# taz.de -- Umstrittene Grundgesetzänderung: Schweden will Staatsangehörigkeit wieder entziehen können
> Menschen mit mehreren Staatsbürgerschaften können künftig die schwedische
> wieder verlieren, wenn sie den „vitalen Interessen“ des Landes schaden.
(IMG) Bild: Ab 2027 soll Menschen mit mehreren Staatsangehörigkeiten die schwedische entzogen werden können
Keinem schwedischen Staatsangehörigen, der in Schweden lebt oder gelebt
hat, kann die Staatsangehörigkeit entzogen werden: So steht es im
Grundgesetz des Landes – noch. Ab 2027 soll Menschen mit mehreren
Staatsangehörigkeiten die schwedische entzogen werden können, wenn sie
durch „unrichtige oder irreführende Angaben oder anderes ungebührliches
Verhalten“ erlangt wurde. Und: Wer für ein Verbrechen verurteilt wird, das
„Schwedens vitalen Interessen“ gravierend schadet, kann künftig ebenfalls
die Staatsangehörigkeit verlieren. Am Mittwoch stimmte der Reichstag in
Stockholm dem Vorschlag der Regierung zu.
Unter anderem Menschenrechtsorganisationen, Rechtsexperten, die Grünen und
die Linkspartei hatten vor Willkür und Rechtsunsicherheit als Folge
gewarnt. Die Kritik richtete sich vor allem gegen den Begriff „vitalen
Interessen“, den die liberal-konservative Regierungskoalition und ihr
[1][Kooperationspartner, die rechten Schwedendemokraten], für ihren
Gesetzvorschlag gewählt hatten.
Der ursprüngliche Expertenentwurf war konkreter gewesen, daran erinnerte
etwa die Organisation Civil Right Defenders (CRD). Dort war es noch um
„Verbrechen, die Schwedens Sicherheit ernsthaft bedrohen“, oder
„Verbrechen, die in der Zuständigkeit des Internationalen Strafgerichtshof
liegen“ – also etwa Kriegsverbrechen – gegangen. Ähnliches gilt bereits in
anderen Ländern.
Die schwedische Regierung hatte aber von Anfang an klargemacht, dass ihre
Zielpersonen für diese Grundgesetzänderung nicht zuletzt die [2][Köpfe der
organisierten Kriminalität in Schweden] sind. Sie ließ deshalb prüfen, ob
gewisse Gewaltverbrechen oder auch Geldwäsche, wenn sie im Rahmen
organisierter Kriminalität stattfänden, als Verbrechen gelten können, die
Schwedens „vitalen Interessen“ schaden. Dies sei zwar denkbar, war das
Ergebnis eines Expertenberichts. Er warnte aber zugleich, die Kategorie sei
sehr umfassend und schwer abzugrenzen.
## Ideologischer Erfolg der rechten Schwedendemokraten
Genau diese Schwammigkeit wurde auch bei der abschließenden
Parlamentsdebatte am Mittwoch kritisiert. Staatsangehörigkeit müsse in
einer Demokratie etwas sein, auf das Menschen sich verlassen können,
betonte der Fraktionsvorsitzende der Vänsterpartiet (Linkspartei), Samuel
Gonzalez Westling.
Die von der Regierung gewählte Formulierung lasse außerdem zu viel
Auslegungsspielraum. Es bestehe die Gefahr, dass künftige Regierungen die
Kriterien dessen, was als Gefahr für die vitalen Interessen Schwedens
gelte, nach Gutdünken ausweiten. Der Linkenpolitiker meinte, diese Änderung
sei „vermutlich einen der größten ideologischen Erfolge der
Schwedendemokraten“ als Mehrheitsbeschaffer der aktuellen Regierung.
Auch die Organisation Civil Right Defenders (CRD) hatte kritisiert, dem
Gesetzestext fehlten „deutliche Konturen“. Das steigere das Risiko für
uneinheitliche und willkürliche Entscheidungen.
Es ist nicht der erste Vorwurf dieser Art an die Adresse der aktuellen
Regierung. Gerade im Bereich Migration, Aufenthaltsrecht und
Staatsangehörigkeit bringt sie in hoher Schlagzahl auch unter
Rechtsexperten umstrittene Änderungen durchs Parlament. Im September wird
in Schweden gewählt.
21 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Rechte-Allianz-in-Schweden/!6165176
(DIR) [2] /Foxtrot-Bande-in-Schweden/!6098497
## AUTOREN
(DIR) Anne Diekhoff
## TAGS
(DIR) Schweden
(DIR) Schwerpunkt Grundgesetz
(DIR) Staatsangehörigkeit
(DIR) Migration
(DIR) GNS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Katastrophenschutz
(DIR) Schweden
(DIR) Schweden
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Katastrophenschutz in Schweden: Gesammelte Aufrüstung
Schweden stärkt die Bedeutung der zivilen Verteidigung seit Jahren. Auch
Privatpersonen können im Kriegsfall Aufgaben zugewiesen bekommen.
(DIR) Höhere Hürden bis zum schwedischen Pass: „Demokratie aufs Spiel gesetzt“
Bei der Abstimmung zum verschärften Einbürgerungsgesetz ignorieren die
rechtspopulistischen Schwedendemokraten bewusst ein ungeschriebenes Gesetz.
(DIR) Nach Kritik an Migrationspolitik: „Teenager-Ausweisungen“ in Schweden vorerst gestoppt
Das skandinavische Land macht einen Rückzieher bei seiner „strammen
Migrationspolitik“. Jugendliche verlieren jetzt nicht mehr mit 18 das
Aufenthaltsrecht.