalation: Die [3][Preise für
Rohöl] stiegen sofort nach den Angriffen um über drei Prozent. Auf dem
bereits geöffneten asiatischen Markt, etwa in Japan und Korea, sanken die
Aktienindizes. Die wirtschaftlichen Folgen des Ende Februar mit Angriffen
von USA und Israel in Iran begonnenen Krieges sind weltweit spürbar.
Wie ein solcher Deal mit Iran allerdings zustande kommen soll, ist weiter
völlig unklar. Zwar ist die ökonomische Situation in Iran dramatisch – doch
für die Hardliner, die derzeit wohl am Ruder sind, ist das kein Grund für
einen Deal mit den USA. Auch wenn dieser die Aufhebung oder Lockerung von
Sanktionen beinhalten würde. Ein Nachgeben Irans bezüglich seines Raketen-
und Atomprogramms sowie bei den unterstützten Milizen etwa im Libanon und
Jemen ist nicht zu bemerken.
Irans Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf hatte vor etwa einer
Woche auf X erklärt: „Wir erzwingen Zugeständnisse nicht durch Dialog,
sondern mit Raketen“, „wir handeln erst, wenn die Gegenseite gehandelt
hat“, und „der Gewinner eines jeden Abkommens ist derjenige, der am Tag
danach besser für den Krieg gerüstet ist“. Mohsen Rezaei, führender
militärischer Berater in Iran, erklärte wiederum jüngst: „Die Verhandlungen
sind in einer Sackgasse“. Trumps Ankündigung vom Sonntag, ein Deal sei „nur
Tage entfernt“, scheint kaum realistisch.
8 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Bruechiger-Waffenstillstand-im-Irankrieg/!6184117
(DIR) [2] /Offensive-in-Libanon/!6183276
(DIR) [3] /Krisengewinne-der-Oelkonzerne/!6184964
## AUTOREN
(DIR) Lisa Schneider
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Donald Trump
(DIR) Israel
(DIR) Hisbollah
(DIR) Libanon-Krieg
(DIR) Benjamin Netanjahu
(DIR) Waffenruhe
(DIR) GNS
(DIR) Lars Klingbeil
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Krisengewinne der Ölkonzerne: Klingbeil tut nichts für eine Abschöpfung der Übergewinne
Bei Ölkonzernen klingeln durch den Irankrieg die Kassen. Der Finanzminister
zeigt keinen Ehrgeiz beim versprochenen Kampf für die Übergewinnsteuer.
(DIR) Brüchiger Waffenstillstand im Irankrieg: Angriffe und Gegenangriffe
Offiziell besteht der Waffenstillstand zwischen den USA und Iran weiter.
Tatsächlich wird gekämpft. Iran sagt weiter, die Gespräche seien
ausgesetzt.
(DIR) Offensive in Libanon: Iran bricht Verhandlungen mit den USA vorläufig ab
Israels Vormarsch in Libanon sabotiert die Verhandlungen zwischen den USA
und Iran – und könnte auch für Israel selbst zum Verhängnis werden.