# taz.de -- WDR-Sitzung zum Sender Cosmo: Auf der Suche nach den jungen Migras
       
       > Der Rundfunkrat hat den Umbauplänen des WDR zugestimmt. Die Diskussion
       > zeigt, welches Verständnis der WDR von jungen Menschen mit
       > „internationaler Geschichte“ hat.
       
 (IMG) Bild: WDR stellt Wellen neu auf: Der Radiosender „Cosmo“ wird zu „1Live Street“
       
       25 Stimmen dafür, 20 dagegen, 1 Enthaltung. So stimmte der Rundfunkrat am
       vergangenen Mittwoch über die Umbaupläne für „Cosmo“, den einzigen
       interkulturellen und mehrsprachigen Sender der ARD, ab. [1][„Cosmo“ ist
       damit in seiner jetzigen Form Geschichte.] Doch die 80-Minütige Debatte
       zeigte, wie der WDR auch darüber hinaus den Sender gestalten und wie er mit
       dem zahlreichen Protest der Hörer*innen umgehen möchte.
       
       Mittwochnachmittag, Rundfunkratssitzung in Köln. Die Besucherplätze im
       Stiftersaal im Wallraf-Richartz-Museum sind gut gefüllt. Viele der
       Anwesenden arbeiten bei „Cosmo“. Moderatorin Evren Zahirovic ist im
       weiß-grünen Trikot vom Sender gekommen. Sie will dabei sein, wenn der
       Rundfunkrat über ihre Zukunft entscheidet.
       
       Einmal im Monat tagt das Gremium aus Abgeordneten aus dem Landtag in NRW
       und Gesandten von zivilen Organisationen. Sie sollen die Interessen der
       Bürger*innen abbilden. Ihre Beschlüsse sind für die Intendanz bindend.
       Und heute soll es um „Cosmo“ gehen.
       
       Der Radiosender, ein Gemeinschaftsprojekt des WDR, RBB und Radio Bremen,
       unterliegt seit Jahren Sparzwängen. Hervorgegangen aus den
       Gastarbeiterprogrammen in den 60er-Jahren, sendete „Cosmo“ bis 2017 als
       Funkhaus Europa Musiksendungen und Beiträge in verschiedenen Sprachen. Mit
       der Umbenennung zu „Cosmo“ hat der Sender alle Musiksendungen gestrichen,
       die muttersprachlichen Redaktionen blieben jedoch bislang erhalten.
       
       Xatar erreicht mehr Menschen 
       
       Bis jetzt. Ab April 2027 soll „Cosmo“ unter dem Namen „1Live Street“ Teil
       der Jungen Sparte des WDR werden. Mit einem Fokus auf Hip-Hop und
       Jugendkultur soll er laut WDR „junge Menschen mit internationaler
       Geschichte“ verstärkt ansprechen.
       
       Warum der Wechsel von Weltmusik zu Hip-Hop? Es sei die größte
       internationale Musikkultur und fördere das interkulturelle Zusammenleben,
       erklärt die crossmediale Programmdirektorin Andrea Schafarczyk am Mittwoch.
       Gerade diese Musik sei politisch, sozialkritisch und „spiegle
       Herrschaftssituationen wider“.
       
       WDR-Intendantin Katrin Vernau habe zum Umbau des Senders auch [2][die
       Dokumentation über den verstorbene Rapper Xatar] bestärkt. Die große
       Resonanz habe ihr gezeigt, wie viele Menschen sich für diese Musikrichtung
       interessieren. „Wenn all diese Leute diesen Sender hören, in dem es auch um
       diese Lebenswirklichkeit geht, (…) dann haben wir sicherlich mehr Menschen
       erreicht, als wir es mit ‚Cosmo‘ schaffen.“
       
       Denn genau diese Zielgruppe, junge Menschen bis 30 Jahre mit
       „internationaler Herkunftsgeschichte“, wolle man verstärkt erreichen.
       Bislang höre diese bisher vermehrt den bekannteren Sender „1Live“. Warum
       „Cosmo“ nicht als Marke übernommen werden kann? Man habe in einer
       Onlinebefragung mit 400 Teilnehmer*innen festgestellt, dass „1Live
       Street“ besser ankäme als „Cosmo“, erklärt Programmdirektorin Schafarczyk.
       
       Doch so überzeugt wie die WDR-Leitung scheint der Rundfunkrat nicht zu
       sein.
       
       Wer ist deutsch und wer nicht? 
       
       Einen weiteren Sender für junge Leute, dagegen habe niemand etwas
       auszusagen, findet SPD-Politikerin Gabriele Hammelrath. Doch man habe im
       Programmausschuss, ein Fachgremium des Rundfunkrats, darüber diskutiert,
       wie man auch außerhalb des Senders über Themen des interkulturellen
       Zusammenlebens sprechen werde. Unklar sei, wie es mit den mehrsprachigen
       Angeboten weitergehen werde und was mit dem Genre Weltmusik, ein
       Aushängeschild von „Cosmo“, passieren werde. Und dann der Vorschlag: Sollte
       man den Beschluss nicht besser um einen Monat verschieben?
       
