# taz.de -- Porträt von FDP-Vorsitzendem Kubicki: Weinfreund und „Quartalsirrer aus dem Norden“
       
       > Ein Altbekannter für den Neuanfang: Wolfgang Kubickis Karriere zwischen
       > Parlament, Anwaltskanzlei und Firmen.
       
 (IMG) Bild: Mallorca muss erst mal warten: Kubicki nimmt bei Parteitag in Berlin nach seiner Wahl Applaus entgegen
       
       „Ich bin sicher, das Fenster für eine starke und mutige freiheitliche Kraft
       ist offen“, sagte Wolfgang Kubicki. Gerade hatte die FDP den 74-Jährigen
       zum Vorsitzenden gewählt. 59,27 Prozent der Delegierten des
       Bundesparteitags stimmten für den Mann, [1][der sich schon immer für
       smarter gehalten hat als alle anderen.]
       
       Er nennt sich selbst den [2][„Quartalsirren aus dem Norden“]. Den Status
       hat er sich hart erarbeitet: Im Kieler Landtag, dem der gebürtige
       Braunschweiger von 1992 bis 2017 angehörte, war er als Laut- und
       Schnellsprecher bekannt. Im Bundestag, in den er viermal gewählt wurde, war
       er zuletzt Parlamentsvizepräsident und stritt sich gern mit der AfD, die er
       als [3][„intellektuell erbärmlich“] abkanzelte.
       
       [4][Dennoch ist es gar nicht so erstaunlich, dass Kubicki eine Brandmauer
       ablehnt]: Bereits 2016 argumentierte er im Landtag gegen den Antrag
       [5][„Rechtem Populismus entgegentreten“]: Ja, die Positionen der AfD seien
       „schwer zu ertragen“, sagte er damals. Doch sie auszugrenzen, würde die
       Partei nur zu Märtyrern machen und ihnen Wähler zutreiben.
       
       Der Weinfreund Kubicki sorgt mit zugespitzten Sätzen für Aufmerksamkeit,
       für sich, aber auch für die FDP, die im Norden häufig Ergebnisse über dem
       Bundesschnitt erzielte – auch wegen des Kubicki-Faktors. So zumindest
       Kubickis Lesart, die nicht alle in der Partei teilten.
       
       ## Sexismus in der Politik?
       
       Besonders jüngere und weibliche Mitglieder der FDP verdrehten manches Mal
       die Augen angesichts der Gockelei des Alten. So etwa in einer Debatte über
       Sexismus in der Politik, in der Kubicki es nicht für schlimm hielt, wenn
       ein Politiker nachts uneingeladen an die Tür einer Journalistin klopfen
       würde: [6][„Unangemessen, aber kein Skandal.“]
       
       Obwohl Wolfgang Kubicki die Partei nach außen verkörperte, die Ämter und
       die damit verbundene Arbeit lagen oft bei anderen, etwa als die Landes-FDP
       2017 eine Jamaika-Koalition schloss. Ministerposten lehnte Kubicki mehrfach
       ab – auch, um weiter als Anwalt arbeiten zu können.
       
       Zwar ätzte sein langjähriger Landtags-Gegner Ralf Stegner (SPD) einmal, der
       „juristische Sachverstand in der Familie Kubicki liegt nicht bei Wolfgang“,
       sondern bei dessen Ehefrau, der Strafrechtlerin Annette Marberth-Kubicki.
       Dennoch vertrat der Jurist neben seiner Vollzeittätigkeit im Parlament
       zahlreiche Mandanten und verhinderte jahrelang, dass Landtagsabgeordnete
       ihre Einkünfte offenlegen müssen.
       
       Zu seinen größten Fällen gehört die Verteidigung des Cum-Ex-Steuerbetrügers
       Hanno Berger – absurderweise leitete Kubicki 2018 im Bundestag eine Sitzung
       zum Thema: [7][„Eine bessere Bühne für Kundenakquise gibt es nicht“,
       kommentiert die Rechercheplattform correctiv.] Aber der Anwalt musste auch
       selbst vor Gericht: [8][Die Regierung von Mecklenburg-Vorpommern verklagte
       1992 ihren früheren juristischen Berater wegen „miserabel verhandelter
       Verträge“, es ging um die Privatisierung einer Mülldeponie.]
       
       Damals spielte auch eine Firma eine Rolle, an der Kubicki beteiligt war,
       und damit die Vermischung juristischer, wirtschaftlicher und politischer
       Interessen. [9][Einen ähnlichen Vorwurf erhebt aktuell „Abgeordnetenwatch“:
       Kubicki sei Geschäftsführer der „Deutschen Pfandlotterie“, einem
       Glücksspiel-Modell mit Pfandzetteln, hinter dem norwegische Investoren
       stehen.] Schleswig-Holstein hatte als erstes Bundesland solche Lizenzen
       zugelassen und den deutschen Glücksspielmarkt geöffnet – auf Betreiben von
       CDU und FDP. Kubicki selbst sagte, das Unternehmen sei gemeinnützig, er
       selbst beziehe dort kein Gehalt.
       
       Auch wenn er jetzt gewählt wurde, sieht der Liberale sich nur als Übergang:
       2029 werde er eher auf Mallorca sein, statt die FDP in den
       Bundestagswahlkampf zu führen.
       
       31 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schleswig-Holsteins-FDP/!5155474
 (DIR) [2] https://www.fdp.de/pressemitteilung/kubicki-interview-ich-war-der-quartalsirre-aus-dem-norden
 (DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=6Us4AdI2szg
 (DIR) [4] /Kampf-um-die-FDP-Spitze/!6173607
 (DIR) [5] https://www.landtag.ltsh.de/export/sites/ltsh/infothek/wahl18/plenum/plenprot/2016/18-112_02-16.pdf
 (DIR) [6] /Sexismus-Debatte-um-Bruederle/!5074493
 (DIR) [7] https://correctiv.org/aktuelles/cumex-files/2018/11/08/scholz-kubicki-merz-die-rolle-der-spitzenpolitiker-bei-cum-ex/
 (DIR) [8] /Der-schoene-Berg-der-Muell-Millionen/!1450843/
 (DIR) [9] https://www.abgeordnetenwatch.de/recherchen/lobbyismus/wolfgang-kubicki-bringt-das-gluecksspiel-in-den-supermarkt
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geißlinger
       
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