# taz.de -- Europa sucht neue Partner: Australien und EU bauen Handelsbarrieren ab
> Nach acht Jahren Feilschen einigen sich Kommissionschefin von der Leyen
> und Premier Albanese auf ein Abkommen: Die EU hofft auf Rohstoffe wie
> Lithium.
16.700 Kilometer liegen zwischen Europa und Australien – doch am Dienstag
kamen sich die beiden Weltregionen ein großes Stück näher. Seit 2018 hatten
Australien und die EU um einen leichteren gegenseitigen Zugang zu ihren
Märkten gefeilscht. Jetzt segneten die Präsidentin der Europäischen
Kommission, Ursula von der Leyen, und der australische Premierminister
Anthony Albanese in der australischen Hauptstadt Canberra ein umfangreiches
[1][Handelsabkommen] ab.
Gleichzeitig einigten sie sich auf eine neue [2][Sicherheitspartnerschaft],
die die Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie zwischen Europa und
Australien stärken soll. Einzelheiten des Abkommens waren am Dienstag bei
Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Der Vertrag unterliegt noch der
juristischen Überprüfung, einem mehrere Monate dauernden Prozess.
Premierminister Anthony Albanese meinte, das Abkommen schließe die größte
verbleibende Lücke in Australiens Freihandelsarchitektur und stärke das
globale Handelssystem zu einem Zeitpunkt, in dem es unter enormem
internationalen Druck stehe. Neben der Abschaffung von Zöllen und anderen
Handelsbarrieren solle der gegenseitige Handel mit Dienstleistungen und
Investitionen erleichtert werden. Albanese sprach von einem „bedeutenden
Moment für unser Land, da wir ein Abkommen mit der zweitgrößten
Volkswirtschaft der Welt geschlossen haben“. Die EU ist nach China und
Japan der drittgrößte Handelspartner des Landes.
Der Vertrag werde Handels- und Investitionsbarrieren zwischen Australien
und der EU abbauen – einem Markt mit rund 450 Millionen Menschen. Insgesamt
geht es um ein Handelsvolumen von 50 Milliarden Euro jährlich. Die EU geht
davon aus, dass die Exporte aus den Mitgliedstaaten nach Australien im
kommenden Jahrzehnt durch das Abkommen um ein Drittel auf jährlich bis zu
17,7 Milliarden Euro wachsen könnten. Besonderes Wachstumspotenzial gibt es
den Angaben zufolge bei Milchprodukten, Kraftfahrzeugen und Chemikalien.
Auch die EU-Investitionen in Australien könnten um mehr als 87 Prozent
zulegen, heißt es.
## Der weltweit größte Lithiumlieferant
Laut Kommissionschefin Ursula von der Leyen werde es nun „für Australien
einfacher werden, auf der Grundlage hoher Standards in die Union zu
exportieren“. Für die EU fast noch entscheidender ist der Zugang zu
wichtigen Rohstoffen. Australien ist einer der weltgrößten Förderer von
Mineralien und hat umfangreiche Lagerstätten von Lithium und Seltenen
Erden.
Von der Leyen hatte darauf hingewiesen, Australien sei „der weltweit größte
Lithiumlieferant und verfügt über Rohstoffe, die für die sauberen
Technologien der Zukunft von entscheidender Bedeutung sind – von
Elektroautos in Spanien bis hin zu Offshore-Windturbinen in der Ostsee“.
Das Abkommen soll die Zölle auf die Rohstoffe selbst sowie auf verarbeitete
Produkte abschaffen. Die EU könnte durch den verstärkten Fokus auf
Australien ihrem Ziel näherkommen, weniger abhängig von China zu sein, das
derzeit den Großteil der Rohstoffe liefert, die für die Energiewende
erforderlich sind.
Die Abhängigkeit von Peking auch bei Mineralien für die
Verteidigungsindustrie besorgt die EU seit langem. Ziel sei es,
„sicherzustellen, dass kein Land den Zugang zu Energie, Halbleitern oder
Seltenen Erden als Waffe nutzen kann, um unsere Wirtschaft als Geisel zu
nehmen“, schrieb von der Leyen.
Zumindest Australiens Weinbauern jubelten am Dienstag: ihr Recht, Prosecco
herzustellen und zu verkaufen, wird durch das Freihandelsabkommen
geschützt. Australien ist damit das einzige Land außerhalb Italiens, das
sich dieses Recht gesichert hat. Allerdings werden die Exporteure gezwungen
sein, den Namen in zehn Jahren aufzugeben.
Die wichtige und stark auf Exporte fokussierte Fleischbranche Australiens
dagegen zeigte sich in ersten Reaktionen enttäuscht. Eine seit Jahren von
der Industrie geforderte deutliche Erhöhung der Quoten von rotem Fleisch in
die EU fiel in den Verhandlungen offenbar erneut unter den Tisch. 2023
waren die bilateralen Verhandlungen an genau diesem Punkt gescheitert.
## Kompromiss bei australischer Luxussteuer
Australiens Bauernverband fordert, pro Jahr 50.000 Tonnen Rindfleisch und
67.000 Tonnen Lammfleisch nach Europa exportieren zu dürfen. Die EU zeigte
sich jedoch unnachgiebig und will jährlich nur etwa 30.000 Tonnen
australisches Rindfleisch zollfrei zulassen, um die einheimische Industrie
zu schützen. Bauernverband-Präsident Hamish McIntyre hatte gefordert,
Australien solle das Handelsabkommen erneut fallen lassen, wenn es „keine
wesentlichen Verbesserungen beim Angebot der EU in Bezug auf Fleisch“ gebe.
„Wir müssen bedenken, dass dies ein Abkommen für Generationen ist“, sagte
er. Es betreffe „unsere Kinder in 30 oder 40 Jahren“.
Unterdessen scheint die Regierung einen Kompromiss in Bezug auf die
australische Luxussteuer erzielt zu haben, die bei den europäischen
Autoherstellern für Unmut gesorgt hatte. Die Financial Times berichtet,
dass die EU ihren Plan, die Steuer vollständig abzuschaffen, aufgegeben
habe. Die Luxussteuer von 33 Prozent auf private Pkw ab einem Kaufpreis von
rund 45.500 Euro trifft vor allem deutsche Hersteller. Immerhin wurde der
Schwellenwert für E-Pkw auf umgerechnet rund 72.300 Euro angehoben.
Australien und die EU hoffen, dass das Freihandelsabkommen die Beziehungen
zwischen beiden Seiten stärken wird, die jeweils mit zunehmend aggressiven
autoritären [3][Mächten] und den durch die unberechenbare Trump-Regierung
verursachten Brüchen zu kämpfen haben. Laut von der Leyen lege die EU
großen Wert darauf, die Beziehungen der Union [4][über ihre traditionellen
Verbündeten hinaus] auszubauen. Eine Sicherheitspartnerschaft mit
Australien folgt ähnlichen Vereinbarungen mit einer Reihe anderer Länder,
darunter Kanada, Japan, Indien und Südkorea.
24 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Urs Wälterlin
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