# taz.de -- Gorki-Werkstätten vor dem Aus: Spielball der Kürzungspolitik
> Nach der Kündigung ihres Mietvertrags fürchten die Werkstätten des
> Maxim-Gorki-Theaters um ihre Existenz. Der Senat zeigt sich unbekümmert.
(IMG) Bild: Die Werkstätten des Gorki-Theaters bauten für das Stück „East Side Story: A German Jewsical“ ein aufwendiges Bühnenbild
Die Werkstätten des Gorki-Theaters kämpfen nach der Kündigung ihres
Mietvertrages weiterhin um ihre Räume. Sie erhoffen sich Unterstützung vom
schwarz-roten Senat, doch im Kulturausschuss am Montag wurde deutlich: Ihre
Zukunft bleibt ungewiss.
Der Bühnenservice Berlin, ein [1][eigenständiger Betrieb der Stiftung Oper
in Berlin], hat zum 31. Dezember den Mietvertrag der Werkstätten gekündigt.
Zuvor waren Verhandlungen über den Mietpreis gescheitert. Seit 2011 hatte
die Miete für die Werkstätten nur 1 Euro pro Monat betragen. Künftig soll
das Theater jedoch 160.000 Euro jährlich an den Bühnenservice Berlin für
die Unterbringung seiner Werkstätten aufbringen.
Trotzdem hält die Kulturverwaltung daran fest, dass eine Einigung noch
möglich ist. „Die Senatsverwaltung geht davon aus, dass sich die
Vertragspartner bis zum Ablauf der Kündigungsfrist am 31. Dezember 2026
über die Fortsetzung des Mietverhältnisses einig werden und die Kündigung
in der Folge gegenstandslos wird“, erklärte ein Sprecher auf taz-Anfrage.
## Werkstätten sollen zusammengelegt werden
Doch die Werkstätten bangen nicht nur um den Mietvertrag, sondern auch um
ihr Überleben. Der Senat prüft zurzeit eine Fusionierung der Werkstätten
der landeseigenen Sprechtheater: Maxim-Gorki-Theater, Volksbühne, Deutsches
Theater, Theater an der Parkaue und Konzerthaus. Grünen-Finanzexperte
Daniel Wesener befürchtet, die Mieterhöhung für die Gorki-Werkstätten
könnte als politisches Druckmittel dienen.
Mit der Eingliederung verfolgt der Senat ein einfaches Ziel: Sparen. Die
Gewerkschaft Verdi warnt jedoch ausdrücklich vor einer möglichen
Fusionierung. „Das hätte gravierende Auswirkungen auf die Beschäftigten. Es
drohen Tarifflucht und Stellenabbau“, erklärte die Gewerkschaft vor rund
einem Jahr.
## Senat: Verantwortung beim Theater
Die [2][neue Gorki-Intendantin Çağla Ilk] muss wie schon ihre Vorgängerin
Shermin Langhoff um die Zukunft der noch hauseigenen Werkstätten kämpfen.
„Die Kündigung der Werkstattflächen des Maxim-Gorki-Theaters ist kein
administrativer Vorgang“, sagt Ilk. „Wer die Werkstätten gefährdet,
gefährdet nicht nur Arbeitsplätze. Er gefährdet die Fähigkeit eines
Theaters, Zukunft zu entwerfen.“
Kulturstaatssekretärin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) sieht die finanzielle
Verantwortung bei dem Theater selbst. „Ich glaube, dass es auch Aufgabe der
Häuser ist, hier eigenverantwortlich mit den Mitteln, die sie aus
Steuergeldern zur Verfügung gestellt bekommen, gut umzugehen“, sagte sie am
Montag im Ausschuss. „Das ist mal einfacher, mal schwerer“.
Harsche Worte in Anbetracht der Kürzungen, die das Gorki bereits einstecken
musste. [3][Etwa 150 Millionen Euro weniger hat die schwarz-rote Koalition
im Doppelhaushalt 2026/27 für Kultur eingeplant].
Auch Grünen-Politiker Wesener sieht das anders: „Es ist der Senat, der den
Bühnenservice angehalten hat, die Miete für die Nutzung seiner Räume am
Wriezener Bahnhof durch die Gorki-Werkstätten zu erhöhen – und es ist der
Senat, der sich bislang weigert, die finanziellen Auswirkungen auf das
Gorki-Theater zu kompensieren.“ Es handle sich nach seinem Ermessen um eine
durch „nichts zu rechtfertigende Ungleichbehandlung“ des Gorki-Theaters.
Die Werkstätten selbst wollen nicht kampflos gehen. Unter dem Hashtag
#GorkiWerkstattBleibt organisieren sie sich bereits seit November 2025. „Es
ist zermürbend, uns seit über einem Jahr auf eigene Initiative gegen die
Angriffe auf die Gorki-Werkstätten zu wehren“, heißt es in einem Statement
der Schlosserin Lea König und des Tischlers Manuel Kühne. Unterstützt
werden sie dabei auch vom Ensemble des Gorki-Theaters. [4][„Wir wollen kein
Futter für Massenproduktion sein!“], wird die Schauspielerin Jasna Fritzi
Bauer auf dem Instagram-Account „Gorki_Werkstatt_Bleibt“ zitiert. Trotzdem
herrsche große Ungewissheit in den Werkstätten: „Wir sind besorgt und
fühlen uns alleingelassen.“
9 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Stiftung-Oper-in-Berlin/!6049334
(DIR) [2] /Neue-Intendanz-am-Gorki/!6183983
(DIR) [3] /Dramatische-Kulturkuerzungen-in-Berlin/!6139739
(DIR) [4] https://www.instagram.com/gorki_werkstatt_bleibt/
## AUTOREN
(DIR) Ann Toma-Toader
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