# taz.de -- Filmreihe mit Tiefgang: „Humor ist eine Form der politischen Reflexion“
> Die jüdischen Filmtage Hamburg feiern das Koexistenz-Kino: Das hilft,
> Vorurteile abzubauen, ist sich Elisabeth Friedler sicher.
(IMG) Bild: Die Geschichte des Films „Bella“ kreist um eine Taube. Er zeigt, wie Koexistenz-Kino politische Themen mit Humor verhandeln kann
taz: Frau Friedler, 2025 wurden bei den Jüdischen Filmtagen Hamburg Filme
über Antisemitismus, Rechtsextremismus und Raubkunst gezeigt. Wie politisch
ist das Programm in diesem Jahr?
Elisabeth Friedler: Es ist nicht unser vorrangiges Ziel, politisch zu sein.
[1][All unsere Filme im Programm greifen Themen auf, die unsere
Gesellschaft beschäftigen], etwa Antisemitismus, Shoah oder
Identitätssuche. Somit sind sie zwangsläufig politisch. Wir haben keine
starre Themenvorgabe. Bei der Auswahl der Filme schauen wir auf Qualität,
und dass die Filme noch nicht in Hamburger Kinos gezeigt wurden. Auch
dieses Jahr sind die Filme gesellschaftspolitisch oder haben einen
politisch-historischen Background.
taz: Zum Beispiel?
Elisabeth Friedler: „La Cache“ spielt während der
Student:innenproteste 1968 in Paris, die scheinbar im Zentrum des
Films stehen. Gleichzeitig ist die Shoah in dieser berührenden
Familiengeschichte stets präsent.
taz: In „Bella“ begeben sich die Protagonist:innen auf einen Roadtrip
zwischen Israel und dem Westjordanland. Inwiefern wird dabei der Konflikt
im Westjordanland aufgegriffen?
Elisabeth Friedler: Dieser Film ist allein deshalb interessant, weil ihn
der israelische Regisseur Zohar Shachar und der palästinensische Regisseur
Jamal Khalaily gemeinsam gemacht haben. Er erzählt eine skurrile
Geschichte, die um eine Taube namens Bella kreist. Sie ist sicher ein
Symbol für viele Dinge. Auf jeden Fall repräsentiert dieser Film das neue
Koexistenz-Kino. Das heißt, man taucht in Alltagssituationen ein, die einem
ein politisches Umfeld näherbringen. Aber vordergründig geht es natürlich
auch um Freundschaft trotz politischer Grenzen, um Identität, um
Zugehörigkeit und um bürokratisch-gesellschaftliche Absurditäten.
taz: Wie werden solche Sujets dargestellt?
Elisabeth Friedler: „Bella“ arbeitet den politischen Aspekt nicht mit
Gewaltbildern oder Tragik heraus, sondern mit Humor und Menschlichkeit.
Durch Humor werden gesellschaftlich Widersprüche sichtbar gemacht, nicht
verharmlost. Er ist eine Form der politischen Reflexion. Darum ist dieser
Film zwar eine Komödie, aber eben mit tiefgründigem Hintergrund.
taz: Würden Sie bei den Jüdischen Filmtagen Hamburg auch eine Dokumentation
zeigen, die sich mit der Westjordanland-Problematik auseinandersetzt?
Elisabeth Friedler: Wir sind für alle Themen offen. Wenn es eine
Dokumentation gäbe, die die Situation objektiv darstellen würde, würde sie
unser fünfköpfiges Gremium sichten und dann in den Diskurs gehen. [2][Ein
Vorgang, den jeder Film bei uns durchläuft,] egal ob Doku, Komödie oder
Spielfilm.
taz: Jüdinnen und Juden werden in Deutschland wieder vermehrt angefeindet.
Welchen Beitrag können die Jüdischen Filmtage Hamburg im Kampf gegen
Antisemitismus leisten?
Elisabeth Friedler: Wir nehmen nicht für uns in Anspruch, Antisemitismus
bekämpfen zu können. Das ist auch gar nicht die Aufgabe der Jüdischen
Gemeinde. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass die Jüdischen Filmtage
Hamburg beitragen, [3][Klischees und Vorurteile abzubauen]. Wenn man sich
auf der Leinwand mit den Figuren identifiziert, ruft das Emotionen hervor.
Auf diese Weise kann man eine Brücke schlagen und Menschen erreichen.
taz: Wie wichtig ist das Kino als Ort des Dialogs?
Elisabeth Friedler: Total wichtig. Die Wirkungsweise von Filmen ist das
gemeinsame Erleben, ein gefühltes Erfahren und Mit-Erleben. Das ist die
Voraussetzung für Verständigung, darum ist Kino ein idealer Ort zum
kulturellen Austausch und Dialog. Oft werden alle Jüdinnen und Juden in
einen Topf geworfen, dabei gibt es so eine Vielfalt, die wir zeigen wollen.
Mal zeigen wir orthodox-jüdische Gesellschaften, mal die jüdisch-queere
Gemeinschaft. Tatsächlich sind wir alle verschieden.
1 Jun 2026
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(DIR) Dagmar Leischow
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