# taz.de -- Zweitwohnungssteuer in Berlin: Banaszak ist nicht allein
> Der Grünen-Chef hat zu wenig Zweitwohnungsteuer bezahlt. Damit ist er
> vorbildlich, weil er überhaupt zahlt. Denn die Einnahmen des Landes
> Berlin sind minimal.
(IMG) Bild: Hat zu wenig Steuern gezahlt: Grünen-Chef Felix Banaszak
Der Grünen-Chef Felix Banaszak ist vorbildlich. Zwar hat er, wie er am
Mittwoch selber mitgeteilt hat, [1][die Staatsanwaltschaft am Hacken, weil
er zu wenig Zweitwohnungsteuer an das Land Berlin abgeführt hat]. Aber
immerhin zahlt er die Steuer überhaupt. Und damit dürfte er eine große
Ausnahme sein, darauf deuten Zahlen des Amtes für Statistik
Berlin-Brandenburg und der Berliner Finanzverwaltung hin.
Eingeführt hatte die Berliner Landesregierung [2][die Zweitwohnungsteuer
Ende 1997] – sehr zum Ärger der vielen „Bonner“, die damals gerade wegen
des Regierungsumzugs vom Rhein an die Spree in der neuen Hauptstadt einen
zweiten Wohnsitz suchen mussten.
Ziel war aber weniger das Portemonnaie der in Berlin Lebenden, sondern die
Kassen der anderen Bundesländer. Denn je mehr Menschen ihren Erstwohnsitz
nach Berlin verlegen, desto stärker profitiert die Hauptstadt beim
Länderfinanzausgleich.
Neuberliner:innen konnten und sollten durch schlichtes Ummelden der
neuen Steuer entgehen. Heutzutage ist das nicht mehr so leicht, weil sehr
viele Städte nachgezogen haben und ebenfalls für Zweitwohnungen Steuern
verlangen. Nur [3][die Höhe der Abgabe ist unterschiedlich]. [4][Hamburg]
verlangt zum Beispiel 8 Prozent der Nettomiete. In Leipzig sind es 16
Prozent, in München 18.
## 20 Prozent der Nettokaltmiete ans Land Berlin
Wer heute in Berlin eine Zweitwohnung nutzt, [5][muss sogar 20 Prozent der
Nettokaltmiete an das Land zahlen.] Das gilt übrigens nicht nur für
Politiker:innen, sondern selbst für Studierende, die bei Bekannten oder
Verwandten unterschlüpfen, weil sie sonst nichts finden. Und das selbst
dann, wenn sie dort keine Miete zahlen.
Laut dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg waren Ende letzten Jahres
115.802 Menschen in Berlin gemeldet, die andernorts ihre Hauptwohnung
haben. Das sind fast 3 Prozent aller in der Hauptstadt Gemeldeten.
Laut der Berliner Finanzverwaltung nahm das Land [6][im vergangenen Jahr
aber nur 20,5 Millionen Euro an Zweitwohnungssteuer] ein. Das waren gerade
mal 0,03 Prozent der Gesamteinnahmen. Zum Vergleich: Durch die
Übernachtungssteuer, die Tourist:innen zahlen müssen, kassierte das Land
im selben Jahr 150 Millionen Euro.
Pro Zweitgemeldetem fielen also nur rund 175 Euro Zweitwohnungsteuer an –
was einer traumhaften Miete von 73 Euro je Wohnung und Monat entspräche. Da
auch Berliner:innen die Steuer zahlen müssten, die innerhalb der Stadt
eine zweite Wohnung haben, müsste dieser Wert sogar noch niedriger liegen.
## Nur jeder Sechste entrichtet Zweitwohnungssteuer
Tatsächlich haben laut Berliner Finanzverwaltung Ende 2025 nur 19.556
Menschen Zweitwohnungsteuer entrichtet – also gerade mal jeder Sechste. Das
könnte nur gesetzeskonform sein, wenn es fast nur Ausnahmen von der Regel
gäbe. Oder eben wenn die meisten Steuerpflichtigen ihrer Steuerpflicht
nicht nachkommen.
So ist es kein Wunder, dass immer wieder Politiker:innen auffallen,
die es wie viele andere auch verbaselt haben, die Zweitwohnungsteuer
korrekt abzuführen. [7][Schon 2014 war das mal ein Aufreger,] als
Bundestagsabgeordnete quer durch die Fraktionen als Steuersäumer
aufgefallen waren.
In Berlin gibt es zudem noch ein anderes Phänomen, das die Landeskasse
belastet. Aufgrund der extremen Wohnungsknappheit wohnen mittlerweile
mutmaßlich Zehntausende zur [8][Untermiete], ohne dass sie überhaupt
offiziell gemeldet sind – schon damit der Vermieter nichts davon erfährt.
Dieser Graubereich sorgt zwar dafür, dass billige Mietverträge erhalten und
weitergegeben werden. Dem Land entgehen damit aber weitere Einnahmen –
nicht nur bei der Zweitwohnungsteuer, sondern auch beim
Länderfinanzausgleich, weil sie in überhaupt keiner Statistik auftauchen.
4 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Zu-wenig-Zweitwohnsitzsteuer-gezahlt/!6184235
(DIR) [2] /218523-Zweitwohnungen-werden-jetzt-teuer/!1343124/
(DIR) [3] https://www.finanztip.de/zweitwohnsitzsteuer/
(DIR) [4] https://www.landesrecht-hamburg.de/bsha/document/jlr-ZwWoStGHArahmen
(DIR) [5] https://www.berlin.de/sen/finanzen/steuern/informationen-fuer-steuerzahler-/faq-steuern/artikel.9074.php
(DIR) [6] https://www.berlin.de/sen/finanzen/steuern/steuereinnahmen/2025/artikel.1653706.php#headline_1_0
(DIR) [7] /Kommentar-Zweitwohnungssteuer/!5042250
(DIR) [8] /Probleme-mit-der-Untermiete/!6161357
## AUTOREN
(DIR) Gereon Asmuth
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