# taz.de -- Geiselnahme in Iran: Eine Motorradtour, die in der Haft des Regimes endete
       
       > Seit über einem Jahr sitzen die Briten Lindsay und Craig Foreman wegen
       > Spionagevorwürfen in Iran im Knast. Ihr Sohn fordert die Regierung in
       > London erneut zum Handeln auf.
       
 (IMG) Bild: Unterstützer von Lindsay und Craig Foreman, einem Ehepaar, das ohne Anklage im Iran inhaftiert ist, protestieren in London
       
       Für das südenglische Ehepaar [1][Lindsay und Craig Foreman] – zwei
       Motorrad-Enthusiasten in den 50ern – sollte es der Trip ihres Lebens
       werden. Einmal mit den Bikes von England bis nach Australien fahren. Auf
       ihrer Reise wollte Lindsay Foreman, eine promovierte Psychologin, auch
       gleich Menschen unterschiedlicher Regionen befragen: Was es für sie
       bedeutet, Mensch zu sein und ein gutes Leben zu führen.
       
       Im Oktober 2024 brachen die beiden schließlich auf. Unter #PPK2K teilten
       sie in den sozialen Medien Eindrücke der Reise. Spanien, Italien, Albanien,
       die Türkei und [2][Armenien] hatten sie bereits hinter sich, als sie am 31.
       Dezember 2024 die Grenze in die Islamische Republik Iran überfuhren.
       
       Sorgen von Familie und Freund:innen sowie Richtlinien des britischen
       Außenministeriums, die vom Besuch Irans abrieten, schoben sie zur Seite.
       Sie glaubten an das Gute – überall. Ihre fünftägige Route quer durch Iran
       hatten sie dennoch im Voraus geplant: die Hotels gebucht, genauso wie
       iranische Reisebegleiter und die Visa. Sie posteten online aus Täbris,
       Teheran und Isfahan. Doch am 3. Januar 2025 brach plötzlich jeglicher
       Kontakt mit ihnen ab. Ein ganzer Monat verging, bis klar wurde, was
       geschehen war.
       
       Iranische Behörden hatten Lindsay und Craig Foreman unter dem Vorwurf der
       Spionage festgenommen. Über ein Jahr später sitzen sie noch immer in
       iranischen Strafanstalten fest.
       
       In einer Erklärung eines Sprechers der iranischen Justiz hieß es damals:
       Sie seien als Touristen in Iran eingedrungen, um dort Informationen in
       zahlreichen Provinzen zu sammeln. Die beiden hätten mit feindlichen,
       westlichen Nachrichtendiensten zusammengearbeitet, hieß es weiter.
       
       ## Immer wieder nimmt Iran westliche Bürger:innen fest
       
       Es ist nicht das erste Mal, dass britische Staatsbürger:innen in Iran
       inhaftiert wurden: Die iranischstämmige Nazanin Zaghari-Ratcliffe saß
       zwischen 2016 und 2022 im berüchtigten Evin-Gefängniskomplex. Auch ihr warf
       das Regime Spionage vor.
       
       Erst durch einen Gefangenenaustausch, in dem die britische Regierung
       umgerechnet eine knappe halbe Milliarde Euro an die Islamische Republik
       Iran blechte, [3][kam Zaghari-Ratcliffe frei]. Und mit ihr der ebenfalls
       inhaftierte britisch-iranische Geschäftsmann [4][Anoosheh Ashoori.] Die
       halbe Millarde hatte Iran – noch unter Kontrolle des 1979 gestürzten Schahs
       – im Rahmen eines britisch-iranischen Waffenexportdeals gezahlt. Dieser
       wurde nach der Islamischen Revolution gestoppt.
       
       Nazanins Ehemann Richard Ratcliffe erzählte der taz im vergangenen Sommer,
       dass zunehmend nicht nur Menschen mit doppelter Staatsangehörigkeit – wie
       seine Gattin – gefährdet seien, Geiseln zu werden. Ratcliffe betont dabei
       das Wort Geisel. Die Regierungen im Westen scheuten die Bezeichnung, sagt
       er. „Es handelt sich jedoch um nichts anderes.“
       
       Auch der [5][österreichisch-iranische Geschäftsmann Kamran Ghaderi], der
       jahrelang im Evin-Gefängnis einsaß, sagte der taz: Personen mit
       ausländischer Staatsangehörigkeit würden absichtlich als Erpressungsmittel
       festgehalten.
       
