# taz.de -- Entführte Briten in Iran: „Die letzten 500 Tage waren schwer“
> Das seit bald anderthalb Jahren in Iran inhaftierte Ehepaar Foreman
> befindet sich Berichten zufolge im Hunderstreik. In London erinnert eine
> Demo an die beiden.
(IMG) Bild: London, 20. Mai: Motorrad-Protest aus Anlass des 500. Tages der Gefangenschaft von Craig und Lindsay Foreman in Iran
Gegen neun Uhr am Morgen versammelt sich am Mittwoch eine Gruppe von zehn
Motorradfahrer:innen im Londoner Stadtteil Kensington. Sie wollen
gemeinsam vorbei an der iranischen Botschaft und dann weiter bis zum
Parlament zu fahren – aus Protest. Denn seit 500 Tagen befinden sich die
britischen Staatsbürger Lindsay und Craig Foreman im Iran in
Gefangenschaft, größtenteils in der berüchtigten Evin-Strafanstalt in
Teheran.
Das britische Ehepaar wollte 2024 und 2025 mit dem Motorrad von Spanien, wo
sie lebten, bis nach Australien touren. Als sie dafür für wenige Tage Iran
mit gültigen Visa sowie gebuchten Hotels und Führern durchqueren wollten,
[1][wurden sie trotzdem nach vier Tagen von iranischen Sicherheitskräften
festgenommen].
Nach einem Jahr im Gefängnis, darunter auch in Einzelhaft, wurden sie im
Februar als angebliche Spione in einem Prozess ohne adäquate Verteidigung
[2][zu zehnjährigen Haftstrafen verurteilt]. Der Richter [3][Abolqasem
Salavati] steht in der EU, Großbritannien und den USA wegen seiner
fragwürdigen Rechtsprechung unter Sanktionen.
Die Foremans befinden sich nun im Hungerstreik, berichtet die Familie. Über
Umwege – „von der Mutter einer Mutter eines Insassen“ – hätten sie davon
gehört. Craig Foreman verweigert demnach seit dem 9. Mai, Lindsay Foreman
seit dem 17. Mai die Nahrungsaufnahme.
## Der direkte Kontakt zu den Foremans ist abgebrochen
Bereits im November hatten die beiden aus Protest gegen mangelnde
Verpflegung [4][einen Hungerstreik durchgeführt]. Diesmal soll der Entzug
ihrer Kommunikationsmöglichkeiten zur Außenwelt der Grund für den Streik
sein.
Der direkte Kontakt zu den beiden sei abgebrochen, erzählt auch die
Familie. „Die letzten 500 Tage waren schwer für mich und meine Familie,
aber verglichen mit Lindsay und Craig geht es uns gut“, sagt Joe Bennett,
der Sohn von Lindsay.
Bevor sie nicht mehr zu erreichen waren, hatte Lindsay sogar mit britischen
Journalist:innen telefonieren und ihre Lage schildern können. Sie hatte
auch erzählt, wie sie und Craig versuchten, trotz ihrer schweren Situation
bei Kräften zu bleiben. Dem Regime haben diese Interviews wohl missfallen.
## „Bewusstsein für den Fall erhöhen“
Am Mittwochnachmittag hat die Familie der Foremans eine Liste mit 85.000
Unterschriften zu ihrer Freilassung bei 10 Downing Street eingereicht.
„Immer wieder haben wir Versprechen von der Regierung erhalten, doch frei
sind sie immer noch nicht“, klagt Sohn Bennett.
Als die Motorradfahrer:innen vor dem Parlament eintrafen, gesellten
sich auch einige Politiker dazu. Der Labour-Abgeordnete Tony Vaughan hat
den Fall im Unterhaus angesprochen und fordert die Einstufung des Ehepaars
[5][als politische Geiseln.] „Ich hoffe, damit das Bewusstsein für den Fall
zu erhöhen“, sagte der Politiker der taz.
Dem konservativen Unterhausabgeordneten Ian Duncan Smith reicht das nicht:
[6][„Wir sollten die iranischen Revolutionsgarden verbieten] und weitere
Maßnahmen mit der Freilassung der beiden verbinden. Wir müssen zeigen, dass
Großbritannien ernst genommen werden muss“, forderte er.
## Die Foremans bleiben in Iran inhaftiert
Der 72-jährige Adrian Kriss ist extra aus Worcestershire viele Hundert
Kilometer nach London angereist. Er will seine Solidarität zeigen – und der
Fall des Ehepaars macht ihm Sorgen. Er will eigentlich nächstes Jahr mit
dem Motorrad zu einer Weltreise bis nach Japan aufbrechen.
„Wenn man dann wie die Foremans für etwas frei Erfundenes beschuldigt wird,
obwohl man die richtigen Papiere hat, muss man doch die Gewissheit haben,
dass die britische Regierung alles für einen tut“, glaubt er.
Sollten die Foremans nach weiteren 100 Tagen noch immer nicht frei sein,
wollen er und die anderen dafür sorgen, dass sich Hunderte
Motorradfahrer:innen vor dem Parlament versammeln.
Der britische Botschaftsrat in Berlin, Ian Woods, erklärte der taz, dass
die britische Botschaft in Teheran daran arbeite, konsularische Hilfe
anzubieten. Der Botschafter habe die Foremans auch in der Strafanstalt
besucht sowie Anrufe koordiniert. Man werde diese Arbeit fortsetzen, um
eine sichere Rückkehr der beiden zu gewährleisten. Fraglich ist nur, wie
lange das noch dauern wird.
22 May 2026
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