# taz.de -- 218.523 Zweitwohnungen werden jetzt teuer
> ■ Wer bis Juni keinen Erstwohnsitz anmeldet, muß zahlen: 60 Millionen
> Einnahmen erwartet
Mit leichtem Schrecken haben einige BerlinerInnen in den vergangenen Tagen
betrachtet, was ihnen da aus ihrem Briefkasten entgegenflatterte. Die
Finanzämter machen jetzt Ernst mit dem, was das Abgeordnetenhaus im
vergangenen Jahr beschlossen hat: die Zweitwohnungssteuer. Um die
Bemessungsgrundlage zu erheben, wird denjenigen, die eine Nebenwohnung in
Berlin angemeldet haben, die sogenannte „Zweitwohnungssteuererklärung“
zugestellt.
Mit rund 60 Millionen Mark zusätzlichen Einnahmen rechnet die
Finanzverwaltung aus der neu eingeführten Steuer. Damit diese Millionen
auch in den Topf von Senatorin Annette Fugmann-Heesing (SPD) wandern,
verschicken die bezirklichen Finanzämter derzeit 218.523 Briefe an
Berlinerinnen und Berliner, die hier ihren Zweitwohnsitz haben.
Bis zum 30. Mai noch haben diese Zeit, etwaige Zweitwohnungen in
Erstwohnungen umzumelden. Wer nach dem Stichtag noch die Zweitwohnung
gemeldet hat, muß die „Zweitwohnungserklärung“ abgeben. Der Steuer
unterliegt, wer länger als ein Jahr die Zweitwohnung „zu Zwecken des
persönlichen Lebensbedarfs innehat“. Dies gilt auch für die, die noch
zusätzlich einen Erstwohnsitz in Berlin aufzuweisen haben.
Eine kleine Mehrausgabe muß die Finanzsenatorin für die Einforderung der
Zweitwohnungssteuer allerdings ansetzen: Weil jede(r) BerlinerIn mit
Zweitwohnsitz schließlich persönlich angeschrieben werden muß, enthält das
Anschreiben mehr als die als Höchstgrenze zugelassene Anzahl vom
Standardbrief abweichender Buchstaben. Die Briefe lassen sich deshalb nicht
mehr als Massendrucksache verschicken, wie der Sprecher der
Finanzverwaltung, Dirk Wildt, zugeben mußte. Das bedeutet, daß die
Versendeaktion noch einmal etwa 224.000 Mark kosten wird. babs
26 May 1998
## AUTOREN
(DIR) babs
## ARTIKEL ZUM THEMA