# taz.de -- Folgen der Klimakrise: Ab 30 Grad kippt die Wirtschaft
> Durch Hitzewellen drohen der Wirtschaft bis 2030 Kosten von 131
> Milliarden US-Dollar. Denn mit der Temperatur steigen die Energiekosten.
(IMG) Bild: Ventilatoren helfen ein bisschen gegen gefühlte Hitze – aber nicht gegen sinkende Wirtschaftsleistung
Es ist noch nicht einmal Juni, schon herrschen in Europa vielerorts
[1][Temperaturen jenseits der 30 Grad]. Auch in Deutschland war es dieses
Jahr bereits ungewöhnlich heiß. Und die hohen Temperaturen haben nicht nur
Folgen für Mensch und Natur. Auch aus ökonomischer Sicht gibt es gute
Gründe, sich vor der nächsten Hitzewelle zu fürchten.
Wenn sich die Hitzewellen des vergangenen Jahrzehnts wiederholen, könnte
sich der dadurch für die deutsche Wirtschaft entstehende Schaden von 2026
bis 2030 auf insgesamt rund 131 Milliarden US-Dollar summieren. Diese Zahl
haben nicht Klimaschützer*innen berechnet. Sie stammt aus einer
Studie, die der Kreditversicherer Allianz Trade, eine Tochter des
Allianz-Konzerns, am Donnerstag veröffentlicht hat. Demnach sind
[2][Einbußen beim Bruttoinlandsprodukt] in den kommenden vier Jahren von
bis zu 3 Prozent möglich.
„Extreme Hitze ist längst kein kurzfristiges Wetterphänomen mehr, sondern
ein struktureller wirtschaftlicher Schock“, warnt Milo Bogaerts von Allianz
Trade. Ab Temperaturen über 30 Grad schmelze die Produktivität und
Energiekosten stiegen. So verweisen die Allianz-Forschenden in ihrer Studie
etwa auf die Hitzewelle in Frankreich im Jahr 2019. Damals musste die
Leistung der Kernkraftwerke gedrosselt werden, was das Angebot verknappte
und zu massiven Strompreisspitzen führte. „Hitze beeinträchtigt zudem die
Übertragungsnetze, indem sie die Übertragungskapazität von Generatoren,
Transformatoren und Stromleitungen verringert“, schreiben die Forschenden
weiter.
Vor allem aber, warnt Bogaerts, bremsen sinkende Renditewarnungen aufgrund
steigender Temperaturen die Investitionsbereitschaft von Unternehmen. Das
wiederum wirkt sich negativ auf die künftige Produktivität und
Wettbewerbsfähigkeit aus. Dabei bewegt sich Deutschland, was die möglichen
ökonomischen Schäden des Klimawandels angeht, noch im europäischen
Mittelfeld. Frankreich, Italien und Spanien trifft es bereits härter,
während die nordeuropäischen Länder kurzfristig etwa durch geringere
Energiekosten noch vom Klimawandel profitieren.
## Ab 30 Grad steigen die Energiekosten
Allerdings besteht bei Temperaturen ab 30 Grad eine Schwelle, an der die
Effekte ins Negative kippen. Dann sinkt die Produktivität laut der Studie
pro zusätzlichem Grad um 3 Prozent, während die Energiekosten – auch
aufgrund eines höheren Kühlbedarfs – um etwa 1,2 Prozent pro Grad steigen.
Für den Allianz-Klimaökonom Hazem Krichene sind die grüne Transformation
und die Anpassung an den Klimawandel deswegen zentrale Fragen der
Wirtschaftspolitik. „Länder, die bei der Infrastruktur sowie dem Schutz von
Unternehmen und Arbeitnehmern schneller vorankommen, werden im Vorteil
sein. Europa muss Schritt halten“, warnt Krichene.
So sind Länder in heißen Regionen wie dem Nahen Osten, Afrika, Amerika oder
Asien bereits besser an [3][extreme Hitze] angepasst. „Insgesamt ist Europa
historisch auf Kälte ausgelegt und auf Hitze bis heute schlecht
vorbereitet, obwohl Hitzewellen in den letzten Jahren nichts Neues sind“,
sagt Krichene. Zum Beispiel sind Gebäude in Europa der Studie zufolge noch
immer vor allem darauf ausgerichtet, Wärme zu speichern, statt sie
abzuleiten.
28 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Hitze-in-Frankreich/!6181836
(DIR) [2] /Folgen-des-Irankriegs/!6180904
(DIR) [3] /Historische-Hitzewelle-durch-Klimawandel/!6164928
## AUTOREN
(DIR) Simon Poelchau
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Bruttoinlandsprodukt
(DIR) Klimaanpassung
(DIR) Transformation
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Spanien
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Transformation
(DIR) Chemie
(DIR) Hitze
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Klimawandel in Spanien: Rekordwert von 101 Hitzetoten in Spanien im Mai
Die ungewöhnlich frühe Hitzewelle hat über 100 Menschen das Leben gekostet,
teilt das spanische Gesundheitsministerium mit.
(DIR) Das Wetter im Frühjahr: Ein Frühling wie ein Sommer
Sonnig, trocken und warm: Trotz Kälte und Regen zu Beginn zählte dieses
Frühjahr zu den wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in
Deutschland.
(DIR) Frühe Hitzewelle in Westeuropa: Höchste Warnstufe in Rom
Frankreich und Portugal melden für den Mai Temperatur-Rekorde. Spanien gibt
Hitzewarnungen aus, die Regierung in Paris berief eine Krisensitzung ein.
(DIR) Transformation und Stromnetze: Eine Frage der Energiesouveränität
Dass Wind- und Solaranlagen überproduzieren, gehört zur Transformation.
Anstatt zu viele Netze auszubauen, ist die Spitzenkappung ökonomisch
sinnvoll.
(DIR) Klimapolitik in der Chemieindustrie: Der Gewerkschafter, der gegen die CO2-Bepreisung kämpft
Michael Vassiliadis, Chef der Chemiegewerkschaft, ist vom fossilen Schlag.
Neuerdings wettert er gegen die CO2-Bepreisung. Er hat gute Gründe dafür.
(DIR) Hitzewellen sind das neue „Normal“: Werde cooler, Deutschland
Bis zu 40 Grad in Deutschland, doch noch immer ist das Land schlecht auf
solche Temperaturen vorbereitet. Schon jetzt gibt es mehr Hitze- als
Verkehrstote.