# taz.de -- Ende von Radiosender Cosmo: Nicht schön, nicht geil und nicht mehr laut
> Mit dem Multikulti-Sender Cosmo ist ab 1. April 27 Schluss. Er wird in
> der 1live-Markenfamilie versteckt und heißt 1liveStreet. Keine gute Idee.
(IMG) Bild: Cosmo soll ab 1. April 2027 in die 1live-Markenfamilie der Anstalt eingemeindet werden und heißt dann 1liveStreet
„Fast 300 Prominente fordern Rettung von Radiosender Cosmo“, titelt [1][der
Spiegel.] Unterschrieben haben unter anderem Fatih Akin, Luisa Neubauer,
Herbert Grönemeyer und andere Kulturschaffende. Der kleine Schönheitsfehler
liegt darin, dass das schon wieder ein Jahr her ist.
Hat’s was genützt? Nee. [2][Im Juni 2025 ging es um die Frage], wie Cosmo
durch die ARD-Reform kommt, bei der zahlreiche Programme eingedampft werden
sollen. Heute ist klar, gar nicht. Der bisher vom WDR, Radio Bremen und dem
klammen RBB gemeinsam betriebene Weltmusik- und Weltkultursender wird nach
aktuellem Stand komplett geschreddert.
Der RBB steigt aus Kostengründen ganz aus, kann sich aber hinter der
Politik verstecken. Die streicht nämlich gemäß [3][Reformstaatsvertrag]
einen Sender in der Hauptstadtregion und befiehlt in schönster Berliner
Senatscurrywurstigkeit, das Multikulti-Gedöns doch bitte irgendwie bei RBB
[4][Radio 3] unterzustellen.
Wenn der WDR-Rundfunkrat das Ganze wie geplant am Mittwoch absegnet, zeigt
er für die ganze ARD, wie ernst sie das mit dem [5][„Für-alle-da-sein“]
wirklich meint. Anfangs spendierte der Sender noch Beruhigungskügelchen und
erklärte, er wolle „Cosmo nicht abschalten, sondern weiterentwickeln“.
## Teil der Normalität
Cosmo soll ab 1. April 2027 in die 1live-Markenfamilie der Anstalt
eingemeindet werden und heißt dann 1liveStreet. Das Ziel sei, „mehr junge
Menschen in NRW zu erreichen als bis bisher“, weshalb sich das Programm der
„weltweit größten und verbindenden Jugendkultur“ verschreibt. Damit meint
der WDR HipHop, was ein ziemlich verengter Blick auf Weltmusik ist.
Weil schon „über 40 Prozent der unter 30-Jährigen eine internationale
Biografie“ haben, ist das auch kein Problem, sagt Noch-Cosmo-Chefin Shiva
Schlei. Denn „kulturelle Vielfalt prägt unseren Alltag in NRW und ist für
unser Publikum Teil der Normalität“. Was die total multikulti aufgestellten
Programme von WDR 2 bis 4 ja schon seit NRW-Urschleimzeiten zeigen. So
funktioniert eben „mediale Teilhabe“ im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Für alle Ü30 und Nicht-so-dolle-HipHop-Möger*innen findet kulturelle
Vielfalt künftig weniger statt. Und mit den muttersprachlichen Programmen
und ihrem (musik-)kulturellem Umfeld ist dann eh überwiegend Sense. „Ein
ESC mit Top-Weltmusik-Niveau im Jahr reicht da nicht aus“, sagt die
Mitbewohnerin.
Immerhin Arabisch, Farsi und „ein weiterentwickeltes digitales Angebot in
türkischer Sprache“ soll es weiterhin geben, kündigt der WDR an. Gute Idee?
Nee! Jedenfalls nicht, wenn der Rest wegfällt.
Die ARD stärkt so zu allem Überfluss und hoffentlich unbeabsichtigt auch
noch den pseudokulturkämpferischen Kurs im Lande. Internationalität und
Multikulti im Programm schwinden. Dafür werden konservative Kreise
neuerdings [6][„Klar“] bedient.
Immerhin die Umbenennung in 1liveStreet ist konsequent. Von cosmopolitisch
bleibt nichts übrig. Und für Cosmo und echtes Multikulti gehen wir mit MMW
zurück auf die Straße, vielleicht nicht schön, aber [7][geil und laut!]
2 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.spiegel.de/kultur/fast-300-prominente-fordern-rettung-von-radiosender-cosmo-a-71f24767-85c5-4c53-a606-6db3987470dc
(DIR) [2] /Radiosender-Cosmo-vor-dem-Aus-Sind-migrantische-und-queere-Perspektiven-der-ARD-egal/!6088759
(DIR) [3] /OeRR-Reformen-Wie-entscheidet-sich-Brandenburg/!6129340
(DIR) [4] /Aus-Radiowelle-rbbKultur-wird-radio3/!5998895
(DIR) [5] /Konservative-Journalisten/!6170788
(DIR) [6] /Koch-und-Ruhs-im-Vergleich/!6182026
(DIR) [7] https://www.dailymotion.com/video/x4kvkel
## AUTOREN
(DIR) Steffen Grimberg
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