# taz.de -- Folgen des Irankriegs: Düngermangel lässt indische Bauern bangen
       
       > Mit dem Monsun beginnt die wichtigste Phase der Agrarsaison. Aber die
       > Preise für Dünger steigen, die Vorräte schwinden. Ist die Ernte zu
       > retten?
       
 (IMG) Bild: Für viele Familien ist Landwirtschaft nicht nur Einkommen, sondern Grundlage ihrer eigenen Ernährung
       
       Auf dem Land wächst die Unruhe. Im Juni beginnt in den meisten Regionen
       Indiens die Regenzeit. Die Wochen davor sind für die Landwirt:innen
       hektisch. Die Felder werden vorbereitet, Saatgut, Arbeitskräfte und
       Düngemittel müssen organisiert werden. Der [1][wichtigste Stickstoffdünger]
       für den Anbau ist Urea. Doch aktuell steigen die Preise und vielerorts ist
       unsicher, ob überhaupt ausreichend Düngemittel verfügbar sein werden.
       
       „Die Regierung hat versprochen, dass es genug Dünger für die Saison geben
       wird“, sagt Amit Buranje, ein 35-jähriger Händler aus dem Distrikt Solapur
       im Westen Maharashtras, der taz. „Aber der Krieg in Westasien hat die
       Produktion beeinträchtigt und die Preise erhöht.“ Viele Landwirt:innen
       versuchten bereits jetzt, Dünger zu kaufen – viel früher als sonst. „Das
       könnte die Preise weiter hochtreiben und in den kommenden Wochen zu
       Engpässen führen“, sorgt er sich.
       
       Hinzu kommen andere Probleme. Buranje berichtet, dass Händler kürzlich
       gestreikt haben. Hintergrund sei der Druck von Herstellern, neben dem
       subventioniertem Urea auch nicht-subventionierte Produkte mit höheren
       Gewinnmargen zu verkaufen. „Die Bauern sind die Leidtragenden“, sagt er.
       Sie müssten Chemikalien kaufen, die sie für ihre Felder oft gar nicht
       brauchen.
       
       Anlass der Probleme ist der Irankrieg, der [2][Flüssiggas auf den
       internationalen Märkten heftig verteuert], das für die Herstellung von Urea
       zentral ist. Indien produziert zwar einen großen Teil des Stoffs selbst,
       ist dafür jedoch stark auf importiertes Gas angewiesen. Zudem werden immer
       noch erhebliche Mengen Dünger importiert – und nicht alle Lieferungen
       kommen derzeit an.
       
       ## Klimawandel verstärkt Unsicherheit
       
       In Karjat, am Rand der Westghats, rund 60 Kilometer von der
       Westküstenmetropole Mumbai entfernt, baut Deva Shelke Reis, Gemüse und
       Früchte an. „Früher konnte man sich auf den Regen verlassen“, sagt der
       31-Jährige. In [3][Zeiten der Erderhitzung] komme er oft plötzlich. Ein
       unerwarteter Schauer habe unreife Mangos von den Bäumen fallen lassen.
       Jetzt ist er mehr denn je auf die Ernte der anderen Produkte angewiesen.
       
       Für Shelke ist der Dünger deshalb eine Art Versicherung vor unbeständigem
       Wetter. In diesem Jahr wusste er lange nicht, ob er überhaupt Urea für die
       aktuelle Reisernte bekommen würde. „Kuhdung reicht nicht“, sagt er.
       Mehrfach fuhr er zum Markt. Mittlerweile hat er den Dünger erhalten. Ein
       50-Kilo-Sack kostete ihn aber fast 1.000 Rupien, umgerechnet etwa zehn
       Euro. Damit hat er wesentlich mehr gezahlt als regulär. Aber er habe keine
       Wahl gehabt, sagt er.
       
       Der indische Premierminister [4][Narendra Modi] hat den Agrarsektor im Zuge
       von Sparmaßnahmen aufgerufen, weniger Dünger zu verwenden. Doch der
       Spielraum hat sich für die Landwirt:innen in Grenzen. „Selbst wenn die
       Kosten steigen, muss ich verhindern, dass meine Ernte ausfällt“, sagt
       Shelke. Denn das Geld für Saatgut, Bewässerung und Arbeitskraft hat er
       schon ausgegeben. Ohne genügend Stickstoff wachse am Ende „kein Korn“.
       
       ## Kein regionales Phänomen
       
       Auch Hunderte Kilometer weiter östlich, im Bundesstaat Bihar, ist man
       besorgt. Lakshmi, deren Familie dort Landwirtschaft betreibt, telefoniert
       regelmäßig mit ihrem Bruder in Mumbai. Immer geht es um die Frage: Wird
       genügend Dünger verfügbar sein? „Früher bekam man den Dünger direkt im
       Dorf“, sagt Lakshmi. Heute müssten sich Bauern registrieren lassen, um Urea
       zu kaufen. Doch das garantiere noch keinen Zugang. Die Weizenernte haben
       sie gerade erst eingefahren, damit kam Geld in die Kasse. Doch Lakshmi
       weiß, dass diese Phase der Entspannung bald vorbei sein könnte. „Jetzt ist
       alles in Ordnung“, sagt sie. „Aber in ein oder zwei Monaten beginnt der
       Anbau. Dann brauchen alle wieder Geld.“
       
       Für die Familie ist Landwirtschaft nicht nur Einkommen, sondern Grundlage
       ihrer eigenen Ernährung. Nun hoffen sie, dass sich die Versorgung
       stabilisiert. Im Moment bleibt nur Warten.
       
       26 May 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Natalie Mayroth
       
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