       ## Familie stellt Forderungen an die britische Regierung
       
       Joe Bennett, Anfang dreißig, ist eins der vier erwachsenen Kinder des
       Ehepaars. Er fordert, dass das britische Außenministerium mehr zur
       Freilassung der beiden tut. Im vergangenen Sommer konnte er zum ersten Mal
       seit der Festnahme mit seinen beiden Elternteilen telefonieren. Er saß in
       England, die beiden sprachen aus iranischen Gefängnissen.
       
       „Es war eine große Erleichterung, das erste offizielle Zeichen des Lebens
       mit Lachen und Tränen“, sagt er der taz. „Soweit wir es abschätzen konnten,
       hörten sie sich psychisch relativ gut an.“
       
       Er und seine Familie fordern mehr Zugang zu britischen konsularischen
       Botschaftsvertreter:innen für die beiden. Denn bisher habe es nur
       wenige solche Besuche gegeben, sagt Bennett. „Das sind zwei erfahrene
       Motorrad-Tourer mit einer tiefen Leidenschaft, die Welt zu erkunden und
       neue Menschen und Kulturen kennenzulernen. Sie haben ja alles in den
       sozialen Medien offen geteilt, was sie tun, auch davor. Sie sind keine
       politischen Personen.“
       
       ## Nach den Protesten sind die Haftanstalten noch überfüllter
       
       Die [6][derzeitige Situation in Iran] verschärft die Angst der Familie
       noch: [7][Die massive Gewalt nach den Protesten], die miserablen
       Bedingungen in nach den Protesten immer mehr überfüllten Gefängnissen.
       
       Joe Bennett sagt: Auch er habe keine definitive Antwort auf die Frage, wie
       seine Eltern wieder freikommen könnten. Es müsse sowohl auf die iranische
       als auch auf die britische Führung mehr Druck gemacht werden.
       
       In einem Statement schreibt die Familie: „Die Situation wird durch Zögern,
       Bürokratie und das Versagen der britischen Regierung, entschlossen
       zugunsten ihrer unschuldig in Iran inhaftierten Bürger zu handeln,
       verlängert“.
       
       ## Listung der Revolutionsgarden als Terrororganisation
       
       Die iranische Führung kommt derweil unter vermehrten Druck vonseiten der
       EU: So haben sich am Donnerstag die Außenminister der Europäischen Union
       [8][auf eine Listung der mächtigen Revolutionsgarden als Terrororganisation
       geeinigt]. Außerdem wurden 15 weitere Iraner und sechs Firmen mit
       iranischem Bezug unter Sanktionen der EU gestellt.
       
       In Großbritannien sind die Revolutionsgarden bisher nicht als Terrorgruppe
       gelistet. Nach Angabe [9][des Telegraph könnte ein solcher Schritt nun auch
       in Großbritannien erfolgen.] Vor Kurzem war das seitens der Regierung
       [10][noch abgelehnt worden].
       
       Ein Sprecher des britischen Außenministeriums sagte der taz vor Monaten,
       dass man sehr besorgt über Berichte einer Spionageanklage zweier britischer
       Staatsbürger sei. Und weiterhin den Fall bei den iranischen Behörden
       vortrage.
       
       Eine Sprecherin der Familie sagte nun: Man sei bezüglich der „Drohungen und
       Gegendrohungen“, die derzeit im Raum ständen, zutiefst besorgt.
       
       Mitarbeit: Lisa Schneider
       
       31 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.freelindsayandcraig.com/
 (DIR) [2] /Tagebuch-aus-Armenien/!6146363
 (DIR) [3] /Zwei-britisch-iranische-Gefangene-frei/!5842215
 (DIR) [4] /Politische-Gefangene-im-Iran/!5848773
 (DIR) [5] /Kamran-Ghaderi-ueber-Evin-Gefaengnis-/!6100531
 (DIR) [6] /Was-bei-den-Protesten-in-Iran-geschah/!6148087
 (DIR) [7] /Islamwissenschaftlerin-ueber-Iran/!6146715
 (DIR) [8] /Iranische-Revolutionsgarde/!6150005
 (DIR) [9] https://www.thetimes.com/world/middle-east/article/eu-irgc-terrorist-iran-news-cfngbn3fc
 (DIR) [10] https://www.jpost.com/international/article-883229
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Zylbersztajn-Lewandowski
       
       ## TAGS
       
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