# taz.de -- Extrem geringe Dichte: Super fluffige Planeten entdeckt
       
       > Astronomen staunen: Zwei Riesenplaneten haben eine geringere Dichte als
       > Zuckerwatte. Forscher haben dafür verschiedene mögliche Erklärungen.
       
 (IMG) Bild: So dicht wie diese Zuckerwatte in Budapest sind die zwei neu entdeckten Planeten
       
       dpa | Ihre mittlere Dichte ist geringer als die von Zuckerwatte: Die zwei
       Planeten des 1.100 Lichtjahre entfernten Sterns TOI-791 sind so groß wie
       [1][Jupiter], besitzen aber nur etwa ein Dreißigstel seiner Masse. Das
       berichtet ein internationales Forschungsteam im Fachblatt Monthly Notices
       of the Royal Astronomical Society. Die Wissenschaftler hoffen nun, mit
       genaueren Beobachtungen etwas über die Entstehung und Entwicklung dieser
       rätselhaften Objekte zu erfahren.
       
       „Bislang kennen wir nur eine Handvoll von solchen super fluffigen
       Planeten“, erläutert Erstautorin Georgina Dransfield von der englischen
       Universität Oxford. „Gleich zwei solcher Planeten in einem System zu
       finden, ist eine noch größere Seltenheit. Ihre extrem geringe Dichte macht
       sie zu faszinierenden Prüfsteinen für unser Verständnis der Entstehung und
       Entwicklung von Planetensystemen.“
       
       Hobbyforscher hatten 2019 und 2023 die beiden Planeten von TOI-791 in den
       Archivdaten des [2][Weltraumteleskops Tess] (Transiting Exoplanet Survey
       Satellite) aufgespürt. Dieses überwacht seit 2018 die Helligkeit von
       Millionen von Sternen, um nach Planeten zu suchen. Zieht ein Planet auf
       seiner Umlaufbahn von der Erde aus gesehen vor seinem Stern vorüber, so
       schwächt er dessen Helligkeit bei diesen Transits regelmäßig geringfügig ab
       und verrät auf diese Weise seine Existenz.
       
       ## Mittlere Dichte von etwa 0,04 Gramm pro Kubikzentimeter
       
       Aus der Stärke der Abschwächung des Sternenlichts können Forscher auf die
       Größe der Planeten schließen: Die beiden Begleiter von TOI-791 sind etwa so
       groß wie Jupiter. Über mehrere Jahre hinweg verfolgten Dransfield und ihre
       Kollegen nach der Entdeckung die Transits der Planeten und stießen dabei
       auf leichte Unregelmäßigkeiten. Mit ihrer Anziehungskraft stören sich die
       Planeten gegenseitig, und aus diesen Störungen konnten die Forscher
       berechnen, welche Masse die Planeten enthalten.
       
       Das Ergebnis war eine Überraschung: Beide sind viel leichter als Jupiter.
       Daraus ergibt sich eine mittlere Dichte von etwa 0,04 Gramm pro
       Kubikzentimeter – das ist sogar noch etwas geringer als der typische Wert
       von 0,05 für Zuckerwatte. Zum Vergleich: Die mittlere Dichte der Erde liegt
       bei 5,5, die von Jupiter bei 1,3 Gramm pro Kubikzentimetern. Wie lässt sich
       ein so geringer Wert erklären?
       
       ## Verschiedene Erklärungsansätze für das Phänomen
       
       Dransfield und ihre Kollegen gehen nicht davon aus, dass die Planeten
       tatsächlich eine fluffige Konsistenz wie Zuckerwatte besitzen – ein
       Himmelskörper aus derartigem Material würde unter dem Einfluss der
       Schwerkraft schnell zerfallen. Vielmehr vermuten die Forscher, dass die
       enorme Größe der Planeten – und damit ihre geringe Dichte – nur durch eine
       ausgedehnte Hülle aus Gas oder Staub vorgetäuscht wird.
       
       So könnten die Planeten einen relativ kleinen Kern aus Gestein und Metallen
       und entsprechend hoher Dichte besitzen, der jedoch in eine gewaltige
       Atmosphäre aus Wasserstoff und Helium eingehüllt ist, die bei den Transits
       das Sternlicht schluckt. Solche Planeten können sich, wie
       Computersimulationen zeigen, in kühlen, staubarmen Regionen um einen jungen
       Stern bilden. Eine alternative Erklärung wären gewaltige Staubwolken, die
       beispielsweise nach Asteroiden-Einschlägen einen Planeten einhüllen könnten
       und ihn so scheinbar größer machen.
       
       Mit dem Weltraumteleskop James Webb will das Team nun die beiden Planeten
       genauer unter die Lupe nehmen. Mit seinem hohen Auflösungsvermögen sollte
       das Teleskop in der Lage sein, einen Blick in die Atmosphären der Planeten
       zu werfen und so das Rätsel ihrer geringen Dichte zu lösen.
       
       27 Jun 2026
       
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