# taz.de -- Wahlkampf in Sachsen-Anhalt: Die Sturheit der CDU gefährdet die Demokratie
> Die CDU sagt unverdrossen: Linke und AfD sind gleich schlimm. Dieses
> Beharren auf alter Folklore könnte sich im Herbst bitter rächen.
(IMG) Bild: Eine vermeintlich überparteiliche Technokratenregierung machte sie erst groß – das sollte der CDU bei der AfD zu denken geben
In Sachsen-Anhalt steht im September die Demokratie auf dem Spiel. Sollte
die AfD die weitaus stärkste Fraktion werden – auch seriöse
Umfrageinstitute sehen sie derzeit bei um die 40 Prozent –und sollten FDP
und Grüne nicht in den Landtag kommen, dürfte es schwer werden für die
demokratischen Parteien, eine Regierung zu bilden.
Die sachsen-anhaltische SPD, die sich in den Umfragen bedenklich nahe an
der Fünfprozenthürde bewegt, scheint den Schuss nicht gehört zu haben und
geht [1][mit dem sagenhaft biederen Slogan „Erfahrung statt Experimente“
ins Rennen] – das klingt mehr nach Konrad Adenauer als nach
Sozialdemokratie. Befremdlich ist, dass damit eine starke AfD als
„Experiment“ verniedlicht wird. Befremdlich ist auch das Mantra des
CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze, das er am Wochenende wiederholte: Mit
ihm werde es keine AfD-Minister – wichtig und gut, dass er das noch einmal
sagte –, aber eben auch keine MinisterInnen der Linkspartei geben.
Schon klar, es gilt der Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU mit der Linken.
Doch das sture Festhalten an der antikommunistischen Hufeisentheorie –
links- und rechtsaußen seien gleich schlimm – macht die Lage mit Blick auf
die AfD noch gefährlicher. Schulze könnte ja alternativ den
Unvereinbarkeitsbeschluss infrage stellen, was zu [2][seiner eigentlichen
Haltung der maximalen Abgrenzung von „Berlin“ gut passen] würde.
So aber verengt die CDU ohne Not Spielräume, die nach der Wahl dringend
nötig sein werden. Natürlich spricht Schulze bewusst von „Ministern“ und
meint damit eine Regierungsbeteiligung der Linkspartei. Eine Kooperation
nach dem Modell Thüringens und besonders Sachsens schließt er nicht aus:
Dort existiert ein „Konsultationsverfahren“, mit dem sich die
CDU-SPD-Minderheitsregierung von Fall zu Fall Mehrheiten sucht – auch mit
der Linkspartei.
## Warnendes Beispiel Italien
Doch liegen die Nachteile einer solchen Minderheitsregierung auf der Hand,
[3][wie auch eine kürzliche Analyse des „Verfassungsblogs“ zeigt]: Das Ziel
in Sachsen, „sachorientiert“ zusammenzuarbeiten, entpolitisiert die
parlamentarische Arbeit, fördert ein technokratisches Verständnis von
Politik – und baut einen bedenklichen Scheingegensatz zwischen „guter“
Sachpolitik und einer irgendwie schmutzigen Parteipolitik.
In Italien ist die Technokratenregierung Mario Draghis einst krachend
gescheitert – danach wurde Giorgia Meloni erst richtig stark. Die CDU
sollte ihren Unvereinbarkeitsbeschluss, der nur noch reine Folklore ist,
dringend beerdigen. Eine Koalition der Demokraten ist handlungsfähiger und
klarer als komplizierte Minderheitskonstruktionen.
14 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.stern.de/gesellschaft/regional/sachsen-anhalt/sachsen-anhalt---erfahrung-statt-experimente----spd-stellt-wahlkampagne-vor-37539166.html
(DIR) [2] /Landtagswahl-in-Sachsen-Anhalt/!6186914
(DIR) [3] https://verfassungsblog.de/mehrheiten-trotz-minderheitsregierung/
## AUTOREN
(DIR) Gunnar Hinck
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