# taz.de -- Hamburg braucht die Spiele nicht: Olympia ins Fernsehen!
> Olympia ist ein Kommerz-Monstrum, das nirgends stattfinden sollte. Schon
> gar nicht dort, wo es mit Erpressung und Trickserei durchgesetzt werden
> muss.
(IMG) Bild: Elbphilharmonie und nichts dahinter: Ohne Olympia hat Hamburg Touristen nicht viel zu bieten
Gut, dass das Olympiareferendum Ende Mai stattfindet. Da haben die
Hamburger:innen den Marathon, die [1][„Online Marketing Rockstars“] und
den Hafengeburtstag gerade überstanden. Und die [2][Harley Days], den
Ironman und den [3][Schlagermove] vor der Brust.
Man muss sich Olympische und Paralympische Spiele vorstellen wie
Hafengeburtstag und G-20-Gipfel zusammen – nur dass es nicht drei Tage
dauert, sondern sechs Wochen.
Viele Menschen wollen das nicht. Dabei spart der rot-grüne Senat nicht mit
Ködern: [4][neue U-] und S-Bahn-Linien; ein [5][runderneuerter
Hauptbahnhof]; ein neuer, bezahlbarer Stadtteil. Nur dumm, dass all das
längst vorher in Planung war. Ganz ohne Olympia-Remmidemmi.
Plötzlich erweckt der Senat den Eindruck, die nötigen Mittel dafür seien in
Berlin nur mit den Spielen loszueisen. Waren das also vorher ungedeckte
Schecks? Oder will man uns die Zustimmung zu Olympia abpressen?
## Kommt Hamburg „auf die Karte“?
Die Hoffnungen von den Grünen bis zur CDU sind noch viel größer: „Wir
packen Hamburg wieder auf die Weltkarte“, zitiert die Olympiakampagne
ungelenk einen [6][„Beginner“-Song]. Hamburg soll in der Welt bekannter
werden und dadurch soll die Wirtschaft wachsen.
Aber welches Unternehmen würde sich in einer Stadt ansiedeln, weil sie so
schöne Spiele ausgerichtet hat? Klar, das Event- und Sicherheitsgewerbe
würden ein Strohfeuer zünden, der Tourismus vielleicht sogar längerfristig
wachsen. Unter zehn Millionen Olympiagästen mag mancher zu Hause erzählen,
dass Hamburg eine schöne Stadt ist.
Aber beim nachhaltigen Kulturtourismus hat Hamburg einen schweren Stand,
weil ziemlich wenig zu bieten: keine pittoreske Altstadt, keine Museen von
Welt- oder auch nur europäischem Rang. Elbphilharmonie und nichts dahinter.
Weil für mehr das Geld fehlt, blicken die Hamburger:innen mit Recht
streng auf die Olympiakosten – und werden auch hier an der Nase
herumgeführt. Ein neues [7][Stadion verbucht der Senat auf der Habenseite],
dabei gibt es noch nicht mal eine Skizze. Insgesamt will die Stadt einen
[8][Millionengewinn einfahren] – hat aber Milliardenkosten für die
Sicherheit unterschlagen.
Die Begründung dafür ist übrigens kein bisschen beruhigend: Durch den
technischen Fortschritt werde Sicherheit in den kommenden Jahren viel
billiger, sagt Sport- und Innensenator Andy Grote (SPD). Das kann nur
heißen, dass er auf totale Überwachung setzt, wenn er nicht bereits von
KI-gesteuerten Robocops träumt.
Den Sport instrumentalisiert der Senat erstaunlich offenherzig als Mittel
zum Wachstumszweck. Aber kann man denn dagegen sein, dass die Stadt die
Jugend der Welt zum – friedlichen! – Wettstreit empfängt? Und darf man das
den Autokraten überlassen?
Man kann, man darf. Olympia ist ein aufgeblasenes Kommerz-Monstrum,
veranstaltet von einer über Jahrzehnte kriminellen Organisation, die
Allmacht und Steuerfreiheit verlangt. Kein Wunder, dass [9][Autokraten]
dies leichteren Herzens gewähren als Demokraten. Am besten wäre es,
Olympische Spiele fänden gar nicht statt.
Wenn's sein muss, dann aus Gründen der Nachhaltigkeit immer am selben Ort,
wie in der Antike. Oder, da kann man eine geschätzte taz-Kollegin
[10][nicht oft genug zitieren]: „Meinetwegen können die Olympischen Spiele
dort stattfinden, wo sie hingehören: im Fernsehen.“
15 May 2026
## LINKS
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(DIR) [6] https://www.youtube.com/watch?v=C6_Uk_2rkQg
(DIR) [7] /HSV-gruendet-Genossenschaft/!6155754
(DIR) [8] /Milliarden-fuer-die-Spiele/!6162007
(DIR) [9] /Korruptes-IOC-und-Olympia/!5828719
(DIR) [10] /Referendum-in-Hamburg/!5254397
## AUTOREN
(DIR) Jan Kahlcke
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