       Grünen-Politiker Frank Jablonski bestärkt den Vorschlag, auch Peter Freitag
       von der Deutschen Journalisten Union könne mit den offenen Fragen heute
       nicht positiv abstimmen. „Uns fehlen in diesem Raum wohl auch andere
       Perspektiven“, klagt Manuel Becker, Geschäftsführer bei Progressiver
       Eltern- u. Erzieher*innen-Verband.
       
       Auch weitere Mitglieder geben an, nicht für den Umbau stimmen zu können.
       Sie hätten hunderte Beschwerdemails aus verschiedenen Communitys erhalten.
       Die Initiative #saveCOSMOradio habe mehr als 90.000 Unterschriften
       gesammelt. Die Kritik sei groß. Man sehe bei den Namen der Absender, doch
       dass es nicht das Zielpublikum sei, entgegnet Programmdirektorin
       Schafarczyk. Und zählt auf: „Günther Schäfer, Andreas Müller, Sandra
       Maier“. Dabei sei der Gedanke, viel, viel mehr Leute zu erreichen als
       diese. Und meint damit die jungen Menschen „mit internationaler
       Herkunftsgeschichte“. Für das ältere Publikum gäbe es ja bereits Sender wie
       WDR 3 und 5.
       
       Es gibt doch Übersetzungen 
       
       Wie passt es dann mit der neuen Strategie zusammen, die muttersprachlichen
       Programme nicht mitzunehmen?
       
       Schafarczyk verweist auf die fehlende Hörer*innen, gerade mal 85 Mal sei
       der kurdische Podcast heruntergeladen worden. Sie findet: Die Leute könnten
       Inhalte aus ihrem Heimatland oder Übersetzungen nutzen. Doch auf Türkisch,
       Arabisch und Farsi will man sich konzentrieren und eine Fachredaktion aus
       „Cosmo“ und „WDRforyou“, eine Redaktion, die sich an Geflüchtete richtet,
       gründen.
       
       Bis zum Ende der Diskussion scheint man uneins zu sein über das weitere
       Verfahren. Sie fände es gut, dass man diskutiere, meldet sich Intendantin
       Katrin Vernau abschließend zu Wort. Doch über die „junge Flotte“ könne man
       ja jetzt auch schon abstimmen. Welche Rolle interkulturelle Vielfalt
       weiterhin im WDR spiele und wie man auch ein älteres Publikum erreichen
       kann, darüber werde man weiterhin im Austausch bleiben.
       
       „Wir müssen noch viel verändern, weil wir sonst nicht relevant sind in der
       Zukunft“, sagt Schafarczyk. „Wir werden nicht jede Detailfrage so
       beantworten können, dass sie zu 100 Prozent das Gefühl haben, wir machen
       das Richtige. Deswegen haben Sie Vertrauen.“ Letztendlich überzeugte es
       genügend Mitglieder, dem WDR zu vertrauen.
       
       Am Ende kam es trotz Kritik zu einer Abstimmung am selben Tag. Mehr als die
       Hälfte der anwesenden 46 Mitglieder des Rundfunkrates [3][stimmten für den
       Umbau von „Cosmo“], ein knapper Sieg für den WDR, der sich in Zukunft an
       seiner jungen Flotte messen lassen muss.
       
       4 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Cosmo-Redakteurin-ueber-Umbau/!6183691
 (DIR) [2] /ARD-Doku-ueber-Rapper-Xatar/!6175548
 (DIR) [3] /Ende-von-Radiosender-Cosmo/!6183237
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anastasia Zejneli
       
       ## TAGS
       
 (DIR) WDR
 (DIR) Radio
 (DIR) Jugendangebot
 (DIR) Migrationshintergrund
 (DIR) Öffentlich-Rechtliche
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Interview
 (DIR) Radio
 (DIR) Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Cosmo-Redakteur*in über Umbau: „Ich fühle mich ehrlich gesagt verarscht“
       
       Der WDR möchte den einzigen interkulturellen Radiosender entkernen. Ein*e
       Redakteur*in erzählt anonym, wie es der Redaktion mit dem Umbau geht.
       
 (DIR) Ende von Radiosender Cosmo: Nicht schön, nicht geil und nicht mehr laut
       
       Mit dem Multikulti-Sender Cosmo ist ab 1. April 27 Schluss. Er wird in der
       1live-Markenfamilie versteckt und heißt 1liveStreet. Keine gute Idee.
       
 (DIR) Mögliches Ende des Radiosenders Cosmo: Bedrohtes Stück Heimat im Gurbet
       
       Unsere Autorin startete als Kinderreporterin bei Cosmo in den Journalismus.
       Dort stehen migrantische, junge, queere Perspektiven im Zentrum.