# taz.de -- Infrastruktur kaum zu realisieren: Droht Hamburg 2036 Olympia auf der Baustelle?
> Eigentlich will Hamburg Olympia noch nicht 2036 haben, sich aber dennoch
> dafür bewerben. Unklar ist, wie so schnell die Infrastruktur gebaut
> werden soll.
(IMG) Bild: Sehen nicht alle in Hamburg so: Fans des FC St. Pauli zeigen ein Banner gegen Hamburgs Olympiabewerbung
Zwar will es niemand, auch nicht der Bundespräsident: Olympische Spiele in
Deutschland im Jahr 2036 lehnt Frank-Walter Steinmeier (SPD) ab.
Schließlich wäre es dann genau ein Jahrhundert her, dass das
nationalsozialistische Deutschland Olympia ausgetragen hat.
Als „historisch problematisch“ sieht es auch der Hamburger Senat an – und
lässt die Hamburger:innen dennoch am 31. Mai darüber abstimmen, ob sich
die Stadt nicht nur für 2040 und 2044, sondern auch für 2036 bewerben soll.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat es zur Bedingung gemacht,
dass Bewerber:innen diese drei Jahre anbieten müssen, um eine Chance
auf die Ausrichtung zu haben. Von der moralischen Frage abgesehen, ob
„Deutschland '36“ eine Wiederauflage bekommen sollte – würde Hamburg
[1][sein zur Wahl stehendes Konzept] bis dahin überhaupt umgesetzt
bekommen?
Was die nötigen Sportstätten angeht, zeigte sich der zuständige
Innensenator Andy Grote (SPD) zuletzt mehrfach optimistisch. Viele
Sportarten sollen in kurzfristig aufzubauenden, temporären Anlagen auf dem
Heiligengeistfeld oder auf der Binnenalster stattfinden. Hinzu stehen etwa
die Messehallen und das Volksparkstadion für Schwimmwettbewerbe bereits.
Doch auch wenn der rot-grüne Senat behauptet, dass es für Olympia „76
Prozent bestehende Sportstätten“ gäbe – einige größere Bauprojekte kämen
hinzu, die im Falle einer Vergabe für die Spiele 2036 in wenigen Jahren
errichtet werden müssen: Schon seit Jahren kommt die Planung einer 8.000
Zuschauer:innen fassenden Halle namens „Elbdome“ nicht voran, in der
Volleyball ausgetragen werden soll. Auch eine komplett neue Radsporthalle
würde benötigt – und die Tennisanlage am Rothenbaum dürfte in ihrem
jetzigen Ausmaß viel zu klein sein.
## Olympisches Dorf für 16.000 Athlet:innen benötigt
Vor allem aber hat Hamburg kein Olympiastadion. Dessen Bau [2][– den der
rot-grüne Senat nicht in seine Kostenkalkulation einrechnet, weil ein neues
Stadion ohnehin dringend benötigt würde -,] wäre wohl auch bis 2036
realisierbar: Die dafür ausgewählte Fläche befindet sich im Volkspark, auf
der gegenüberliegenden Straßenseite des Stadions vom Hamburger SV. Bisher
wird der Ort als Parkplatz genutzt, ein zügiger Baubeginn wäre deshalb wohl
kein Problem.
Einzig die Finanzierung ist bislang noch völlig unklar: Einerseits hieß es
seitens des Senats, ein privater Investor solle für den Bau, in den dann
auch die HSV-Fußballer umziehen sollen, gefunden werden. Andererseits
sollen laut Grote auch die HSV-Mitglieder ein Mitspracherecht bei der
Stadionarchitektur bekommen, die bereits selbstbewusst klarstellen, nur in
ein vollkommen zufriedenstellendes – und damit wohl teures – Stadion
umziehen zu wollen.
Ein noch größeres Projekt müsste die Stadt, falls das IOC die Spiele 2036
nach Hamburg vergeben würde, zügiger als gewollt fertigstellen: Das
Olympische Dorf für rund 16.000 Sportler:innen.
Im März erklärte Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing zum geplanten
Olympischen Dorf am Volkspark im Stadtteil Bahrenfeld, dass an dieser
Stelle ohnehin ein neues Wohnquartier geplant sei: Die „Science City“ soll
um die bereits bestehenden Forschungseinrichtungen der Universität, des
Max-Planck-Instituts und des Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) auf
der derzeit noch genutzten Trabrennbahn erweitert werden. Auch bis 2036 sei
es schon möglich, Unterkünfte für rund 16.000 Athlet:innen gebaut zu
haben, sagte Höing, die dann anschließend dauerhaft bewohnt werden können.
