# taz.de -- Parlamentarische Sommerpause: Ohne Fleiß kein Preis
> Es geht nicht voran mit den Reformen. Deshalb fordert der Verband der
> Familienunternehmen, das Parlament solle durcharbeiten. Richtig so, oder?
(IMG) Bild: Herr Merz fordert von der Bevölkerung, mehr zu arbeiten, dann kann sie das ja auch im Gegenzug von den Politiker:innen fordern; das Parlament am 18.03.2026
Endlich sagt’s mal jemand: Friedrich Merz, Alexander Dobrindt, Bärbel Bas,
Lars Klingbeil, Katherina Reiche, ach was, sämtliche Leute, die ihre Tage
im Bundestag mit was auch immer rumbringen, sollen mehr arbeiten.
Marie-Christine Ostermann, die Präsidentin des Verbands der
Familienunternehmen, hat das messerscharf erkannt – und fordert, das
[1][Parlament solle in diesem Jahr auf seine Sommerpause verzichten]. Damit
endlich all die Reformen umgesetzt werden, von denen der Kanzler seit
vergangenem Herbst faselt. Aber was ist bis jetzt – wir haben schon fast
Sommer – passiert? Nichts.
Oder haben Sie von irgendeiner Ministerin, einem Minister oder meinetwegen
auch von irgendeinem Hinterbänkler im Reichstag irgendwas Substanzielles
zur Rentenreform gehört? Von einer Idee also, die Jüngere und Ältere
gleichermaßen glücklich macht, weil alt sein nicht mehr Flaschen sammeln
bedeutet? Oder von einem Vorschlag, wie [2][Reiche und Superreiche mehr
Steuern bezahlen]? Hat Ihnen Ihre Krankenkasse schon einen Brief
geschrieben, dass Sie künftig nicht mehr, sondern weniger Beiträge zahlen
müssen? Nein? Keine Sorge, das liegt nicht an Ihnen, sondern an der
Regierung. Marie Ostermann hat es für uns herausgefunden.
Dafür muss man ihr dankbar sein. Klar, wer leitet, muss leisten. Und
Vorbild sein. Denn wer will, dass andere Leistung bringen, sollte selbst
mit gutem Beispiel vorangehen. Sonst nimmt einem nämlich niemand ab, dass
man es ernst meint mit dem, was man vor allem von anderen fordert. Von uns
fordern Friedrich Merz und seine Kolleg:innen bekanntlich jede Menge:
Wir sollen mehr arbeiten. Nicht nur mehr ranklotzen am Tag, sondern auch
insgesamt länger schuften. Vergessen Sie die Rente mit 67! Auch Ihre
[3][liebgewonnene Lifestyleteilzeit]! Man braucht kein Mathe-Abi, um sich
auszurechnen, dass man in läppischen sechs Stunden nicht so viel schafft
wie in der doppelten Zeit.
Wer Frau Ostermann da nicht zustimmt, dem ist die Wirtschaft ganz
offensichtlich egal. Überhaupt ist die Chefin eines Lobbyverbands für
Großunternehmen recht innovativ, wenn es um den Standort Deutschland geht.
Der braucht in ihren Augen keinen Mindestlohn, keine Flächentarifverträge
und auch keine Erbschaftsteuer. Familienunternehmen arbeiten in der Regel
24/7 und – was sonst? – ohne Sommerpause.
13 Jun 2026
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(DIR) [2] /Mehr-Rentnerinnen-mit-Grundsicherung/!6038378
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## AUTOREN
(DIR) Simone Schmollack
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