# taz.de -- Erwachsener Lego-Fan über sein Hobby: „Es herrscht der Konsens, Gewaltverherrlichung zu vermeiden“
       
       > Michael Schmundt und seine Vereinskollegen bauen aufwendige Modelle aus
       > Lego. Das ist mal Ausgleich zur Arbeit, mal Traumabewältigung, sagt er.
       
 (IMG) Bild: Gewalt darf im Lego-Universum nur fiktiv sein, wie in dieser Szene zwischen zwei Star-Wars-Charakteren
       
       taz: Herr Schmundt, Sie richten mit Ihrem Verein das „Steinefestival“ in
       Kiel aus. Sie werden für Ihre Modelle nicht bezahlt, sondern geben sogar
       Geld für die Steine aus. Warum machen Sie das?
       
       Michael Schmundt: Wir sind ausschließlich Privatpersonen. Niemand bei uns
       verdient damit etwas. Wir machen das als Hobby und die meisten von uns als
       Ausgleich zu ihrem Beruf. Wir bauen selbst entworfene Modelle, die MOCs
       genannt werden, was für „My Own Creation“ steht. Beim Bauen können wir so
       unserer Kreativität Ausdruck verleihen. So wie andere zeichnen, malen oder
       töpfern, [1][erschaffen wir unsere Welten aus Lego-Steinen] und lassen
       unseren Fantasien dabei freien Lauf. Jeder kann dabei seinen Bereich im
       Lego-Universum so ausfüllen, wie er das möchte. Ich persönlich habe mich
       auf die kleinen Städte mit Häusern, Straßen, Autos und den bekannten
       Minifiguren spezialisiert.
       
       taz: Die Lego-Urerfahrung ist ja auch für die meisten Menschen das
       Häuslebauen im Kinderzimmer. 
       
       Schmundt: Genau, so hat es in den 1950er Jahren ja auch angefangen. Und
       dann hat es sich immer weiterentwickelt. Der ursprüngliche Maßstab war
       damals 1:87, aber dann wurde alles etwas größer. Seit 1978 gibt es zum
       Beispiel die Minifigur.
       
       taz: Welche Dimensionen haben die von Ihnen gebastelten Werke? 
       
       Schmundt: Für die Ausstellung in Kiel haben wir, in Anlehnung an die Kieler
       Woche, die ja bald beginnt, ein kleines Segelschiff aus nur neun Teilen
       kreiert. Aber wir präsentieren dort auch zum Beispiel eine Modellstadt auf
       einer Grundfläche von 43 Quadratmetern mit Häusern von über zwei Metern
       Höhe, einer fahrenden Eisenbahn und vielen interessanten Details. Es gibt
       aber auch MOCs mit über einer Million Bausteinen.
       
       taz: Kommt man denn, wenn man dies zu Ende denkt, nicht schließlich zu dem
       Maßstab 1:1? 
       
       Schmundt: Das stimmt! In Großbritannien hat ein Fan ein Haus in
       Originalgröße [2][aus Lego-Steinen] gebaut.
       
       taz: War das bewohnbar?
       
       Schmundt: Ja, aber sehr unbequem, denn auch die Stühle und Matratzen waren
       aus Lego-Steinen. Im letzten Jahr gab es eine Ausstellung von uns in
       Lübeck, dort gab es einen nachgebauten Audi in Originalgröße. Das war eine
       Auftragsarbeit einer Firma, die das professionell macht. So etwas ist eine
       kostspielige Sache. Da kostet dann das Auto aus Lego schon mal genau so
       viel wie das Original.
       
       taz: Sie gehören ja zu einer weltweiten Bewegung von Bastlern mit
       sogenannten Klemmbausteinen. 
       
       Schmundt: Ja, solche Vereine, die „LEGO User Groups“ genannt werden, gibt
       es weltweit. Im September findet jedes Jahr ein großes Fantreffen in
       Dänemark, dem Mutterland des [3][Lego-Universums] statt. Und da kommen dann
       Lego-Fans aus der ganzen Welt – aus Europa, Südamerika, Japan, Kanada usw.
       
       taz: Können Sie bauen, was Sie wollen, oder hat Lego da ein Auge drauf? 
       
       Schmundt: Es gibt zwar keine Zensur, aber bei Lego herrscht der Konsens,
       kindertauglich zu sein und Gewaltverherrlichung sowie Kriegsspielzeuge zu
       vermeiden.
       
       taz: Aber „Star Wars“ ist doch ein sehr lukratives Lizenzthema von Lego,
       und da dreht sich alles um den „Krieg der Sterne“. 
       
       Schmundt: Ja, im Star-Wars-Universum von Lego gibt es natürlich die
       Laserschwerter, Waffen und sogar Panzer. Aber das ist ja Fiktion. Und auch
       bei uns kann ein Polizist in einer Lego-Stadt eine Pistole und Handschellen
       haben. Aber ansonsten sind die Modelle auf unseren Ausstellungen eher
       gewaltlos.
       
       taz: Gibt es Grenzfälle? 
       
       Schmundt: Bei uns gab es zum Beispiel bei einer Ausstellung in
       Kaltenkirchen ein MOC zum G20-Gipfel in Hamburg – mit Wasserwerfern,
       Polizisten und Demonstranten. Aber das war eine Darstellung der Realität
       und keine Verherrlichung von Gewalt.
       
       taz: Wer hat das denn gebaut? 
       
       Schmundt: Dies war ein Jugendlicher aus unserem Verein, der in Hamburg
       lebte und so verarbeiten konnte, was er da erleben musste.
       
       14 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Lego-fuer-Erwachsene/!6083278
 (DIR) [2] /Schadstoffbelastung-in-Legosteinen/!5483701
 (DIR) [3] /Biopic-Piece-by-Piece/!6060198
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wilfried Hippen
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kiel
 (DIR) Lego
 (DIR) Mikroplastik
 (DIR) Festival
 (DIR) wochentaz
 (DIR) Alltag
 (DIR) Kolumne Stadtgespräch
 (DIR) Nachtzugkritik
 (DIR) Lesestück Recherche und Reportage
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Miniatur Wunderland in Hamburg: Leben auf Knopfdruck
       
       Das Miniatur Wunderland wird 25, die Ausstellung in der Speicherstadt ist
       meistens rappelvoll. Was fasziniert die Menschen bloß so sehr am Modellbau?
       
 (DIR) Mütter kennen diesen Trick: Ein gutes Leben
       
       Was tun, wenn die kleine Schwester kein Spielzeug hat, fragte sich der
       kleine Bruder in der Straßenbahn. Ein süßer Lösungsvorschlag.
       
 (DIR) Städte-Ranking: Super leben in Kopenhagen
       
       Die dänische Hauptstadt wurde zur lebenswertesten Hauptstadt der Welt
       gekürt. Und die Kopenhagener? Sind so zufrieden, dass es fast langweilig
       ist.
       
 (DIR) Nachtzug von Innsbruck nach Hamburg: Der Lego-Bauer im Menschen
       
       Ein Schlafwagen zwischen Innsbruck und Hamburg mit „viel Komfort“ bedeutet:
       Der Abteil-Architekt beherrscht die Kunst des Platzsparens gut.
       
 (DIR) Menschliches Gehirn in der Klimakrise: Die Fantasie spielt Lego
       
       Der Homo sapiens stolpert mit seinem Steinzeithirn durch die Klimakrise.
       Warum handeln wir nicht weitsichtiger? Eine Spurensuche im Gehirn.