# taz.de -- Proteste in Georgien: Entschlossenheit ist nicht genug
       
       > 40.000 Menschen haben in Tbilissi gegen Georgiens Regierung demonstriert.
       > Die Frage ist, ob es der Opposition gelingt, an einem Strang zu ziehen.
       
 (IMG) Bild: Am 26. Mai gingen in Tbilissi rund 40.000 Menschen gegen die Regierung auf die Straße
       
       Apathie, Frustration oder ein resignierter Rückzug ins Private? Von wegen.
       [1][Die Protestbewegung in Georgien ist quicklebendig]. Rund 40.000
       Menschen bringt die Opposition am diesjährigen Unabhängigkeitstag, dem 26.
       Mai, in der Hauptstadt Tbilissi auf die Straße. So unterschiedlich die
       Demonstrierenden auch sein mögen – alle haben eins gemein: die Zukunft der
       Südkaukasusrepublik, die in der Region einst zu Recht als Vorreiterin in
       Sachen demokratische Transformation galt, ist ihnen nicht gleichgültig. Und
       sie haben die Nase voll von dem Georgischen Traum, der seit nunmehr 14
       Jahren die Geschicke Georgiens bestimmt.
       
       Die Regierungspartei hat die Verletzung von Grund- und Menschenrechten
       sowie die Absage an Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zum Programm erhoben
       und ist auf dem besten Weg, das Land zu [2][einer schlechten Kopie von
       Ländern wie Russland und Belarus zu machen]. Doch es gibt sie – die
       Aufrechten und Widerständigen, die für eine Zukunft in Freiheit und Würde
       eintreten – auch um den Preis von Misshandlung, Erniedrigung und
       jahrelangen Gefängnisstrafen.
       
       Die Regierung reagiert wie immer: mit Häme, Beleidigungen und Zynismus.
       Diejenigen, die am Dienstag dieser Woche vor dem Parlament Flagge gezeigt
       haben, sind angeblich von außen gesteuert. Oder anders ausgedrückt: Sie
       können nicht eigenständig denken und machen sich zu willenlosen
       Erfüllungsgehilf*innen dubioser Mächte, die Georgien Böses wollen.
       Primitiver geht es nicht.
       
       Doch die Entschlossenheit vieler Menschen in Georgien ist das eine. Das
       andere ist, ob es der Opposition gelingt, etwas Positives daraus zu machen.
       Und da müssen sich die Antiregierungsparteien unbequeme Fragen stellen
       lassen. Eine davon lautet: Sind ihre führenden Köpfe diesmal dazu fähig, an
       einem Strang zu ziehen oder behalten am Ende doch wieder persönliche
       Ambitionen und Machtversessenheit die Oberhand? Die Antwort steht noch aus.
       Doch unabhängig davon sollte klar sein: Die Europäische Union muss die
       Menschen, [3][die der Regierung die Stirn bieten, weiter unterstützen]. Das
       haben sie verdient, genauso wie ein besseres Georgien.
       
       28 May 2026
       
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