# taz.de -- Folgen des Irankriegs: Brüssel halbiert Erwartungen an Deutschland
> Europa ist stark abhängig von Energieimporten. Die EU-Kommission hat
> deswegen ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr drastisch gesenkt.
(IMG) Bild: Grund für die schlechten Wirtschaftsaussichten: die Blockade der Straße von Hormus (Foto vom 21. Mai) und die dadurch erfolgten Preiserhöhungen
afp | Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Auswirkungen des
[1][Irankriegs] hat die EU-Kommission ihre Wachstumsvorhersage für
Deutschland deutlich gesenkt. In ihrer am Donnerstag veröffentlichten
Frühjahrsprognose sagt die Brüsseler Behörde ein Wachstum des deutschen
Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,6 Prozent statt zuvor 1,2 Prozent für das
laufende Jahr voraus. Für den gesamten Euroraum senkte die Kommission ihre
Prognose für das laufende Jahr von 1,2 Prozent auf 0,9 Prozent.
Die Kommission nannte als Grund für die schlechteren Aussichten die
Erhöhung von Kosten und Preisen durch den Energiepreisschock infolge der
Blockade der [2][Straße von Hormus] wegen des Irankrieges. Die
Preiserhöhungen wirkten sich auf Reallöhne und Gewinnspannen aus und
bremsten somit die Nachfrage.
„Der Konflikt im Nahen Osten hat einen schweren Energieschock ausgelöst und
Europa noch stärker auf die Probe gestellt, da es bereits mit einem
instabilen geopolitischen und handelspolitischen Umfeld konfrontiert ist“,
erklärte EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis. Er forderte die EU
auf, ihre Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen weiter zu
verringern.
Da die Europäische Union Nettoimporteur von Energie ist, sind die 27
Mitgliedsstaaten äußerst anfällig für Schwankungen der Energiepreise. Viele
EU-Staaten haben versucht, die Energiekosten für Verbraucher und
Unternehmen mithilfe von Steuersenkungen, Obergrenzen für Kraftstoffpreise
und anderen Maßnahmen zu begrenzen. Brüssel hat die Länder jedoch dazu
aufgerufen, nur zeitlich befristete und gezielte Maßnahmen zu ergreifen.
„Die Situation dürfte sich 2027 leicht verbessern“, erklärte die
Kommission. Voraussetzung ist aber, dass sich die Lage auf den
Energiemärkten entspanne.
## Inflation könnte auf 3 Prozent steigen
In ihrer Prognose geht die Kommission zudem von einem starken [3][Anstieg
bei der Inflation] aus. Demnach dürfte die Gesamtinflation in der
Währungsunion bis Ende des laufenden Jahres 3,0 Prozent statt der im Herbst
vorhergesagten 1,9 Prozent erreichen. Für das kommende Jahr sagte die
Kommission eine Preissteigerung von durchschnittlich 2,3 Prozent voraus. Im
November war sie noch von 2,0 Prozent ausgegangen.
21 May 2026
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