# taz.de -- Wahl von Wolfgang Kubicki zum FDP-Chef: Chance und Risiko
       
       > Klar, Wolfgang Kubicki ist ein peinlicher Macho der uralten Schule. Aber
       > er könnte manche potenzielle AfD-Wähler zur FDP hinüberziehen.
       
 (IMG) Bild: Frisches Nachwuchstalent auf dem FDP-Parteitag in Berlin
       
       Ein alter weißer Mann gewinnt gegen eine kaum jüngere weiße Frau: Wie sich
       die FDP gerade präsentiert, wirkt nicht gerade modern, divers und
       zukunftsträchtig. Ganz im Gegenteil: Der neue Parteichef Wolfgang Kubicki
       [1][erinnert an den peinlichen Onkel, der bei Familienfeiern] immer durch
       ordinäre Sprüche und sexistische Herrenwitze auffällt. Hat die FDP noch
       alle Tassen im Schrank, wenn sie so einem Typen die Führung der einst
       ehrwürdigen Liberalen anvertraut? Also einem Macho der uralten Schule, der
       den Kanzler „Eierarsch“ nennt und der seiner unterlegenen Gegenkandidatin
       via Bild zuruft: „Jetzt weißt du, wo der Hammer hängt.“
       
       Wer sich nach den guten sozialliberalen Geistern der FDP wie Gerhart Baum
       und Hildegard Hamm-Brücher zurücksehnt, kann von einem Populisten nur
       entsetzt sein, der Corona verharmlost hat und jetzt die Bedeutung der
       Brandmauer zur AfD herunterspielt. Das geht auch vielen in der Partei
       selbst so. Deshalb hat Kubickis Intimfeindin Marie-Agnes Strack-Zimmermann
       bei der Kampfabstimmung über den Parteivorsitz fast 40 Prozent bekommen,
       obwohl sie erst kurz vor der Wahl überraschend angetreten war. Trotzdem ist
       es nicht komplett irrational, dass sich die Mehrheit für Kubicki
       entschieden hat.
       
       [2][Aufmerksamkeit ist kein Selbstzweck], aber die zwingende erste
       Voraussetzung, um als winzige Oppositionspartei, die im Bundestag keine
       Bühne mehr hat, überhaupt gehört zu werden. Den dafür nötigen
       Bekanntheitsgrad kann nur Kubicki garantieren – gerade weil er so oft
       poltert und provoziert. Strack-Zimmermann ist zwar auch rhetorisch
       versiert, spricht aber vor allem ein eher akademisches, bürgerliches,
       sozialliberales Publikum an, das auf Anstand Wert legt, aber nicht allzu
       groß ist. Dass sie sich für Bürgerrechte einsetzt und mehr Waffen für die
       Ukraine fordert, mag auch Grünen-WählerInnen gefallen. Ob diese deshalb FDP
       wählen würden, lässt sich bezweifeln.
       
       Anderer Geschmack 
       
       Die Erfolgsaussichten der FDP sollte man nicht mit den Kriterien und dem
       Geschmack der progressiven, urbanen Bubble messen. Die Zielgruppe der
       Neoliberalen und Konservativen, die von der Merz-CDU enttäuscht sind, ist
       deutlich größer. Kubicki könnte dort durchaus genug Stimmen holen, um die
       FDP wieder über 5 Prozent zu hieven, und vielleicht auch manche vom
       AfD-Wählen abhalten – wenn es gut läuft.
       
       Wenn es schlecht läuft, befeuert Kubicki nur den allgemeinen Rechtsruck und
       verhilft der AfD irgendwann zur Macht. Deshalb war es wichtig, dass
       Strack-Zimmermann antrat und einen lockeren Kubicki-Durchmarsch verhindert
       hat. Damit müsste deutlich geworden sein, wo für einen beträchtlichen Teil
       der FDP die Grenzen liegen. Hoffentlich.
       
       31 May 2026
       
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 (DIR) [1] /Mit-dem-Ego-Liberalismus-des-Wolfgang-Kubicki-ist-die-FDP-ganz-bei-sich/!6177868/
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 (DIR) Lukas Wallraff
       
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