Ursprünglich war angedacht, bis zum Ende der 2040er Jahre das Quartier
abschließend fertigzustellen; doch laut Bürgermeister Peter Tschentscher
(SPD) könne man den Bau des Olympischen Dorfes „takten“ – je nach dem, für
welches Jahr Hamburg den Zuschlag erhielte, sei der Bau „problemlos“
machbar.
## Verkehrsbehörde plant schon mit Busshuttles
Allerdings gibt es bisher keine, beziehungsweise keine zufriedenstellende
ÖPNV-Anbindung für das Olympische Dorf und die Spielstätten im Volkspark.
Um sowohl die Sportler:innen als auch die Zuschauer:innen, von denen
Hamburg mit insgesamt 10 Millionen rechnet, während der Spiele nicht einem
Verkehrschaos auf den Straßen auszusetzen, [3][sollen eine S-Bahn und eine
U-Bahn gebaut werden.] Beide Pläne existieren bereits seit Längerem, doch
von einer Fertigstellung schon bis 2036 war bisher nie die Rede.
Auch Innensenator Grote räumte zuletzt ein, dass das bis zu diesem Jahr
„vermutlich sehr sportlich“ würde. An der U5 wird bereits seit 2022 gebaut,
angepeilt zur Fertigstellung wird das Jahr 2040. Wie die 29 Kilometer lange
unterirdische Trasse vier Jahre schneller fertig werden soll, erscheint
völlig unklar. Zumal bisher nur in den Abschnitten gebaut wird, die für
eine Anbindung zwischen Innenstadt und Volkspark gar nicht relevant sind.
Ebenso unklar ist, wie bis 2036 schon die rund 5 Kilometer lange
unterirdische Trasse der angekündigten S6 fertiggestellt werden soll. Diese
soll das Olympische Dorf ans S-Bahn-Netz anschließen und unterhalb einer
der großen Ausfallstraßen in Hamburgs Westen verlaufen, wobei sie dann auch
noch die Autobahn 7 unterqueren muss.
Zwar will auch die grün geführte Verkehrsbehörde eine vier Jahre frühere
Fertigstellung bis 2036 nicht ausschließen. Allerdings: „Wenn die Zeit für
den Bau der S6 bis 2036 nicht ausreicht, schaffen wir flexible
Alternativen“, so ein Sprecher zur taz. So würden dann etwa Straßenspuren
für den allgemeinen Verkehr zugunsten von Busshuttles gesperrt werden.
18 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Milliarden-fuer-die-Spiele/!6162007
(DIR) [2] /HSV-gruendet-Genossenschaft/!6155754
(DIR) [3] /Hamburg-braucht-Olympische-Spiele/!6178746
## AUTOREN
(DIR) André Zuschlag
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
(DIR) Nolympia
(DIR) Hamburg
(DIR) Öffentlicher Nahverkehr
(DIR) Referendum
(DIR) Stadtentwicklung Hamburg
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Olympiabewerbung
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
(DIR) Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Studie zu Olympia und Wohnkosten: Spiele machen Städte nicht immer teurer – aber oft
Ein Gutachten sieht keinen zwingenden Zusammenhang zwischen Olympischen
Spielen und steigenden Immobilien- und Mietpreisen. Aber Steuerung ist
wichtig.
(DIR) Hamburg braucht Olympische Spiele: Ein Weg aus der starren Verweigerungshaltung
Olympische Spiele mögen sich wirtschaftlich nicht rechnen. Aber es täte
Hamburg als Gemeinwesen gut, sich auf ein solches Ziel hin auszurichten.
(DIR) Hamburg braucht die Spiele nicht: Olympia ins Fernsehen!
Olympia ist ein Kommerz-Monstrum, das nirgends stattfinden sollte. Schon
gar nicht dort, wo es mit Erpressung und Trickserei durchgesetzt werden
muss.
(DIR) Olympische Spiele in Hamburg: Olympia-Bewerbung ist noch kein Schreckensprojekt
Wer sich bei der Frage, ob Hamburg sich für Olympia bewerben soll, nicht
entscheiden kann, dem bleibt nur Würfeln – oder die Sache mit dem
Altpapier.