# taz.de -- Studie zu Olympia und Wohnkosten: Spiele machen Städte nicht immer teurer – aber oft
> Ein Gutachten sieht keinen zwingenden Zusammenhang zwischen Olympischen
> Spielen und steigenden Immobilien- und Mietpreisen. Aber Steuerung ist
> wichtig.
(IMG) Bild: Viel Misstrauen in der Bevölkerung: Ein Olympia-Gegner wirbt für ein Nein beim Referendum
Durch die Ausrichtung Olympischer Spiele steigen im Austragungsort nicht
zwangsläufig die Mieten und Immobilienpreise. Die wissenschaftlichen
Dienste des Bundestages haben die Auswirkungen auf die Ausrichterstädte
seit 1972 untersucht und sind dabei zu einem differenzierten Befund
gekommen. „Die Effekte sind nicht einheitlich, sondern variieren stark
zwischen den Städten und sogar innerhalb einzelner Stadtteile“, heißt es in
der Zusammenfassung.
Das Gutachten hat die Hamburger Bundestagsabgeordnete Cansu Özdemir von der
Linken in Auftrag gegeben. Bis zum 31. Mai können die Hamburger darüber
abstimmen, ob ihre Stadt sich für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben
soll. Die Linke warnt, dass die Spiele viel Geld kosten würden, das dann an
anderer Stelle fehlt.
Özdemir liest aus dem Gutachten, dass in vielen Austragungsstädten die
Mieten und Immobilienpreise rund um den Zeitpunkt der Spiele deutlich
gestiegen seien. „Für Hamburg wäre das ein enormes Risiko – gerade in einer
Stadt, in der Wohnen schon heute für viele unbezahlbar wird“, warnt die
Bundestagsabgeordnete auf Instagram. Olympia dürfe die Mietkrise nicht
weiter verschärfen.
Tatsächlich sind in vier von 13 untersuchten Städten die Mieten rund um die
Spiele gestiegen, in zwei weiteren geringfügig. In fünf Städten steigen die
Hauspreise, in zweien sanken sie.
## Differenziertes Bild
Dabei liegt jeder Fall etwas unterschiedlich. In München (Spiele 1972)
lagen die Mietpreise schon über dem deutschen Durchschnitt. Dass sie
zwischen 1968 und 1973 besonders kräftig anzogen, deute darauf hin, dass
die Spiele einen zusätzlichen Einfluss auf die Preisentwicklung gehabt
hätten, finden die Studienautoren.
In Barcelona (Spiele 1992) stiegen die Mieten deutlich, besonders stark in
den Jahren 1991 und 1992, ebenso die Häuserpreise. Obwohl viel gebaut
wurde, ging das Angebot an Miet- und Sozialwohnungen zurück. Schuld daran
seien mangelnde Regulierung und fehlende öffentliche Planung gewesen, heißt
es in dem Gutachten. „Maßnahmen für sozial schwächere Gruppen fehlten
weitgehend.“ Zudem sei die Stadtentwicklung durch die Spiele
kommerzialisiert worden.
Atlanta vier Jahre später scheint es besser gemacht zu haben. Die
US-Südstaaten-Metropole habe Olympia strategisch für eine langfristige
Stadtentwicklung genutzt. Die für die Spiele geschaffene Infrastruktur habe
nachhaltig die Immobilienentwicklung, das Bevölkerungs- sowie das
Wirtschaftswachstum gefördert. „Auch ärmere Viertel wurden umgestaltet,
etwa durch den Ersatz alter Sozialwohnungen durch neue Unterkünfte für
Olympiateilnehmer“, heißt es im Gutachten.
In Sydney (2000) seien die Immobilienpreise vor den Spielen stark
gestiegen, „jedoch eher spekulativ und ohne nachhaltige bauliche
Entwicklung“. Danach hätten sie sich wieder normalisiert. Aus Sicht der
Autoren verdeutlicht das, „dass Großprojekte wie die Olympischen Spiele
langfristig häufig eine geringere transformative Wirkung entfalten als
erhofft“.
Das gilt auch für Montreal (1976), wo sich eine schlechte Planung negativ
auf den lokalen Immobilienmarkt ausgewirkt habe. Wegen eines schlechten
Nachnutzungskonzepts habe es dort 30 Jahre gedauert, bis die [1][Kosten der
Spiele ausgeglichen] gewesen seien.
In Athen (2004) stiegen die Preise stark, weil die Infrastruktur sowie der
Immobilienbestand modernisiert und der [2][städtische Raum durch die
olympischen Bauten umgestaltet] wurde. Vieles wurde für Gewerbe oder Wohnen
umgenutzt. Trotzdem habe Athen am Ende mit unausgelasteten Sportstätten zu
kämpfen gehabt.
In Peking (2008) und Rio de Janeiro (2016) seien die Spiele tendenziell zum
Nachteil ärmerer Bevölkerungsteile gegangen. In Rio beschleunigte der Staat
im Zuge der Spiele die Gentrifizierung. Aus den Erfahrungen in Peking
leiten die Gutachter ab, „dass gezielte politische Maßnahmen nötig sind, um
soziale Ungleichheiten auszugleichen und eine ausgewogene Stadtentwicklung
zu fördern“.
Der [3][Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW)], in dem
überwiegend kommunale und genossenschaftliche Vermieter organisiert sind,
leitete aus der Studie die Forderung ab, dass der Wohnungsmarkt nicht sich
selbst überlassen werden dürfe. „Natürlich müssten die Stadtplanung und die
[4][Nachnutzung des olympischen Dorfes] so gesteuert werden, dass das
bezahlbare Wohnen im Mittelpunkt steht“, erklärte Verbandsdirektor Andreas
Breitner. Hamburg könne der Welt zeigen, wie das geht.
21 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Gernot Knödler
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